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DWS: Traditionsmarke geht an die Börse

Was der deutsche Sparer schätzt, kann für den internationalen Investoren nicht verkehrt sein: Die Deutsche Bank wird ihre mehr als 60 Jahre alte heimische Fondsmarke DWS künftig weltweit für die Vermögensverwaltung nutzen.

Auch nach dem Börsengang wird die Geschäftsführung der DWS weiterhin größtenteils in Frankfurt am Main sitzen.

Der Name Deutsche Asset Management, wie die Geldanlage-Sparte offiziell noch heißt, wird von kommendem Jahr an verschwinden.

Mit der Umbenennung bereitet sich die Vermögensverwaltung des Frankfurter Geldhauses auf ihren Börsengang vor, mit dem im kommenden Jahr gerechnet wird.

Auf einem Kapitalmarkttag in London rührte das Management um Nicolas Moreau am Dienstag die Werbetrommel bei Investoren. Erwartet wird, dass die Deutsche Bank [1] ein Viertel ihrer Anteile an die Börse bringt.

Zwei Marken zu teuer

Das soll zum einen geschätzte zweieinhalb Milliarden Euro in die Kasse der Bank spülen, zum anderen der Vermögensverwaltung aber auch mehr Freiheiten eröffnen beim Gewinnen neuer Kunden.

Die Deutsche Bank hatte die DWS [2] 1956 zusammen mit Partnern als Deutsche Gesellschaft für Wertpapiersparen gegründet. Die Fondsgesellschaft ist bei Privatkunden in Deutschland stark, international dagegen ist der Name weniger bekannt.

Das soll sich mit dem Börsengang ändern. Zwei Marken, so heißt es aus dem Umfeld der Deutschen Bank, wären am Ende zu teuer zu pflegen gewesen.

Deutsche Bank behält Kontrolle

Die Marke DWS signalisiert die Verbundenheit zum Heimatmarkt. Auch wird das Geschäft nach dem Börsengang weiterhin aus Frankfurt geführt.

Hier werden die meisten Mitglieder der Geschäftsführung samt deren Vorsitzenden Moreau sitzen. Der ehemalige Axa-Manager lenkt die Deutsche-Bank-Tochter seit gut einem Jahr und wird wie sein Team weiter im Amt bleiben.

Auch an anderer Stelle setzt die Deutsche Bank [3] nach dem Börsengang auf Kontinuität. Durch eine besondere Rechtsform wird das Geldhaus bei der DWS das Zepter fest in der Hand halten.

Dazu wird die Vermögensverwaltung in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien umgewandelt. Diese vor allem bei börsennotierten Familienunternehmen beliebte Struktur erlaubt dem Alteigentümer eine weitgehende Kontrolle, auch wenn sein Anteil am Unternehmen sinken sollte.

Seite zwei: Starke Bindung zum Mutterhaus [4]

Die Deutsche Bank [5] begründete den Schritt in erster Linie damit, dass die Einflussmöglichkeiten zur Erfüllung der aufsichtsrechtlichen Vorgaben gewahrt blieben – Hintergrund ist die hohe Regulierung der Branche.

Vermögensverwaltungschef Moreau sieht darin aber auch “die nachhaltige Verbundenheit der Deutschen Bank mit unserem Geschäft”, wobei die Aufstellung gleichzeitig die notwendige operative Eigenständigkeit gewährleiste.

Die Umwandlung in eine GmbH & Co. KGaA wird im ersten Quartal 2018 vollzogen. Ab dann soll sukzessive auch die Marke DWS eingeführt werden. Vorsitzender des Aufsichtsrats wird Deutsche-Bank-Rechtsvorstand Karl von Rohr – auch das eine Anbindung an das Mutterhaus.

Voraussetzungen für höhere Gewinne

Neue Investoren [6], die es für den Börsengang unweigerlich braucht, sollen durch eine hohen Dividende gelockt werden. Mittelfristig ist geplant, 65 bis 75 Prozent des Nettoergebnisses auszuschütten.

Dass die Gewinne steigen, dafür sollen höhere Vermögenszuflüsse und Disziplin bei den Kosten sorgen. Zuletzt verwaltete die Deutsche Asset Management rund 700 Milliarden Euro; mittelfristig rechnet das Management mit jährlichen Neuzuflüssen von 3 bis 5 Prozent.

Mit der Neuaufstellung samt neuem Namen wird auch eine Scharte aus der jüngsten Vergangenheit ausgewetzt: Als die Deutsche Bank im Herbst 2016 in unruhiges Fahrwasser geriet und Sorgen um die Kapitalausstattung der Frankfurter aufkamen, zogen Anleger [7] auch Gelder bei der Deutschen Asset Management ab. Diese Probleme, darauf verweist das Management heute, seien längst überwunden. (dpa-AFX)