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Honorarberatung: Kunde entscheidet über ihre Zukunft

Bei der Frage nach den Zukunftsaussichten der Honorarberatung zeigen sich Befürworter und Kritiker uneins. Inwieweit sie sich in Deutschland tatsächlich als eine gleichwertige Alternative zur Beratung auf Provisionsbasis etablieren kann, hängt jedoch nicht nur von Gesetzen ab.

Die Kunden müssen entscheiden, welche Form der Vergütung sie bevorzugen. Um eine informierte Wahl der präferierten Vergütung zu treffen, müssten sie aber zunächst einmal über ausreichende Informationen verfügen.

Laut einer Umfrage des PFI Private Finance Institute der EBS Business School haben lediglich gut zwei Prozent der Bundesbürger schon einmal eine Honorarberatung [1] in finanziellen Angelegenheiten in Anspruch genommen. Von einem bedeutenden Marktanteil kann man hier kaum sprechen.

“Deutschland ist keine Insel”

Dennoch sind Honorarberater zuversichtlich, wenn es um die künftige Bedeutung der Vergütungsform geht.

“Das Provisionsmodell [2] ist ein Auslaufmodell”, sagt Dieter Rauch, Geschäftsführer des Amberger VDH Verbund Deutscher Honorarberater GmbH und stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Berufsverbands deutscher Honorarberater (BVDH).

Deutschland sei keine Insel und werde sich daher “Stück für Stück” den europäischen Vorbildern wie Großbritannien [3], Niederlande, Schweden, Dänemark, Finnland und Norwegen anschließen.

“In zehn Jahren sind Provisionen ein Relikt der Vergangenheit”, prophezeit Rauch. Eine entscheidende Rolle für die weitere Entwicklung dürften auch die aktuellen europäischen Regulierungen Insurance Mediation Directive (IDD [4]) und die kürzlich um ein Jahr verschobene Markets in Financial Instruments Directive (MiFID [5] II) spielen.

Kein verpflichtendes Provisionsverbot vorgesehen

“Starke Wachstumstendenzen der Honorarberatung sind aus unserer Sicht auch weiterhin nicht absehbar“, meint Michael H. Heinz [6], Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK).

So sehe die gerade verabschiedete IDD explizit kein verpflichtendes Provisionsverbot vor und auch die deutsche Politik wolle weiterhin den Verbrauchern die Wahl zwischen provisionsbasierter oder honorarvergüteter Beratung lassen.

Seite zwei: Kunden müssen entscheiden [7]Norman Wirth [8], Rechtsanwalt und geschäftsführender Vorstand des AfW Bundesverband Finanzdienstleistung e.V., glaubt nicht an einen Durchbruch der Honorarberatung in absehbarer Zeit.

“Wenn es nach der Akzeptanz in der Bevölkerung und dem Markt geht, wird die reine Honorarberatung wohl auch in Zukunft hauptsächlich für eine gewisse – eher elitäre – Bevölkerungsschicht eine Alternative sein. Mehr aber auch nicht”, glaubt Wirth.

Kunden müssen entscheiden

Dass die Honorarberatung eine echte Alternative zum Provisionsmodell werde, oder dieses gar ablöse, könne er sich nur bei einem “zwangsweisen gesetzgeberischen Eingriff” vorstellen. “Ein solcher ist aktuell nicht in Sicht”, so Wirth.

Tatsächlich sieht auch die MiFID II kein Verbot von Provisionen vor – unterscheidet aber zwischen abhängiger und unabhängiger Beratung. Letztere ist laut der Vorschrift nur ohne Zuwendung Dritter an den Berater gegeben.

Inwieweit sich die Honorarberatung in Deutschland tatsächlich als eine gleichwertige Alternative zur Beratung auf Provisionsbasis etablieren kann oder diese gar ersetzen wird, hängt jedoch nicht nur von Gesetzen ab.

Letztendlich müssen die Kunden entscheiden, welche Form der Vergütung sie bevorzugen. Um eine informierte Wahl der bevorzugten Vergütung [9] zu treffen, müssten sie aber zunächst einmal über ausreichende Informationen verfügen. Daher gilt es, noch mehr Transparenz bei den Vergütungsstrukturen zu schaffen – im Interesse aller Marktteilnehmer. (jb)

Foto: Shutterstock