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Banker sind out, Verbraucher wollen Unabhängigkeit

Bis zur letzten großen Krise gehörten Banker zu den absoluten Eliten in der Business-Welt. Inzwischen hat sich das Image ihres Berufsstands und auch ihrer Arbeitgeber recht grundlegend gewandelt. Gastbeitrag von Frerk Frommholz, Finanzberatung Frommholz

Frerk Frommholz: “Für die meisten Banken und ihre Kundenberater steht der Verkauf der eigenen Finanzprodukte absolut im Fokus.”

Der böse Spruch von den “Nieten in Nadelstreifen” trifft aus Verbrauchersicht auf Banker inzwischen in besonderem Maße zu. Daran haben nicht nur die globalen Verwerfungen innerhalb des Bankensystems, sondern auch ganz alltägliche Erfahrungen ihren Anteil.

Für die meisten Banken und ihre Kundenberater steht der Verkauf der eigenen Finanzprodukte absolut im Fokus, die individuellen Voraussetzungen und Wünsche ihrer Kunden interessieren dagegen eher am Rande.

Der Wunsch nach unabhängiger Beratung wird jedoch nicht nur auf Kundenseite laut. Auch viele angestellte Finanzexperten sind mit ihrem Job aufgrund der Branchenanforderungen unzufrieden.

Stiftung Warentest: Nur drei von 23 Banken beraten objektiv

Eine aktuelle Studie der Stiftung Warentest stellt der Mehrzahl der getesteten Banken eher schlechte Noten aus. Bei der Erhebung ging es um die Beratungsqualität für Anlageprodukte.

Zwar interessierten sich die meisten Bankberater anders als in früheren Jahren auch für den sogenannten Kundenstatus, fragten im Verkaufsgespräch also auch nach den Anlagevorstellungen ihrer Kunden. Allerdings passten die Angebote, die darauf folgten, in den meisten Fällen nicht wirklich zur den Anlagezielen der Verbraucher.

In insgesamt 160 Beratungsgesprächen mit fünf bundesweit aktiven Privatbanken sowie je neun Sparkassen und Genossenschaftsbanken fragten die Tester danach, wie sie jeweils 45.000 Euro für die kommenden zehn Jahre investieren sollten.

Seite zwei: Banker sind oft von ihrem Job frustriert [1]

Ihr Ausgangsszenario bestand in einer insgesamt guten finanziellen Situation ohne Wohneigentumserwerb, Unkenntnis des Aktienmarktes sowie dem Wunsch, über ihr Kapital bei Bedarf vorzeitig zu verfügen.

Als “gut” schnitten aufgrund ihrer Anlageempfehlungen schließlich nur drei Institute ab, das Gros der getesteten Banken konnte nur die Testnote “befriedigend” erreichen. Die Beratung der beiden Schlusslichter – Hypovereinsbank und Hannoversche Volksbank – war so schlecht, dass die Tester schließlich ein “mangelhaft” vergaben.

Gegen die gesetzlich vorgeschriebene Protokollpflicht der Beratung verstießen 15 Bankberater – bei einem identischen Test vor fünf Jahren hatten immerhin 65 Banker diesen Gesetzesverstoß begangen.

Angestellte Banker – oft von ihrem Job frustriert

Dass sich immer mehr Verbraucher eine unabhängige Finanzberatung wünschen, ist ein offenes Geheimnis – jedoch sind auch viele angestellte Banker zunehmend von ihrem Job frustriert. Das durchaus vorhandene Berufsethos der Banker, ihr Wunsch nach einem echten Vertrauensverhältnis zu ihren Kunden und vor allem danach, ihre Expertise in individuelle, strategisch fokussierte Beratungen einzubringen kollidiert nur allzu oft mit den Zielvorgaben aus der Chefetage.

Der Wunsch nach Transparenz und Fairness treibt also nicht nur die Kunden, sondern in vielen Fällen auch die Banker um.

Große Organisation oder unabhängige Bankberatung?

Im Rahmen der großen Organisationen lassen sich die Wünsche beider Seiten oft allerdings kaum oder gar nicht realisieren. Solange das Verkaufsinteresse der einzelnen Bank ausschlaggebend und für den Bankberater bindend ist, können Kunden nur selten mit der Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse, umfassenden Marktinformationen und objektiver Beratung rechnen. Auch die Banker selbst können ihr Dilemma meist nur durch den Ausstieg aus dem Job und den Aufbau einer eigenen Beratungsfirma lösen.

Die gute Nachricht: Ein Markt für unabhängige Finanzdienstleistungen ist definitiv vorhanden. Er präsentiert sich bereits jetzt als äußerst ausbaufähig und dürfte in den kommenden Jahren ein deutliches Wachstum vor sich haben. Letztlich bietet nur eine unabhängige Finanzberatung Klienten und Beratern die Chance für eine faire, transparente und produktive Partnerschaft.

Im Internet gibt es bereits sehr informative Seiten, die Bankern den persönlichen Weg zu einer selbstständigen Tätigkeit als freier Finanzberater ebnen. Nur den Mut und die innere Einstellung Bewährtes aufzugeben muss der Noch-Banker selbst aufbringen.

Autor Frerk Frommholz betreibt gemeinsam mit seinem Vater Frank die Finanzberatung Frommholz OHG [2], die in Hamburg und Jevenstedt ansässig ist.

Foto: Finanzberatung Frommholz OHG