6. November 2015, 09:13
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“Die geförderte Pflege hilft der gesamten Branche”

Vier Experten sprachen im Cash.-Roundtable über den Trend zu steigenden Eigenanteilen in der Pflege und dem von Maklern oftmals vorgebrachte Kritikpunkt einer unzureichenden Dynamisierung der Leistungen.

Pflege-Policen

Oben: Dr. Rainer Reitzler, Vorstandsvorsitzender, Münchener Verein Versicherungsgruppe (links) und Ellen Ludwig, Geschäftsführerin [ascore] Das Scoring GmbH.
Unten: Torsten Richter, Leiter Vertriebsunterstützung, Regionaldirektion Hamburg, Swiss Life Deutschland (links) und Dr. Stefan M. Knoll, Vorstandsvorsitzender, DFV Deutsche Familienversicherung AG.

Cash.: “Pflege als Armutsrisiko”, titelte die jüngst die “Süddeutsche Zeitung”. Dem Bericht zufolge konnten Heimbewohner mit Pflegestufe III im Jahr 1999 noch 72 Prozent der Kosten mit der gesetzlichen Pflegeversicherung decken, vierzehn Jahre später waren es nur noch 66 Prozent. Bei Heimbewohnern mit Pflegestufe II fiel der Kostendeckungsgrad im gleichen Zeitraum sogar von 84 auf 68 Prozent. Die Bundesregierung plant nun, dass der pflegebedingte Eigenanteil mit zunehmender Pflegebedürftigkeit nicht mehr ansteigen soll. Halten Sie das für umsetzbar?

Torsten Richter, Swiss Life Deutschland: Die Erfahrungen haben in der Tat gezeigt, dass der Eigenanteil für die Pflegebedürftigen immer weiter zugenommen hat. Und ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass die Entwicklung in Zukunft eine andere sein wird, auch wenn die Bundesregierung das gern anders hätte. Umso mehr müssen wir als private Versicherungswirtschaft dafür plädieren, dass die Kunden rechtzeitig privat vorzusorgen haben und sich rechtzeitig Gedanken machen sollten, wie sie die Finanzierungslücke schließen wollen.

Ellen Ludwig, [ascore] Das Scoring GmbH: Auch in Bezug auf die Rentenversicherung gab es den Willen, das Leistungsniveau nicht abzusenken – gesunken ist es trotzdem. Der gesetzlichen Pflege droht ein ähnliches Schicksal, weil sie vor dem Hintergrund der wachsenden Zahl der Pflegebedürftigen über das Umlageverfahren nicht mehr zu finanzieren sein wird – es sei denn, die Beiträge steigen enorm an, was in der Praxis wohl kaum durchsetzbar wäre, weil es viel zu teuer wäre.

Herr Dr. Knoll, glauben Sie auch, dass der Trend zu steigenden Eigenanteilen in der Pflege – trotz der hehren Absichten der Bundesregierung – auf lange Sicht nicht zu stoppen ist?

Dr. Stefan M. Knoll, DFV Deutsche Familienversicherung AG: Meine beiden Vorredner haben das sehr diplomatisch formuliert. Ich sage Ihnen: keine Chance. Wir werden derartige Ziele nicht erreichen, denn es ist nicht finanzierbar. Schauen Sie: Ich gehöre den geburtenstarken Jahrgängen an, das sind die Jahrgänge von 1955 bis 1965. Diese gehen in zehn Jahren in Pension und in zwanzig Jahren oftmals in die Pflegebedürftigkeit. Man muss es so hart sagen: Diese Bundesregierung, wie auch die letzten Bundesregierungen und die folgenden, haben keinerlei Konzept, wie wir mit der größten sozialpolitischen Herausforderung – und das ist nun einmal die Pflege – in Zukunft umgehen wollen. Zurzeit verzeichnet die Bundesrepublik die höchsten Steuereinnahmen ihrer Geschichte und dennoch steht lediglich eine schwarze Null zu Buche. Was machen wir eigentlich, wenn meine Generation in zehn Jahren Transferleistungen erhält? Wie soll das gehen?

Seite zwei: “Dynamiken stellen sich sehr unterschiedlich dar”

Weiter lesen: 1 2 3

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 3/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Pflegevorsorge - Small Caps - Zinshäuser - Digitalisierung - Honorarberatung - Leadsgewinnung - Nachfolge-Planung

Ab dem 16. Februar am Handel.

 

Cash. 2/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Absolute-Return – Insurtechs – Robo Advisors – Denkmalimmobilien

Versicherungen

Techniker: Mit Migräne-App gegen Kopfschmerzen

Migräne-Apps können die ärztliche Therapie bei Schmerzpatienten wirksam unterstützen. Wie die Techniker Krankenkasse (TK) am Mittwoch in Berlin mitteilte, können solche Apps grundsätzlich zu einem besseren Selbstmanagement bei chronischen Erkrankungen verhelfen.

mehr ...

Immobilien

Deutsche Wohnen AG: Dynamisches Wachstum

Der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen AG konnte seinen Gewinn im abgelaufenen Jahr deutlich steigern. Das Unternehmen platzierte eine Kapitalerhöhung und plant weitere Zukäufe.

mehr ...

Investmentfonds

Höhere Kursschwankungen eröffnen Chancen

Auf der ganzen Welt bestimmen politische und wirtschaftliche Unsicherheiten die Nachrichtensendungen. Dennoch geht die Volatilität gemessen an den entsprechenden Kennzahlen zurück. Gastkommentar von George Efstathopoulos, Fidelity International

mehr ...

Berater

Arbeiten mit Leads: So gelingt die Kundengewinnung

Die Neukunden von morgen sind im Internet unterwegs. Um sie dort zu erreichen, fehlen den meisten Beratern Zeit und Know-how. Hier kann der Zukauf von Leads eine Lösung sein. Damit aus Leads tatsächlich Neukunden werden, gilt es jedoch, einiges zu beachten. Gastbeitrag von Sabine Koch, finanzen.de

mehr ...

Sachwertanlagen

Solvium plant weitere Wechselkoffer-Direktinvestments

Der Hamburger Anbieter Solvium Capital kündigt an, die Angebote „Wechselkoffer Euro Select 1 & 2“ zum 20. März 2017 zu schließen und konzipiert zurzeit Nachfolgeprodukte nach gleichem Modell, die voraussichtlich im Mai in den Vertrieb gehen sollen.

mehr ...

Recht

BGH-Urteil: Haftpflichtversicherer versus Rententräger

Kommt es bei einem Haftpflichtschadensfall zu Renteneinbußen und ist der Versicherte durch Zahlungen des Versicherers an den Rententräger wirtschaftlich so gestellt, als sei der Unfall nicht geschehen, kann ein ersatzpflichtiger Rentenkürzungsschaden bejaht werden, so der BGH.

mehr ...