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Vertrieb 2017: “Es geht ans Eingemachte”

2017 wird ein herausforderndes Jahr für Makler und Vermittler. Vor diesem Hintergrund wird das Engagement der Vermittlerverbände für ihre Mitglieder noch wichtiger. Cash.Online hat die drei großen Verbände AfW, BVK und VDVM gefragt, wo die Schwerpunkte ihrer Arbeit liegen werden.

Norman Wirth, AfW: “Es zeigt sich mehr denn je, dass wir ein Grundethos – jenseits von Gesetz und Feigenblattkodex – brauchen, welches von Vertrauen und Moral getragen ist.”

Norman Wirth [1], geschäftsführender Vorstand des AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung e.V.:

“Es geht schon ziemlich ans Eingemachte, wenn man sich anschaut, mit welcher Wucht die Regulierungswellen über die Branche kommen. 2017 wird für den AfW ein Jahr des harten Kampfes um die Interessen der unabhängigen Finanzdienstleister. Es zeigt sich mehr denn je, dass wir ein Grundethos – jenseits von Gesetz und Feigenblattkodex – brauchen, welches von Vertrauen und Moral getragen ist. Der AfW wird sich auch 2017 weiter dieses Themas annehmen.

Als Bundesverband der Vermittlerbranche werden wir zudem dafür kämpfen, dass Vermittler ein Umfeld haben, in dem sie ihre unabhängige und objektive Tätigkeit ausüben können. Die Begleitung der Umsetzung von IDD und Mifid II [2] haben 2017 oberste Priorität.

Über den aktuell vorgelegten Entwurf des Umsetzungsgesetzes der IDD [3] können sich bisher offensichtlich nur die Vertreter der Ausschließlichkeit und der GDV freuen. Kein Wunder.

Unabhängige Beratung und Vermittlung durch Versicherungsmakler und der Verbraucherschutz würden auf der Strecke bleiben, wenn der Entwurf am Ende so umgesetzt wird. Der vermeintliche Ansatz der Stärkung der Honorarberatung scheitert auf Kosten der Makler und der Kunden.”

Seite zwei: BVK: “Einführung einer Bürgerversicherung wäre unangemessen” [4]

Michael H. Heinz, BVK: “Wir werden weiter für eine Stärkung des bewährten Systems privater Altersvorsorge via Riester-Rente und bAV sowie den Erhalt der PKV kämpfen.”

Michael H. Heinz, Präsident des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute e.V. (BVK):

“In 2017 wird die Umsetzung der EU-Versicherungsvertriebsrichtlinie IDD bestimmend sein. Daneben werden die Themen Rentenreform, Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge [5] (bAV), Digitalisierung und die Situation der PKV wichtig sein.

Bei der IDD-Umsetzung befinden wir uns im engen Kontakt mit den politischen Entscheidungsträgern und sind am Konsultationsverfahren der EU-Aufsichtsbehörde Eiopa beteiligt. Wir wirken darauf hin, dass das bewährte Vergütungssystem erhalten bleibt und keine Provisionsoffenlegung eingeführt wird.

Außerdem wollen wir, dass die Gleichbehandlung aller Vertriebswege endlich umgesetzt und das Provisionsabgabeverbot [6] im Zuge der IDD-Umsetzung im Versicherungsaufsichtsgesetz verankert wird. Wir werden zudem weiter für eine Stärkung des bewährten Systems privater Altersvorsorge via Riester-Rente [7] und bAV sowie den Erhalt der PKV kämpfen.

Die Einführung einer Bürgerversicherung wäre unangemessen, auch wenn sich der Systemwechsel gut für populistische Manöver im Bundestagswahlkampf eignet.”

Seite drei: VDVM: “Kein Provisionsverbot durch die Hintertür” [8]

Hans-Georg Jenssen, VDVM: “Wo Makler drauf steht, sollte auch Makler drin sein.”

Dr. Hans-Georg Jenssen, geschäftsführender Vorstand des Verbands Deutscher Versicherungsmakler e.V. (VDVM):

“Aufgabe eines Berufsverbandes ist es, sich einzumischen, wo es um die Belange seiner Mitglieder geht. Für 2017 sehen wir unsere Schwerpunkte als Berufsverband an drei Stellen:

Erstens steht in Deutschland die Umsetzung der IDD auf der Agenda. Es ist unbedingt zu verhindern, dass kleinere Maklerunternehmen durch ausufernde Bürokratie erdrückt werden und dass sich durch die Hintertür ein Provisionsverbot [9] einschleicht.

Zweitens wird auch die Altersvorsorge im Fokus stehen, insbesondere das Betriebsrentenreformgesetz [10]. Letzteres hat gute Ansätze, aber auch Schattenseiten. Dass die Erfahrung der Vermittler an keiner Stelle in den Konsultationen abgerufen wurde, ist ein Skandal und lässt erahnen, aus welcher Richtung der Wind weht!

Drittens ist die Digitalisierung ein weiteres wichtiges Thema. Für Makler ist zudem der Zugang zur Trusted German Insurance Cloud [11] (TGIC) ein heißes Eisen. Außerdem die Frage, welche Spielregeln für die neuen, online operierenden Marktteilnehmer gelten werden. Wo Makler drauf steht, sollte auch Makler drin sein.”

Foto: AfW / BVK / VDVM