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“Zukünftig wird jeder Privatanleger eine Form von Robo-Advice nutzen”

Florian Prucker, Mitgründer und Co-Geschäftsführer des Münchener Fintechs Scalable Capital, über das eigene Angebot, Unterschiede zu anderen Anbietern, Vermögensverwaltern und Finanzberatern sowie die Zukunft der Robo-Advisors in Deutschland.

Floria Prucker, Scalable Capital: “Anleger sollten sich den Servicegrad, die Innovationstiefe und die Kostenstruktur der unterschiedlichen Anbieter genau anschauen.”

Cash.: Wie kam es zu der Idee Scalable Capital [1] zu entwickeln und was leistet das Tool?

Prucker: Zu unserer Zeit bei Goldman Sachs wurden wir oft von Familie und Freunden gefragt, wie sie ihr Geld anlegen sollen. Mit gutem Gewissen konnten wir ihnen nichts empfehlen. Deshalb haben wir uns überlegt, wie eine faire und professionelle Geldanlage für den Privatanleger aussieht. Unsere Lösung ist Scalable Capital.

Wir bieten Anlegern Zugang zu einer professionellen, individuellen und kosteneffizienten Vermögensverwaltung. Unsere Risikomanagement-Technologie überwacht den Markt rund um die Uhr und sorgt dafür, dass das Risiko in den Portfolios möglichst konstant bleibt. Zudem senken wir die Kosten durch konsequente Automatisierung.

Kunden können auch ohne Robo-Advisor in ETFs investieren. Welchen Zusatznutzen bietet Scalable Capital [2]?

Die meisten Menschen haben weder die Zeit noch die Lust, aus über 1.500 erhältlichen ETFs die besten auszusuchen, die richtige Portfoliomischung zu finden und das Portfoliorisiko durch entsprechende Anpassungen konstant zu halten. All das nehmen wir ihnen ab. Vor allem von unserer Risikomanagement-Technologie können unsere Klienten profitieren.

Denn ohne technologische Unterstützung ist ein Mensch nicht in der Lage, die Masse der Informationen und Daten auszuwerten, die für die Berechnung einer umfassenden Risikoprojektion notwendig sind. Hinzu kommt, dass wir den ETF-Markt permanent im Blick haben und bei Bedarf automatisch in die besten Exchange Traded Funds umschichten.

Warum sollten Anleger Scalable Capital [3] nutzen, statt einen klassischen Finanzberater oder Vermögensverwalter zurate zu ziehen?

Die klassischen Vermögensverwalter öffnen ihre Pforten normalerweise nur für Menschen mit einem Vermögen von über einer Million Euro. Das ist für die meisten Menschen also keine Option. Der provisionsgetriebene Finanzberater hingegen verdient am Verkauf teurer Produkte und nicht an einer individuellen, objektiven Beratung. Zudem endet die Dienstleistung eines Finanzberaters in der Regel mit dem Verkauf eines Wertpapiers – die Vermögensverwaltung dagegen fängt nach der ursprünglichen Portfoliozusammenstellung erst richtig an.

Seite zwei: Robo-Advice-Angebote der Banken sind keine Konkurrenz [4]

Es gibt auch andere Robo-Advisor im deutschen Markt wie Vaamo [5], Ginmon oder Quirion. Was unterscheidet Ihr Modell von der Konkurrenz?

Anleger sollten sich den Servicegrad, die Innovationstiefe und die Kostenstruktur der unterschiedlichen Anbieter genau anschauen. Auf den ersten Blick haben viele Robo-Advisors ein ähnliches Angebot, einen echten Mehrwert bieten aber nur wenige. Wir sind ein technologiegetriebener Vermögensverwalter, dürfen die Portfolios unserer Klienten also verwalten, statt nur Produkte zu vermitteln. Unsere automatisierte und dynamische Risikosteuerung wurde von meinem Mitgründer Professor Dr. Stefan Mittnik mitentwickelt. Er gilt auf diesem Gebiet als weltweit anerkannter Experte.

Immer mehr etablierte Banken entwickeln vergleichbare Angebote. Müssen Start-ups diese Konkurrenz fürchten?

Nein, denn Investment-Management ist kein “Winner-takes-it-all”-Markt. Deshalb würden alle Anbieter davon profitieren, wenn ein bekannter Marktteilnehmer das Thema richtig vorantreibt. Ich befürchte aber, dass das nicht passieren wird. Eine kosteneffiziente Lösung mit passiven Indexfonds würde das Geschäftsmodell untergraben. Irgendwie müssen die Türme, Filialen und Vertriebsteam ja finanziert werden.

Die aktuellen Robo-Advice-Angebote der Banken sind deshalb auch nicht mit unserem Ansatz vergleichbar. Häufig sind das nur Fondsselektionsplattformen, von einer echten Vermögensverwaltung sind sie meilenwert entfernt.

Bis zum heutigen Tag haben Robo-Advisors [6] noch keinen andauernden Abschwung an den Börsen mitgemacht. Wird sich das Konzept der automatisierten Anlagestrategie auch in schwierigen Marktphasen bewähren?

Unsere Risikomanagement-Technologie hat sich bereits bewährt. Nach dem Brexit-Votum haben viele unserer Klienten ihr Anlagevolumen bei uns deutlich aufgestockt. Manche haben ihre anderen Depots komplett aufgelöst und stattdessen bei uns investiert. Das zeigt, dass sie von unserem Risikomanagement nun noch überzeugter sind.

Welchen Marktanteil werden Robo-Advisors [7] in Deutschland in Zukunft haben?

Wir gehen davon aus, dass in zehn Jahren jeder Privatanleger eine Form von Robo-Advice nutzen wird. In den USA sieht man gerade, wie viel Potenzial und Dynamik in dem Markt steckt, wenn die Lawine erstmal ins Rollen kommt.

Interview: Julia Böhne

Foto: Scalable Capital