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Vermittler unter BaFin-Aufsicht: Alle Jahre wieder …

Da ist sie wieder: Die Forderung, alle ungebundenen Vermittler unter BaFin-Aufsicht zu stellen. Dieses Mal kommt sie nicht von der Opposition im Deutschen Bundestag, sondern aus der Banklandschaft, genauer gesagt: vom Spitzenverband [1] der Sparkassen.

Gastbeitrag von Frank Rottenbacher, Vorstand des AfW–Bundesverband Finanzdienstleistung

“In Wahrheit geht es wohl um eine Marktbereinigung zugunsten der Banken.”

Offiziell geht es um die Qualität der Aufsicht, die bei der BaFin angeblich besser wäre. Der Verbraucher müsse besser geschützt werden. Wahrscheinlich verbirgt sich aber ein anderes Ziel dahinter.

Grundsätzlich hilft es ja, wenn Behauptungen durch empirische Fakten belegbar sind. Was ist aber in den letzten Jahren in den Banken und Sparkassen [2] unter BaFin-Aufsicht passiert? Ist es dank BaFin-Aufsicht in allen Banken wirklich zu kundenorientierter und objektiver Beratung gekommen? Gab es etwa keine Skandale wegen der Vermittlung unpassender Produkte? Nein.

“Bausparwochen” widersprechen kundenorientierter Beratung

Solange es in Banken noch so etwas wie Bausparwochen, einen “Fonds des Monats” oder sonstige Aktionen gibt, kann es dort keine kundenorientierte Beratung [3] geben. Eine BaFin-Aufsicht verhindert das alles nicht. Im Gegenteil: Spätestens seit der Finanzkrise wird immer größeren Bevölkerungsteilen klar, dass der Bankberater [4] in Wirklichkeit ein Verkäufer ist.

Seit 2007 kontrollieren Behörden vor Ort, nämlich die lokalen IHK, die Versicherungsvermittler. Die Beschwerdezahlen beim Versicherungsombudsmann [5] über Versicherungsmakler sind seit Jahren verschwindend gering.

Diese Aufsicht scheint zu funktionieren und es macht auch Sinn, dieses Verfahren einheitlich über die anderen Finanzbereiche wie Kapitalanlage- und Immobiliendarlehensvermittlung zu legen. Natürlich gibt es immer Verbesserungspotential, es ist aber inhaltlich falsch, diese Regelung zu verunglimpfen.

Seite zwei: BaFin fehlt Kapazität zur Beaufsichtigung [6]

Auch bleibt die Frage offen, ob die BaFin überhaupt zehntausende Vermittler beaufsichtigen könne? Wohl kaum. Denn die BaFin hatte bei der Anhörung zur Finanzanlagenvermittlerverordnung im Finanzausschuss indirekt zugegeben, dass sie die Aufsicht über zehntausende freie Vermittler gar nicht ausüben könne.

In Wahrheit geht es wohl um eine Marktbereinigung zugunsten der Banken. Denn eine BaFin-Aufsicht hätte zur Folge, dass sich die freien Vermittler entweder unter ein Haftungsdach [7] begeben oder selbst ein Finanzinstitut gründen müssten. Zweites ist aufgrund jährlicher Kosten im deutlich fünfstelligen Bereich für Vermittler schlicht nicht darstellbar.

Marktbereinigung zugunsten der Banken

Wenn sich aber alle ungebundenen Vermittler unter wenigen Haftungsdächern sammeln würden, dann wäre die ungeliebte ungebundene Konkurrenz zumindest besser zu beobachten. Oder Banken könnten versuchen, sich an dem einen oder anderen Haftungsdach zu beteiligen.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Jeder Vermittler soll selbst entscheiden, ob ein Gang unter ein Haftungsdach für ihn sinnvoll ist. Dafür kann es gute Gründe geben. Der AfW ist nur gegen einen politisch verordneten Zwang, dies zu tun.

Unsere Kunden brauchen keinen Wechsel der Aufsicht. Sie brauchen gute und objektive Beratung. Und die bekommen sie bei freien Vermittlern.

Der Autor Frank Rottenbacher ist Vorstand des AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung e.V.

Foto: AfW