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Erbrecht: Steuerfalle Gemeinschaftskonto

Viele Ehegatten unterhalten ein gemeinschaftliches Bankkonto. Das kann bei geringeren Beträgen sehr praktisch sein und ist auch steuerlich kein Problem. Werden jedoch größere Geldbeträge über ein solches Konto abgewickelt, ist Vorsicht geboten.

Gastbeitrag von Dr. Anton Steiner, Deutsches Forum für Erbrecht e.V.

“Unbedachte Geldüberweisungen auf Gemeinschaftskonten können schnell zur Steuerfalle werden.”

Das steuerliche Risiko das in einer derartigen Situation aus einem Gemeinschaftskonto erwächst, lässt sich am besten anhand eines Beispiels erklären:

Ernst M. hat ein Mietshaus [1] geerbt, welches er verkauft. Den Verkaufserlös von zwei Millionen Euro lässt er auf ein Konto überweisen, das er gemeinsam mit seiner Ehefrau Helga hat. Von diesem Konto entnehmen auch beide Ehegatten [2] die Geldbeträge, die sie im täglichen Leben brauchen. Nachdem Ernst M. nicht so recht weiß, wie er das Geld anlegen soll, bleibt es dort zwei Jahre lang auf dem Konto.

Unerwartet hohe Steuern im Todesfall

Als Helga unerwartet verstirbt, ist das Geld dort immer noch und das Finanzamt setzt hierfür Erbschaftsteuer [3] von 190.000 Euro fest, weil es die Hälfte des Kontoguthabens von zwei Millionen Euro der Verstorbenen zurechnet. Der Ehegattenfreibetrag ist durch anderes Vermögen, welches Ernst M. von seiner Ehefrau Helga erbt, aufgebraucht, so dass auf eine Million Euro 19 Prozent Erbschaftsteuer festgesetzt werden.

Aber es kommt noch schlimmer: Das Finanzamt stellt sich auf den Standpunkt, durch die Überweisung des Geldes auf ein Gemeinschaftskonto, habe Ernst M. seiner Ehefrau die Hälfte des Überweisungsbetrages, also eine Million Euro, geschenkt.

Nach Abzug des Ehegattenfreibetrags von 500.000 Euro seien daher 500.000 Euro mit 15 Prozent zu versteuern, so dass es zudem auch noch Schenkungsteuer in Höhe von 75.000 Euro festsetzt. Insgesamt soll Ernst M. also 265.000 Euro an Erbschaft- und Schenkungsteuer zahlen.

Seite zwei: Abwicklung über Einzelkonten empfehlenswert [4]

Dieser Fall zeigt, wie schnell unbedachte Geldüberweisungen auf Gemeinschaftskonten zur Steuerfalle [5] werden können. Wie kann man dem vorbeugen?

Am einfachsten ist es, größere Geldbeträge jeweils über ein Einzelkonto abzuwickeln, das demjenigen gehört, dem auch das Geld zusteht.

Vereinbarungen immer schriftlich aufsetzen

Lässt man hohe Geldsummen hingegen über ein Gemeinschaftskonto laufen, so muss zumindest eine schriftliche Vereinbarung aufgesetzt werden, wonach das Geld im Innenverhältnis der Kontoinhaber demjenigen zusteht, von dem es kommt.

Auch hierdurch hätte Ernst M. die Besteuerung [6] vermeiden können. So hingegen ist er darauf angewiesen, dass ihm im Prozess vor dem Finanzgericht das Gericht glaubt, dass stillschweigend zwischen den Ehegatten eine solche Abrede getroffen worden war.

Ob dies erfolgreich sein wird, ist völlig offen.

Dr. Anton Steiner ist Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht [7] e.V. und Fachanwalt für Erbrecht in München. Er ist Gründungspartner derKanzlei Groll, Gross & Steiner [8].

Foto: Deutsches Forum für Erbrecht e.V.

 

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