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Commerzbank: Verlust wegen Stellenabbau

Der Abbau Tausender Stellen hat bei der Commerzbank noch tiefere Löcher in die Quartalsbilanz gerissen als erwartet. Unterm Strich fiel ein Verlust von 637 Millionen Euro an – nach einem Gewinn von 215 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, wie das Geldhaus am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Im Gesamtjahr rechnet das Institut aber weiter mit einem leicht positiven Ergebnis.

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt am Main

Analysten zeigten sich vom Abschneiden enttäuscht – trotz einer verbesserten Kernkapitalquote. Die Commerzbank-Aktie sank im frühen Handel um zwei Prozent. Sie ist aber weiter einer der bestgelaufenen Werte des Jahres im Leitindex Dax mit einem Plus von deutlich über 50 Prozent.

Die teilverstaatlichte Commerzbank [1] hatte im Herbst angekündigt, bis zum Jahr 2020 insgesamt 9.600 Vollzeitstellen zu streichen [2], gleichzeitig sollen rund 2300 neue entstehen. Ihr Filialnetz will das Institut nicht ausdünnen – anders als etwa die Deutsche Bank.

Probleme im Tagesgeschäft

Auch im Tagesgeschäft lief es zuletzt schlechter: Der operative Quartalsgewinn sank von 351 Millionen auf 183 Millionen Euro. Analysten hatten hier ebenfalls mehr erwartet. Im Privatkundengeschäft machte sich bemerkbar, dass die Commerzbank viel Geld in die Hand nimmt, um neue Kunden zu gewinnen – alleine 385.000 waren es im ersten Halbjahr. Dabei half auch die Übernahme des Finanzportals Onvista durch die Commerzbank-Onlinetochter Comdirect.

Im Firmenkundengeschäft litten die Frankfurter wie die Konkurrenz unter dem mauen Handel an den Finanzmärkten, wodurch den Banken Gebühren entgehen. Die Erträge – die gesamten Einnahmen – gingen konzernweit von 2,24 Milliarden auf 2,07 Milliarden Euro zurück.

Verlust bereits angekündigt

Die Commerzbank [3] hatte bereits angedeutet, wie das Quartal gelaufen ist, als sie jüngst die Rechnung für den Stellenabbau präsentierte: 807 Millionen Euro stellte das Institut nun im zweiten Quartal für Abfindungen und andere Kosten zurück. “Wir haben die Rückstellungen für den Personalabbau frühzeitig und vollständig gebucht und sind einen weiteren wichtigen Schritt bei der Umsetzung unserer Strategie vorangekommen”, erklärte Bankchef Martin Zielke.

Seit Jahresanfang baute die Commerzbank rund 1500 Jobs beim Stammpersonal ab. Ende Juni waren es noch etwa 41 500 Vollzeitstellen. Bis zum Jahr 2020 plant das Institut mit einem Stammpersonal von rund 36 000 Vollzeitstellen.

Seite zwei: Bessere Kernkapitalquote [4]

Der Umbau soll das Geldhaus, das in der Finanzkrise vom Staat gestützt werden musste, zukunftssicher machen. “Unsere harte Kernkapitalquote ist trotz Rückstellungen für Restrukturierung auf 13,0 Prozent gestiegen”, erklärte Finanzchef Stephan Engels. Die Kennziffer gilt als Ausweis der Krisenfestigkeit einer Bank. Fürs Gesamtjahr strebt die Bank rund 12,5 Prozent an. Zum Vergleich: Ende 2016 hatte die Quote bei 12,3 Prozent gelegen.

Das Institut leidet wie viele andere Banken unter den niedrigen Zinsen, die die Einnahmen schmälern. Hinzu kommen hausgemachte Probleme wie faule Schiffskredite angesichts der Krise der Container-Reedereien.

Im vergangenen Jahr war der Gewinn von zuvor 1,1 Milliarden Euro auf 279 Millionen Euro eingebrochen. In diesem Jahr soll trotz des teuren Stellenabbaus eine schwarze Zahl herauskommen, wie Engels bestätigte: “Wir rechnen für das Gesamtjahr mit einem leicht positiven Konzernergebnis.” Die Kosten sollen dabei trotz gestiegener Investitionen etwa in die Digitalisierung stabil gehalten werden.

Fortschritte bei Schiffskrediten

Finanziell Luft hat sich die Commerzbank [5] bei den Schiffskrediten verschafft: Im ersten Halbjahr schrumpfte das Portfolio um 0,9 Milliarden auf 3,9 Milliarden Euro. Bis zum Ende des Jahres soll es weiter zurückgehen auf rund 3 Milliarden Euro. Entsprechend geht die Bank auch von einer geringeren Risikovorsorge aus.

Die Commerzbank hatte einst in großem Stil Kredite für neue Frachtschiffe gewährt. Überkapazitäten und fallende Frachtraten hatten jedoch viele Reedereien in Schieflage gebracht. Knapp 2,5 Milliarden Euro des Schiffskreditportfolios der Commerzbank gelten als ausfallgefährdet. (dpa-AFX)

Foto: Commerzbank