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Islamic Finance: Im Einklang mit dem Koran

Die Altersvorsorge von Menschen mit Migrations-Hintergrund lässt oftmals zu wünschen übrig. Islamic Finance bietet Finanzberatung im Einklang mit dem Koran an und richtet sich sowohl an Muslime als auch an Sparer, denen bestimmte Leitlinien bei der Geldanlage wichtig sind.

Taoufik Bouhmidi, FMF: “Aktuell sind es in erster Linie die 4,5 Millionen in Deutschland lebenden Muslime, die nach Islamic-Finance-Produkten suchen.”

Taoufik Bouhmidi, Gründer der Finanzberatung für Muslime und Freunde (FMF), erklärt, worin sich Islamic Finance von hiesigen Vorsorgelösungen unterscheidet, welche Zielgruppen es gibt und welche Marktchancen Islamic Finance hat:

Islamic Finance berücksichtigt eine völlig anders ausgerichtete Denkweise im Finanzwesen. So basiert das klassische Finanzsystem vornehmlich auf dem Gewinnstreben Einzelner, welche durch Zinserträge ihr Kapital stetig vermehren können.

Zusatznutzen im Vordergrund

Anders bei Islamic Finance: Es erkennt zwar Privateigentum, Markt und Wettbewerb ebenfalls an, stellt aber den Zusatznutzen in den Vordergrund [1], den ein bestimmtes Produkt für die Gemeinwirtschaft schafft.

Folgende Kriterien müssen dabei eingehalten werden:

Geldzinsverbot: Vermeidung von exponentiellem Wachstum und ungerechter Verteilung.

Verbot von vertraglichen Unsicherheiten und Glückspiel: Transparenz und Klarheit für beide Vertragspartner, ein Großteil der Derivate sind verboten, ebenso Leerverkäufe.

Ethische Investitionskriterien: Der Nutzen für das Gemeinwohl steht im Vordergrund.

Branchen oder Unternehmen, die ausgeschlossen werden, weil sie langfristig schädliche Konsequenzen mit sich bringen sind beispielsweise:

• Tabak-/Alkoholindustrie
• Waffenindustrie
• Pornographie
• Glückspielindustrie
• Zinsbasierte Finanzwirtschaft
• Unternehmen mit mehr als 33 Prozent Gesamtschulden

Gewinn- und Verlustverteilung: Echte Partnerschaft der Vertragspartner statt Gläubiger-/Schuldner-Verhältnis.

Seite zwei: Zielgruppe nicht nur gläubige Muslime [2]Das Ziel von Islamic Finance ist es, ein nachhaltiges und gerechtes Wirtschaften zu ermöglichen, welches das Ausbeuten von Natur und Menschen zum Vorteil von Wenigen vermeidet.

Zielgruppe nicht nur gläubige Muslime

Aktuell sind es in erster Linie die 4,5 Millionen in Deutschland lebenden Muslime, die nach Islamic-Finance-Produkten suchen, weil diese ihren religiösen Überzeugungen entsprechen.

Es gibt aber auch immer mehr systemkritische Menschen, die nach Alternativen innerhalb des aktuell wackeligen Finanzsystems suchen und in den Grundsätzen des Islamic Finance neue und interessante Lösungen finden.

Relativ junger Nischenmarkt

Die Ansprache dieser Zielgruppen kann über viele Wege geschehen. Zum einen ist das Internet ein wichtiger Vertriebskanal [3] für Islamic-Finance-Produkte, ebenso halten wir aufklärende Vorträge zu diesem Thema, aber auch das Empfehlungsgeschäft [4] ist gerade unter Muslimen sehr ausgeprägt.

Zusammengefasst handelt es sich bei Islamic Finance somit um einen noch relativ jungen Nischenmarkt, der aber stetig wächst. Denn bei der Altersvorsorge [5] unterscheiden sich Muslime nicht von anderen Zielgruppen: In den sauren Apfel, Vorsorge für den Ruhestand zu betreiben, müssen wohl irgendwann alle beißen.

Taoufik Bouhmidi ist Geschäftsführer der FMF GmbH und Betreiber der Webseite www.zinsfrei.de. Über diverse Vorsorgeprodukte hinaus bietet FMF einen bundesweiten Produktvertrieb an und fungiert als Maklerpool für Islamic-Finance-Lösungen.

Foto: Shutterstock / FMF