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Beraternachwuchs: Was Bewerber mitbringen sollten

Die Finanzvertriebe in Deutschland suchen nach jungen Beratern. Mit Cash. haben sie über Ihre Erwartungen an die Bewerber gesprochen und erläutert, welche Einstiegswege sie für Nachwuchsberater bieten.

Die deutschen Finanzvertriebe haben sich mit den Bedürfnissen der jungen Bewerbergeneration [1] befasst und bieten den Millennials die Möglichkeit zur Entfaltung. Im Gegenzug erwarten sie, dass die Bewerber gewisse Fähigkeiten mitbringen. In erster Linie sollten sich künftige Berater natürlich für Finanz- und Versicherungsthemen interessieren.

“Wichtig ist der Spaß am Umgang mit Menschen und das Interesse für Finanzthemen”, sagt Dirk Reiffenrath, der als Mitglied des Vorstands beim Frankfurter Finanzvertrieb Deutsche Vermögensberatung AG (DVAG) [2].

Nachwuchsberater sollten kommunikativ und zahlenaffin sein

Der Anforderungskatalog an Bewerber ist damit aber noch lange nicht erschöpft. “Ausdauer, Unternehmergeist, der Wille zum Erfolg, eine hohe Kundenorientierung sowie der eigene Anspruch, sich permanent persönlich sowie fachlich weiterzuentwickeln, sind Eigenschaften, die einen guten Berater auszeichnen”, schildert Nancy Diesterweg, Abteilungsleiterin Recruiting beim Wieslocher Finanzdienstleister MLP [3].

Neben dem Willen, sich laufend weiterzubilden, sieht auch Edgar Künsting, Vorstand der Künsting AG, die zum Paderborner Unternehmensverbund MaklerFair Group gehört, das Interesse an der Arbeit mit Menschen als eine wichtige Voraussetzung für die Beratertätigkeit.

“Wenn der Bewerber, also der zukünftige Berater, darüber hinaus noch redegewandt, kommunikativ, teamfähig, zahlenaffin und kritikfähig ist, haben wir unseren Traumbewerber gefunden”, sagt Künsting.

Seite zwei: Vertriebe buhlen um Banker [4]

Laut Stefan Kuehl, Vertriebsgeschäftsführer des Hannoveraner Finanzvertriebs Swiss Life Select [5] sind Fachkenntnisse vor Beginn der Ausbildung nicht unbedingt erforderlich. “Kommunikationsstärke, Offenheit und Interesse gegenüber anderen Menschen und Sensibilität im Umgang mit ihren Themen, aber auch Leistungsbereitschaft, Disziplin und ein gewisses Maß an Selbstständigkeit sind persönliche Fähigkeiten, die für eine erfolgreiche Beratertätigkeit wichtig sind”, meint Kuehl.

Trotz der ähnlichen Anforderungen an Bewerber richten sich die Unternehmen durchaus an unterschiedliche Zielgruppen. Swiss Life Select bietet Realschulabsolventen ebenso wie Abiturienten oder jungen Studierenden die Möglichkeit, Berater zu werden. Die Bewerber sollten jedoch verantwortungsbewusst, unternehmerisch denkend und leistungsbereit sein.

Der Unternehmensverbund MaklerFairGroup steht laut Edgar Künsting sowohl angehenden Auszubildenden als auch jungen Menschen, die bereits eine Ausbildung in der Finanz- und oder Versicherungsbranche absolviert haben, offen. Der Finanzdienstleister MLP ist grundsätzlich auf der Suche nach Absolventen aus wirtschaftswissenschaftlichen und naturwissenschaftlichen Studiengängen.

Vertriebe buhlen um Banker

Aber auch Versicherungskaufleute und -fachwirte sowie Bankkaufleute und -fachwirte sind gern gesehene Bewerber. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Bankenbranche [6] interessieren sich die Finanzvertriebe verstärkt für die Rekrutierung ehemaliger Banker als Berater. Diese Strategie verfolgt der Finanzdienstleister Financial Architects AG aus Geislingen bereits seit seinen Anfängen vor mehr als elf Jahren.

“Wir arbeiten mit Bankern und Vermögensberatern zusammen, die sich mit den Themen Baufinanzierung, Vorsorge- und Absicherungsmanagement und der Kapitalanlage auseinandersetzen”, schildert Vorstand Marco Richter. Eine Voraussetzung für die Einstellung ist neben einer fundierten Ausbildung demnach auch der Nachweis einer erfolgreichen praktischen Tätigkeit in einer Bank oder einem Finanzunternehmen.

Seite drei: Vertriebe bieten viele Einstiegswege [7]

Als Reaktion auf vermehrte Filialschließungen hat die Financial Architects AG die Kampagne “Tschüss Bank” mit der Website www.tschuess-bank.de gestartet, um motivierten jungen Bankern eine Zukunftsperspektive bieten zu können.

