- Finanznachrichten auf Cash.Online - https://www.cash-online.de -

“Wir haben mit allen Kunden persönlich gesprochen”

Finanz- und Unternehmensberater Heiner Ruppert hat mit seinen Kindern das Ruppert Beratungshaus gegründet. Bis 2019 soll die Betriebsübergabe an seinen Sohn Andreas abgeschlossen sein. Im Interview schildern Vater und Sohn, wie der Generationenwechsel gelingen kann.

Heiner Ruppert (rechts) weiß sein Unternehmen bei seinem Nachfolger und Sohn Andreas in guten Händen.

Cash.: Die Branche klagt über Nachwuchssorgen. Worin sehen Sie den Nachwuchsmangel begründet?

Andreas Ruppert (AR): Die niedrigen Einstiegshürden und fehlenden Ausbildungsstandards sorgen meiner Meinung nach dafür, dass sich qualitativ hochwertiger Nachwuchs für andere akademische Berufe entscheidet. Was konträr klingen mag, ist das Ergebnis jahrelanger Versäumnisse.

Erst wenn Standards im Bereich der Ausbildung geschaffen werden, Aufsicht und Regulierung an den richtigen Stellen greifen und Courtage und Provisionsmodelle in vernünftige Formen umgesetzt und zur Pflicht werden, dann wird die Branche auch für viele junge und qualifizierte Menschen wieder interessant sein.

Was hat Sie bewogen, den Beraterberuf zu ergreifen?

AR: Durch die Arbeit meines Vaters als Anlageberater und Versicherungsmakler habe ich schon als Kind und Jugendlicher Einblicke in diesen Beruf bekommen. Mir war sehr früh klar, dass ich mich ebenfalls für einen Beruf in der Finanzdienstleistungsbranche entscheiden werde.

Wäre es Ihnen schwergefallen, den Betrieb aufzulösen beziehungsweise in fremde Hände zu geben?

Heiner Ruppert (HR): Es wäre mir sicher sehr schwergefallen, den Betrieb in fremde Hände zu geben. Über eine Betriebsauflösung habe ich nie nachgedacht, da diese nie eine Option gewesen wäre. Mir war es immer wichtig, für meine Kunden da zu sein und die engen Beziehungen, die ich mit ihnen über Jahrzehnte aufgebaut habe, zu pflegen und auch generationenübergreifend weiter zu beraten. Es ist entscheidend für mich, dass meine Philosophie weitergetragen wird.

Ist es von Vorteil, Nachfolger im eigenen Unternehmen aufzubauen?

HR: Wie bereits gesagt, ist es bedeutsam für mich, dass mein Nachfolger dieselbe Philosophie hat und die Kunden den Nachfolger schon kennenlernen, wenn ich noch im Unternehmen tätig bin. Der Schlüssel zu einer reibungslosen Betriebsübernahme ist die frühzeitige Planung.

 

Seite zwei: “Den Kunden gegenüber transparent sein [1]

Welchen Zeithorizont haben Sie vorgesehen?

AR: Nachdem mein Vater, meine Schwester und ich 2009 beschlossen haben, gemeinsam ein Unternehmen zu gründen, war für meinen Vater schnell klar, dass wir – seine Kinder – die Zukunft der Firma sind. Er hat es uns ermöglicht, seine Philosophie und seinen Namen weiterzuführen, ohne von heute auf morgen auf ihn verzichten zu müssen. Da wir frühzeitig begonnen haben, die Betriebsübernahme anzugehen, gehen wir davon aus, dass diese im Jahr 2019 beendet ist.

HR: Wir haben – im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen – das Privileg, unseren Kunden nachweislich das Versprechen geben zu können, sie auf ihrem gesamten Lebensweg zu begleiten. Dies ist uns nur möglich, weil wir verstanden haben, die Nachfolge rechtzeitig zu regeln.

Worauf sollte bei der Bestandsübertragung geachtet werden?

HR: Uns war es immer wichtig, den Kunden gegenüber transparent zu sein und sie nicht vor vollendete Tatsachen zu stellen. Somit kam für uns nie infrage, eine klassische gesamtheitliche Bestandsübertragung durchzuführen.

Welche Fallstricke lauern bei der Betriebsübernahme?

AR: Es sollte darauf geachtet werden, dass es ein langsamer und geplanter Prozess ist, bei dem jeder Kunde involviert wird und auch nach der Übertragung ohne Qualitätsverluste und auf demselben Niveau beraten wird. Dafür sind entsprechende Qualifikationen und das notwendige Knowhow wichtig.

Wie haben Sie die Betriebsübernahme an Ihre Kunden kommuniziert und wie haben diese reagiert?

HR: Es wurden mit allen Kunden persönliche Gespräche geführt, was zeigt, welchen zeitlichen Umfang eine professionelle Betriebsübernahme erfordert. Einige Kunden waren zuerst unsicher, was das in Zukunft für sie bedeutet. Jedoch wurden sie langsam an den Prozess der Übernahme hingeführt und die Veränderungen waren nicht abrupt, da ich weiterhin für sie als Berater da bin. Dadurch waren die Reaktionen sehr positiv. Zusätzlich finden es viele von ihnen inzwischen äußerst vorteilhaft, gleich zwei kompetente Ansprechpartner zu haben.

Womit haben Sie rückblickend am meisten kämpfen müssen?

AR: Mein Alter war durchaus ein Thema und demzufolge sind beziehungsweise waren einige Kunden längere Zeit stark auf meinen Vater fixiert, sowohl bei Terminen als auch bei Telefonaten. Man musste den Kunden erst beweisen, welche Qualitäten als Berater in einem stecken und den Nachweis erbringen, dass man durchaus kompetent ist, sie ebenfalls professionell zu beraten.

Interview: Julia Böhne

Foto: Thomas Bernhardt