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Erbrecht: Acht Tipps zum Unternehmertestament

Wenn Angehörige sterben, stellt das die Nachkommen nicht nur vor emotionale Herausforderungen. War der Verstorbene als Unternehmer aktiv, kann auch das Unternehmensnachfolgerecht zum Problem werden. Daher sollten diesbezüglich schon zu Lebzeiten einige Grundsätze beachtet werden.

Ein sorgfältig aufgesetztes Testament ist unerlässlich für einen reibungslosen Übergang des Unternehmens.

Auf dem Jura-Portal anwalt.de geht Rechtsanwalt Anton Bernhard Hilbert auf die acht wichtigsten Leitlinien für Unternehmertestamente ein und erklärt, wie die Übertragung eines Unternehmens an die Erbengeneration möglichst problemlos gestaltet werden kann.

1. Gesetzliche Erbfolge vermeiden

Die gesetzliche Erbfolge stellt laut Hilbert eine Gefahr für das Unternehmen dar, da nur eine passgenaue, letztwillige Verfügung die unternehmerische Beteiligung des Verstorbenen erhalten kann.

Aus diesem Grund sei es zwingend notwendig, dass der Unternehmer sich bereits in frühen Jahren mit der Sicherung des Unternehmens durch eine letztwillige Verfügung [1] auseinandersetzt.

2. Erbengemeinschaft verhindern

Nicht nur sind Erbengemeinschaften [2] Hilbert zufolge “entscheidungsschwach und streitträchtig”, ihre Auseinandersetzung kann auch jederzeit von jedem Miterben verlangt werden.

Da ein langfristiges Fortbestehen des jeweiligen Unternehmens das Ziel der Unternehmensnachfolge ist, sollte eine Erbengemeinschaft vermieden werden.

3. Nachfolgeberater einsetzen

Juristische Laien seien nicht in der Lage die rechtliche Gemengelage von Erb-, Steuer- [3], Familien- und Gesellschaftsrecht adäquat zu überblicken, weshalb ein spezialisierter Unternehmensnachfolgeberater notwendig sei.

Nur mit seiner Hilfe dürfe ein Unternehmertestament entworfen und errichtet werden. Dieses solle dann mindestens alle fünf Jahre überprüft werden, da die tatsächlichen Verhältnisse sich möglicherweise ändern.

Seite zwei: Nicht zu weit vorausschauen [4]

4. Keine zu engen Bindungen

Hilbert legt Unternehmern nahe: “Auch bei den Regelungen im Testament [5] muss der Unternehmer “loslassen“ können. Niemand kann dreißig Jahre vorausschauen, auch nicht der Unternehmer.”

Daher können beispielsweise Nachfolgebestimmungen, die über mehrere Generationen gelten, das Unternehmen gefährden, indem Entscheidungsbefugnisse eingeengt und die Kreditaufnahme beeinträchtigt wird.

5. Übergang mit Sofortmaßnahmen regeln

Um die Übergangsphase nach dem Tod des Unternehmers möglichst reibungslos zu gestalten, seien trans- und postmortale Vollmachten, sowie die Anordnung einer Testamentsvollstreckung [6] hilfreich.

Dabei sei es im Voraus wichtig, die Befugnisse der Testamentsvollstreckung und des gegebenenfalls eingesetzten Beirates exakt zu regeln.

6. Steuerberatung in Anspruch nehmen

Die Nutzung von Steuerberatung soll laut Hilbert die Gewinnrealisierung verhindern, da diese zur Aufdeckung und Versteuerung [3] stiller Reserven führt.

Eine Gewinnrealisierung könne überraschend geschehen, beispielsweise bei Erbauseinandersetzungen mit Abfindungszahlungen, Teilungsanordnungen mit Ausgleichszahlungen, Vermächtnissen mit Beschwerungen, Sonderbetriebsvermögen im Bereich der Personengesellschaften und Betriebsaufspaltungen mit Wegfall des einheitlichen Betätigungswillens.

Seite drei: Alleinerbe verhindert Gewinnrealisierung [7]

7. Alleinerben einsetzen

Lasse der Gesellschaftsvertrag [8] die Einsetzung eines Alleinerben als Nachfolger für das Unternehmen oder die Unternehmensbeteiligung zu, könne so das Risiko der Gewinnrealisierung vermieden werden.

Sollte ein Alleinerbe eingesetzt werden, so werden Hilbert zufolge alle übrigen Familienangehörigen mit flexiblen Vermächtnissen bedacht.

8. Frühzeitiges Unternehmertestament

Kann die Unternehmensnachfolge noch nicht bestimmt werden, beispielsweise wegen der Ausbildung der Kinder, so hilft laut Hilbert die Anordnung eines Bestimmungsvermächtnisses.

Dabei kann eine dritte Person, so zum Beispiel der Ehepartner [9] oder ein eingesetzter Testamentsvollstrecker [10] später bestimmen, wer Erbe und wer Vermächtnisnehmer wird.

Die im Bestimmungsvermächtnis eingesetzte, dritte Person entscheidet gegebenenfalls auch über die Erbanteile und die Höhen der jeweiligen Vermächtnisse. (bm)

Foto: Shutterstock

 

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