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Regulierung der Honorarberatung: Desaster oder wichtiger Schritt?

Das Honoraranlageberatungsgesetz war ein erster Schritt, um die alternative Vergütungsform zu stärken. In den Augen vieler Kritiker ist das jedoch nicht gelungen. Die Umsetzung der EU-Richtlinien Mifid II und IDD in deutsches Recht könnte der Honorarberatung neuen Rückenwind verschaffen.

Das Honoraranlageberatungsgesetz wurde von den Befürwortern der Honorarberatung grundsätzlich als wichtiger Schritt begrüßt – an der konkreten Ausgestaltung wurde jedoch reichlich Kritik geübt.

Im Koalitionsvertrag hatte sich die Große Koalition darauf verständigt, die Honorarberatung als Alternative zur Beratung auf Provisionsbasis zu stärken. Hierzu trat am 1. August 2014 das “Gesetz zur Förderung und Regulierung einer Honorarberatung über Finanzinstrumente” (Honoraranlageberatungsgesetz) in Kraft.

Die Einführung des Gesetzes wurde zwar grundsätzlich von den Befürwortern der Honorarberatung [1] als wichtiger Schritt begrüßt, Kritik übten sie jedoch an der konkreten Durchführung und Zielerreichung.

“Völlig an der Realität vorbei”

“Das Gesetz ist ein Desaster: Völlig an der Realität vorbei, keine wirkliche Begriffsnormierung, keine Beseitigung steuerlicher Benachteiligungen und nur auf den Themenkreis Geldanlage beschränkt“, sagt Frank Frommholz, geschäftsführender Gesellschafter der Hamburger Finanzberatung Frommholz [2] OHG, der seit fast einem Jahrzehnt als Honorarberater tätig ist.

Etwas weniger streng ist Volker Britt, Geschäftsführer der Göttinger Plattform für Honorarberatung Honorarkonzept [3]: “Indirekt hat die Bundesregierung mit dem Honoraranlageberatungsgesetz die Honorarberatung gestärkt, weil sie das Thema einmal mehr auf die Agenda gebracht hat. Mit dem Gesetz an sich und der neuen Kategorie ‘Honorar-Finanzanlagenberater’ hat das aber wenig zu tun.”

Durch das Honoraranlageberatungsgesetz wurde der Paragraf 34h in die Gewerbeordnung (GewO) eingefügt. Im Register des Deutschen Industrie und Handelskammertages (DIHK) sind derzeit lediglich 139 Honorar-Finanzanlagenberater gemäß Paragraf 34h GewO erfasst.

Seite zwei: Keine Übergangsregelungen für wechselwillige Berater [4]

Die geringen Registrierungen führen die von Cash. befragten Marktteilnehmer auf drei wesentliche Punkte zurück: Erstens existieren keine Übergangsregelungen für Berater, die von der Provisionsvergütung [5] auf die Honorarberatung umsteigen wollen.

Zweitens können Finanzberater mit einer Registrierung nach Paragraf 34f GewO sowohl gegen Provision als auch gegen Honorar arbeiten, während Honorar-Finanzanlageberater ausschließlich Honorare annehmen dürfen.

Nur 19 registrierte Honorar-Anlageberater

Drittens ist die Bezeichnung “Honorar-Finanzanlageberater [6]” zwar geschützt, sich so zu nennen, aber wenig marketingwirksam, da der Begriff “Honorarberater” weiterhin ungeschützt ist.

Neben dem Berufsbild des Honorar-Finanzanlageberaters wurde auch der “Honorar-Anlageberater” geschaffen, der eine Zulassung nach Paragraf 32 Kreditwesengesetz (KWG) benötigt und sich bei der Bundesanstalt für Finanzaufsicht (Bafin) registrieren muss. Bei der Bafin sind derzeit lediglich 19 Unternehmen als Honorar-Anlageberater registriert.

