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Herausforderung Mitarbeiterführung: Motivieren, aber richtig

Technische Errungenschaften oder spezielles Know-how gewährleisten kaum noch einen Wettbewerbsvorteil. Identifikation mit einer Marke, einem Team oder einem Unternehmen dagegen schon. Seine Mitarbeiter zu motivieren gehört daher zu den größten Herausforderungen einer Führungskraft.

Gastbeitrag von Personality-Coach Steffen Kirchner

Steffen Kirchner: “Die zentrale Aufgabe einer Führungskraft ist – wen wird es überraschen – Führung! Und Führung ist ausschließlich Beziehung.”

Mitarbeiter, die nur noch Dienst nach Vorschrift machen oder schlimmer, bereits innerlich gekündigt haben, schaden dem Unternehmen.

Die gängigsten Hebel wie Lob und Geld greifen nur, wenn damit auch die inneren Bedürfnisse des Mitarbeiters [1] angesprochen werden. Fehlt die persönliche Beziehung, laufen sie ins Leere.

Angebote unter dem Label “Motivationstraining” gibt es massenweise, aber dieses Wording führt in die Irre, denn Motivation [2] lässt sich nicht trainieren. Was sich trainieren lässt sind Willenskraft oder Disziplin.

Der Begriff Motiv stammt vom lateinischen Wort motivum, was so viel heißt wie Bewegung oder Anrieb. Motivation ist das unbewusst entstehende, natürliche Streben eines Menschen, seine emotionalen Bedürfnisse zielgerichtet zu befriedigen, um sich besser zu fühlen.

Jeder Mensch hat emotionale Grundbedürfnisse [3] wie Bedeutsamkeit, Sicherheit oder Verbundenheit, deshalb ist auch zunächst jeder motiviert. Was Menschen manchmal fehlt ist eher ein klares Bewusstsein für das, was sie wirklich wollen.

Führung braucht Beziehung

Das bedeutet allerdings nicht, dass Führungskräfte [4] aus der Verantwortung entlassen sind. Ganz im Gegenteil: Sie halten den Schlüssel für den langfristigen Erfolg eines Unternehmens.

Neben den kaum veränderbaren inneren Motiven eines Menschen ist eine Motivierung von außen sehr wohl möglich. Sie wird nur meist falsch praktiziert, was den Nährboden liefert für Aussagen wie “Alles Motivieren ist Demotivieren” von Reinhard K. Sprenger – aber nur Motivation ohne Beziehung ist Demotivation.

Seite zwei: Mit meinen Zielen erreichst du deine Ziele [5]

Führung bedeutet, die äußeren Motivierungsmaßnahmen an die inneren Bedürfnisse des Gegenübers anzupassen. Lob beispielsweise: In vielen Schulen, Unternehmen oder Organisationen wird heute gelobt und verbal gestreichelt, so dass man sich vorkommt wie im inneren eines Wattebausches.

Blöd nur, dass in wissenschaftlichen Studien mittlerweile mehrfach nachgewiesen wurde, dass Lob bei manchen sogar zu Verunsicherung und Verschlechterung führen kann.

Das Argument der fehlenden Zeit, um sich mit dem was einen selbst und andere antreibt auseinanderzusetzen, fällt in der Wirtschaft immer wieder. Die zentrale Aufgabe einer Führungskraft ist aber – wen wird es überraschen – Führung! Und Führung [1] ist ausschließlich Beziehung. Wer ehrlich ist, muss zugeben, dass dafür nicht die Zeit fehlt, sondern das Bewusstsein deren hoher Priorität.

Mit meinen Zielen erreichst du deine Ziele

Ein großer Fehler, denn langfristiger Erfolg stellt sich nur ein, wenn sich die Menschen mit ihrem Auftrag oder Arbeitsklima identifizieren. Sie müssen einen Teil ihrer Persönlichkeit [6] im Beruf und Unternehmen wiederfinden. In vielen Organisationen ist das zum Teil der Fall.

Noch besser: es gibt so viele Überschneidungspunkte, dass der Mitarbeiter voll hinter dem Unternehmen oder der Marke steht wie ein Fußballfan, der sich nicht nur mit seinem Team identifiziert solange es gewinnt, sondern auch dann noch wenn es verliert. Erfolg entsteht erst da, wo es gerade nicht so angenehm ist.

Seite drei: Standardisierte Personalgespräche helfen nicht [7]

Damit sich jemand für fremde Ziele engagiert, braucht er das Gefühl, dass dieser Einsatz auch seine emotionalen Grundbedürfnisse befriedigt. Die Aufgabe für Führungskräfte lautet daher, herauszufinden, was das emotional vordergründigste Ziel eines jeden Mitarbeiters ist. Und da wären wir wieder bei der Beziehung.

Standardisierte Personalgespräche helfen nicht

Standardisierte Personalgespräche helfen dabei nur wenig. Sie sind einzig und allein darauf ausgelegt, Informationen einzuholen und nicht, ein Gefühl für die Bedürfnisse der Mitarbeiter zu bekommen. Dafür müssen sich beide Gesprächspartner ein Stück weit öffnen.

Fordert ein Teammitglied beispielsweise mehr Geld, ist ein höheres Gehalt möglicherweise nicht sein eigentliches Ziel, sondern Ausdruck einer Emotion – vielleicht Unsicherheit oder die Angst, nicht genug für die Altersvorsorge zurückzulegen. Dann strebt er nach mehr Sicherheit. Oder der Mitarbeiter will Anerkennung, bedeutsamer sein, was sich in einem höheren Gehalt ausdrücken kann. Das ist eine ganz andere Emotion als Sicherheit.

Weiß ich von meinen Teammitgliedern, was sie antreibt, kann ich die entsprechenden Handlungs- und Kommunikationsstrategien [8] nutzen, um ihnen zu helfen, ihre eigenen Ziele zu erreichen. Mit ihrem Einsatz für das Unternehmen befriedigen sie ihre Zeile automatisch mit und es wird Teil ihres Lebens.

Buchtipp:
“TOTMOTIVIERT? – Das Ende der Motivationslügen und was Menschen wirklich antreibt” 
Verlag: Gabal; Auflage: 2. (20. August 2015)
ISBN-10: 3869366575
ISBN-13: 978-3869366579

Personality-Coach Steffen Kirchner (www.steffenkirchner.de [9]) [10] verfügt über Expertise in den Bereichen Motivation, Persönlichkeit und Erfolg. Über 500 Unternehmen, ProfisportlerInnen und Teams hat er in den letzten sieben Jahren beraten.

Foto: Steffen Kirchner