Auch die DVAG bietet Branchenkennern die Möglichkeit eines Direkteinstiegs an. Gleichzeitig rekrutiert Deutschlands größter Finanzvertrieb auch Quereinsteiger aus anderen Branchen, die im Rahmen einer gut eineinhalbjährigen Ausbildung – parallel zur beruflichen Praxis – in die Allfinanzberatung wechseln können.

Schulabgänger können bei der DVAG im Rahmen der IHK-Ausbildung oder des dualen Studiums den Beruf des Vermögensberaters erlernen. “Aber auch für Menschen, die nebenberuflich tätig werden wollen, bieten wir attraktive Bedingungen”, sagt Reiffenrath.

Vertriebe bieten viele Einstiegswege

Der Wieslocher Wettbewerber MLP bietet auch zahlreiche Einstiegswege in die Beratung. Im Rahmen der Praktikantenprogramme können Bewerber zunächst zwischen vier Wochen und drei Monaten in den Beraterberuf hineinschnuppern und MLP kennenlernen. Abiturienten können ein Studium im Vertrieb absolvieren, das der Finanzvertrieb in Kooperation mit dualen Hochschulen anbietet. Zuschüsse und Weiterbildungsprämien sollen den MLP-Nachwuchsberatern zudem den Schritt in die Selbstständigkeit erleichtern.

Der Hannoveraner Finanzvertrieb Swiss Life Select hat zu Beginn des Ausbildungsjahres 2016/17 eine bundesweite Ausbildungsoffensive gestartet, um bis zu 200 Ausbildungsplätze zu besetzen. “Dabei möchten wir durch größtmögliche Transparenz im Vorfeld viele der Fragen beantworten, die uns der potenzielle Beraternachwuchs stellen könnte”, berichtet Vertriebsgeschäftsführer Kuehl.

Seite vier: Vertriebe stehen Quereinsteigern offen [8]

So werden die Fragen beispielsweise, was den Beruf eines Finanzberaters ausmacht, welche Entwicklungs- und Karrierechancen es gibt und welche Voraussetzungen und Rahmenbedingungen die Branche bietet, beantwortet. Um das Geschäftsmodell von Swiss Life Select kennenzulernen, können Interessenten zudem Informationsveranstaltungen besuchen, die regelmäßig an den rund 300 Standorten der Finanzkanzleien stattfinden.

Auch am Hauptstandort in Hannover werden Bewerbern und Berufseinsteigern regelmäßig auf zentral organisierten Veranstaltungen das Unternehmen, seine Fachbereiche und Fokusthemen vorgestellt. Auch die MaklerFair Group hat sich intensiv mit der Nachwuchsrekrutierung beschäftigt und unterschiedliche Konzepte entwickelt. Mit der Ausbildungsoffensive “Nachwuchs fairlangt” sollen junge Menschen erreicht werden, die eine Ausbildung absolvieren wollen.

Das Projekt “Fairtrieb mit Zukunft” ist speziell auf die Generation Y zugeschnitten und soll junge Menschen in der Branche motivieren und mit neuen Ideen den “verstaubten Charakter des Versicherungs- und Finanzmaklers abschütteln”. Die Bemühungen des Paderborner Unternehmensverbunds richten sich aber nicht nur an “junge Hüpfer” – mit den Branchenstammtischen des Projekts “Fairmakeln verbindet” werden gezielt “alte Hasen” angesprochen.

Vertriebe stehen Quereinsteigern offen

“Sie haben Höhen und Tiefen erlebt, sind echte Profis in ihrem Job und jetzt an einem Punkt angekommen, wo sie neue Impulse und Herausforderungen brauchen oder einfach den langersehnten und oder äußeren Umständen geschuldeten Tapetenwechsel benötigen”, erklärt Vorstand Künsting.

Die Offenheit gegenüber interessierten Quereinsteigern gehörte schon immer zur Kultur der Finanzvertriebe und sollte durch die umfassenden Ausbildungsmöglichkeiten, die die Unternehmen bieten, längst nicht mehr im Verdacht stehen, zulasten der Beratungsqualität zu gehen. Die Bereitschaft, auch älteren Beratern eine Chance zum Neustart zu geben, hängt mit dem demografischen Wandel zusammen. Die Millennials sind also trotz ihrer zunehmenden Relevanz für die Arbeitswelt nicht die einzige Zielgruppe der Personalverantwortlichen in den Finanzvertrieben. Dennoch haben die Unternehmen ihre Hausaufgaben gemacht und können die Anforderungen der Generation Y erfüllen.

Foto: Shutterstock

Lesen Sie den vollständigen Artikel im aktuellen Cash.-Magazin 07/2016 [9].