Nebeneinander von Honorar und Provision

Anders als beispielsweise Großbritannien hat sich der deutsche Gesetzgeber ausdrücklich für das Nebeneinander von Honorar und Provision entschieden. Auch einige Vertreter der Honorarberatung befürworten diese Position.

“Die wettbewerbliche Koexistenz von Honorar und Provision ist marktwirtschaftlich ein starkes Argument und mit Sicherheit auch aus Sicht des Verbraucherschutzes sinnvoll, denn Wettbewerb ist in einer Marktwirtschaft stets der beste Verbraucherschutz”, erklärt Ulf Niklas, Sprecher der Bundesinitiative der Honorarberater [7].

Anders als beispielsweise Großbritannien [8] hat sich der deutsche Gesetzgeber ausdrücklich für das Nebeneinander von Honorar und Provision entschieden. Auch einige Vertreter der Honorarberatung befürworten diese Position.

Seite drei: Rückenwind durch IDD und Mifid II [9]

“Die wettbewerbliche Koexistenz von Honorar und Provision [10] ist marktwirtschaftlich ein starkes Argument und mit Sicherheit auch aus Sicht des Verbraucherschutzes sinnvoll, denn Wettbewerb ist in einer Marktwirtschaft stets der beste Verbraucherschutz”, erklärt Ulf Niklas, Sprecher der Bundesinitiative der Honorarberater.

Es sollte jedoch sichergestellt werden, dass der Kunde in einem Honorar-Provision-Mischmodell nicht übervorteilt werden kann, mahnt Niklas. Rückenwind erhoffen sich die meisten deutschen Honorarberater von den anstehenden Umsetzungen der europäischen Richtlinien “Marktes in Financial Instruments Directive” (Mifid II [11]) und “Insurance Distribution Directive” (IDD [12]) in deutsches Recht.

Rückenwind durch IDD und Mifid II

“Die Entwicklung der Honorarberatung in den kommenden fünf bis zehn Jahren hängt letztlich von der Umsetzung der IDD- und Mifid II-Richtlinien ab”, sagt Honorarkonzept-Geschäftsführer Britt.

“Sie wird dem Thema mehr Sichtbarkeit verschaffen und die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit wird sich erhöhen”, glaubt Karl Matthäus Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Berliner Quirin Privatbank [13]. “Auch die klaren Begrifflichkeiten im aktuellen Regierungsentwurf zum Finanzmarktnovellierungsgesetz gehen in die richtige Richtung.”

Der Entwurf unterscheidet zwischen “unabhängiger Honoraranlageberatung” und “abhängiger Anlageberatung” gegen Provision. “Auch die klare Trennung zwischen der unabhängigen Beratung gegen Honorar und der von Provisionen abhängigen Beratung in der IDD wird zu mehr Transparenz und einer erhöhten Nachfrage nach Honorarberatung führen”, so Schmidt.

Unabhängige Finanzberatung statt Honorarberatung

Finanzberater Frommholz erhofft sich durch die neuen Bezeichnungen einen positiven Effekt: “Meines Erachtens wird der Begriff Honorarberatung Stück für Stück in der Versenkung verschwinden und durch ‘unabhängige Finanzberatung’ ersetzt werden. Damit verschwindet auch der verwirrende Begriff, denn kein Honorarberater berät über Honorar.”

Der Großteil der von Cash. befragten Vertreter der Honorarberatung glauben – nicht zuletzt wegen der anstehenden Regulierungen – an das Potenzial der alternativen Vergütungsform. Sie gehen davon aus, dass ihr Marktanteil sich in den kommenden fünf bis zehn Jahren auf 15 bis 20 Prozent erhöhen könnte. (jb)

Foto: Shutterstock

Mehr zum Thema Honorarberatung:

“Bei der Regulierung im Finanzbereich versagt der Staat fast immer” [2]

“Provisionsvergütung ist ein Auslaufmodell” [5]

“Wettbewerb zwischen Honorar und Provision ist der beste Verbraucherschutz” [7]