23. März 2016, 12:35

Eiopa-Chef appelliert an deutsche Versicherer

Gabriel Bernardino, Vorsitzender der EU-Versicherungsaufsichtsbehörde Eiopa, hat an die Innovationsbereitschaft der deutschen Versicherungswirtschaft appelliert. Die Gesellschaften müssten jetzt innovativ werden und neue Produkte anbieten, sagte Bernardino dem Fachblatt “Aktuar Aktuell”. Im Hinblick auf die Erfüllung der Solvency-II-Vorschriften mahnte Bernardino die Branche zu einem transparenten Vorgehen.

Eiopa-Chef appelliert an deutsche Versicherer

Gabriel Bernardino: “Jetzt müssen die Versicherungsgesellschaften innovativ werden und neue Produkte anbieten.”

In einem Interview, das die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) am Mittwoch in ihrer Verbandszeitschrift veröffentlicht hat, verteidigte Bernardino die sechzehnjährige Übergangsfrist, die deutsche Lebensversicherer in Anspruch nehmen dürfen, bis sie alle Vorschriften des zu Jahresbeginn in Kraft getretenen EU-Aufsichtsregime Solvency II erfüllen müssen.

Übergangsregelungen “sehr sinnvoll”

Er halte die Übergangsregelungen für sehr sinnvoll, sagte der Eiopa-Vorsitzende. Die Solvabilitätsrealität würden dadurch nicht verzerrt, betonte Bernardino. So habe man die Regeln eingeführt, “um einen reibungslosen Übergang von Solvency I auf Solvency II sicherzustellen und um Marktverwerfungen zu verhindern”.

Die Übergangsfrist nützt vor allem den deutschen Versicherern, deren bisheriges Geschäftsmodell auf langlaufenden Garantieversprechen beruht.

“Geschäftsmodelle an Niedrigzinsumfeld anpassen”

Allerdings erwartet Bernardino von den Versicherern, dass sie die verbleibende Zeit möglichst effektiv nutzen. Im Zuge der Übergangsregelungen müssten die Unternehmen “weiterhin die erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um ihre Geschäftsmodelle und ihre Produkte an das neue wirtschaftliche und finanzielle Umfeld anzupassen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Niedrigzinsumfeld“, sagte der Eiopa-Chef.

“Vertriebskanäle und -kosten erneut auf den Prüfstand stellen”

Weiter appellierte Bernardino an die Branche: “Jetzt müssen die Versicherungsgesellschaften innovativ werden und neue Produkte anbieten – auch im Lebensversicherungsbereich – ihre Garantien anpassen, ihre Überschussbeteiligungsregelungen transparenter gestalten und ihre Vertriebskanäle und -kosten erneut auf den Prüfstand stellen.” Zugleich betonte der oberste Aufseher, dass er zuversichtlich sei, dass die deutsche Lebensversicherungsbranche ihren Kunden weiterhin “einen relevanten Mehrwert” bieten werde.

Auch im Hinblick auf das Reporting stellt Bernardino konkrete Anforderungen an die Branche: So sei es etwa “von grundlegender Bedeutung”, dass die Versicherer dem Markt “klare und transparente Informationen” über die tatsächliche Verwendung aller im neuen Aufsichtssystem enthaltenen Anpassungen und Übergangsregelungen zur Verfügung stellten. Dies werde eine objektive und neutrale Darstellung des finanziellen Zustands des jeweiligen Unternehmens ermöglichen, so Bernardino. (lk)

Foto: Eiopa

 


Aktuelle Beiträge
Folgen Sie uns:
Aktuelle Beiträge aus dem Ressort Versicherungen


Topaktuelle Themen auf der Startseite


Cash.Aktuell

Cash. 07/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Income-Fonds  – Mr. Dax im Fonds-Gespräch – PKV - Ferienimmobilien - Recruiting

Ab dem 16. Juni im Handel.

Cash. 06/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Aktiv versus passiv  –Versicherungen für Immobilien –Luftfahrtmarkt – Marktreport Anlageimmobilien

Ihre Meinung

Mehr Cash.

Versicherungen

Die Betriebsrenten sind sicher – oder?

Betriebsrenten sind zwar grundsätzlich sehr sicher: Doch viele Sparer fragen sich, wie es mit ihrer Betriebsrentenanwartschaft im weiteren Verlauf der Niedrigzinsphase weitergehen soll. Altersvorsorgespezialist und bAV-Experte Detlef Pohl über ein erklärungsbedürftiges Thema.

mehr ...

Immobilien

Baufinanzierung: Achtung Nebenkosten

Die Formel Kaufpreis abzüglich Eigenkapital reicht für eine solide Baufinanzierung nicht aus. Neben- und Betriebskosten sind elementare Bestandteile eines stabilen Finanzierungsplans. Tipps vom Baufinanzierungsportal Baufi24.

mehr ...

Investmentfonds

Deutsche wollen keine EU-Lösung beim Einlagenschutz

Die Mehrheit der Bundesbürger ist dafür, dass der Sparerschutz in der Europäischen Union auch zukünftig in den einzelnen Staaten sichergestellt wird. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungs­forschungs­instituts Forsa für den Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV).

mehr ...

Berater

Brexit: Blau direkt rechnet mit großen Folgen bei angelsächsischen Versicherern

Der Brexit wird auch für die Versicherungswirtschaft weitreichende Konsequenzen haben. Nicht nur, dass zahlreiche Versicherer wie Standard Life oder Clerical Medical in Frage gestellt sind, auch zahlreiche deutsche Fondspolicenanbieter haben Ihr Fondsmanagement teils über London durchführen lassen, so der Lübecker Maklerpool Blau direkt. 

mehr ...

Sachwertanlagen

Spezial-AIF Project “Vier Metropolen II” erzielt erstes Closing

Nach Angaben von Project Immobilien haben vier Großinvestoren in den auf Immobilienentwicklungen mit Schwerpunkt Wohnen spezialisierten institutionellen Alternativen Investmentfonds “Vier Metropolen II” investiert.

mehr ...

Recht

BVG billigt EZB-Krisenkurs unter Auflagen

Mitten in der Eurokrise beruhigte die EZB mit einem weitreichenden Versprechen die Märkte. Nach jahrelangem Streit billigt Karlsruhe den riskanten Alleingang der Notenbank – aber nicht bedingungslos.

mehr ...