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Vererben: Die häufigsten Fehler im Testament

Durch ein Testament kann der Erblasser von der gesetzlichen Erbfolge abweichen sowie Streitigkeiten unter den Erben vermeiden. Werden beim Verfassen und Aufbewahren von Testamenten jedoch scheinbar kleine Fehler gemacht, können diese oft weitreichende Folgen haben.

Beim Verfassen von Testamenten werden häufig zahlreiche folgenschwere Fehler gemacht.

Rechtsanwalt und Steuerberater Dr. Joerg Andres, Geschäftsführer der Düsseldorfer Kanzlei Dr. Andres Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, stellt auf seinem Youtube-Kanal [1] die zehn häufigsten Fehler bei Testamenten dar.

10 – Steuerfalle Berliner Testament [2]

Das sogenannte Berliner Testament, bei dem sich Ehegatten zunächst gegenseitig als Vollerben einsetzen und einen gemeinsamen Schlusserben verfügen, könne erbschaftssteuerrechtlich nachteilig sein.

“Häufig freut sich nach dem zweiten Erbfall nur einer – das Finanzamt”, sagt Fachanwalt Andres. Durch eine “geeignete Gestaltung” könne das Berliner Testament jedoch “entschärft” werden.

Sogar nach Eintritt des ersten Erbfalls gebe es noch Gestaltungsmöglichkeiten, um die Erbschaftsteuer zumindest teilweise zu vermeiden. Andres empfiehlt Ehepaaren und eingetragenen Lebenspartnern, sich vor dem Abfassen eines Berliner Testatmens [3] beraten zu lassen. So sei es möglich, sich gegenseitig und ohne steuerliche Nachteile abzusichern.

9 – Missverständliche Formulierungen

In der Praxis komme es immer wieder vor, dass im Testament [4] Begriffe verwendet werden, die das Gegenteil dessen meinen, was sie zum Ausdruck bringen sollen.

Werde beispielsweise eine Person im Testament als “Erbe” bezeichnet, der aber nur ein einzelner Gegenstand vermacht werde, der nur einen Bruchteil des Nachlasses ausmacht, sei das missverständlich, da es sich tatsächlich um einen “Vermächtnisnehmer” handele. Das sorge für unnötige Verwirrung.

Erblasser sollten laut Andres im Testament nicht nur festhalten, wer was erben und welche Funktion bei der Abwicklung des Nachlasses übernommen wird, sondern auch die Motive die hinter diesen Entscheidungen stehen. Im Streitfall könne ein Gericht dann leichter den letzten Willen des Erblassers nachvollziehen.

8 – Kein Aufhebungshinweis

Häufig verfassen Erblasser mehrere Testamente. Wird versäumt im aktuellen Testament darauf hinzuweisen, dass und welche älteren Verfügungen aufgehoben werden sollen, führe dies zu Auslegungsschwierigkeiten, die nach dem Tod des Erblassers kaum mehr zu lösen seien.

Der Erblasser solle daher darauf achten, im Rahmen des neuesten Testaments “alle vorherigen Verfügungen” deutlich zu widerrufen.

 

Seite zwei: Aufbewahrung an sicherer und neutraler Stelle [5]

7 – Testament nicht auffindbar

In der Praxis komme es häufig vor, dass der letzte Wille an einem “zu sicheren Ort” aufbewahrt werde. Kann nach dem Tod des Erblassers allerdings kein Testament [6] aufgefunden werden, tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft.

Rechtsanwalt Andres rät daher, einer Vertrauensperson mitzuteilen, wo sich das Testament befindet. Sollte es eine solche Person nicht geben, könne der letzte Wille bei einer neutralen Stelle hinterlegt werden – etwa beim Amtsgericht.

6 – Testament zu leicht auffindbar

Der andere Extremfall, dass das Testament an einer allzu leicht auffindbaren Stelle hinterlegt werde, komme auch häufig vor. Wenn das Testament [7] dann von einer Person aufgefunden werde, die durch dieses enterbt wird, bestehe das Risiko, dass diese den für sie ungünstigen letzten Willen vernichtet.

“Im Zweifel führt auch das dazu, dass die gesetzliche Erbfolge zur Anwendung kommt”, erläutert Andres.

Auch deshalb sei es ratsam, das Testament an einer sicheren, neutralen Stelle zu hinterlegen und außerdem darauf zu achten, dass es sich um die aktuellste Version handelt.

5 – Allein ein gemeinschaftliches Testament ändern

Verfassen Ehepaare oder eingetragene Lebenspartner ein gemeinschaftliches Testament, kann dies auch nur von beiden gemeinsam geändert werden. Änderungen, die von einem Partner alleine vorgenommen werden, seien unwirksam.

Modifikationen am gemeinschaftlichen Testament sind laut Andres auch nach dem Tod [8] eines der beiden Partner nicht mehr möglich – außer eine solche Änderungsbefugnis ist im gemeinschaftlichen Testament ausdrücklich festgehalten.

4 – Mehrere undatierte Testamente

Es kommt immer wieder vor, dass Erblasser im Verlauf der Jahre mehrere Testamente verfassen. “Fehlt auf zumindestens einem dieser Testamente das Datum, an dem es verfasst worden ist, führt dies im Zweifel zu ganz erheblichen Auslegungsschwierigkeiten”, sagt der Erbrechtsexperte.

Gesetzlich ist zwar festgelegt, dass stets das jüngste Testament gültig ist. Wenn jedoch nicht ersichtlich ist, welches der vorliegenden Schriftstücke das aktuellste ist, kann das dazu führen, dass der tatsächliche Wille des Erblassers nicht umgesetzt wird.

 

Seite drei: Auslegungsschwierigkeiten durch fehlerhafte Unterschrift [9]

3 – Fehlerhafte Unterschrift

Erblasser seien häufig ungeübt im Verfassen von Testamenten, das könne gepaart mit Aufregung dazu führen, dass sie mit einem falschen Vornamen unterschreiben. “Das führt zu Auslegungsschwierigkeiten und unter Umständen sogar zur Unwirksamkteit dieses Testaments”, sagt Rechtsanwalt Andres.

Er empfiehlt eine “Rundum-Überprüfung” des Testaments, damit sichergestellt ist, dass der letzte Wille auch zur Anwendung kommt und nicht an Formfehlern scheitert.

2 – Unterschrift an falscher Stelle

Es komme immer wieder vor, dass der Verfasser eines Testaments [10] nachträglich noch Ergänzungen auflistet. Häufig werde versäumt, solche Zusätze zu unterschreiben.

Jede spätere Ergänzung ist mit Datum und Unterschrift zu versehen, damit sie gültig ist. Werde die Unterschrift übersehen, könne das Testament zumindest teilweise unwirksam sein. Andres rät zudem dazu, auch den Ort zu nennen, an dem das Testament verfasst wurde.

1 – Testament [11] ist nicht handgeschrieben

Es komme immer häufiger vor, dass Testamente am PC verfasst und dann ausgedruckt werden. “Ein solches Testament ist formunwirksam – und zwar auch dann, wenn es handschriftlich unterzeichnet wurde”, erklärt Andres. Ein Testament müsse von Hand ge- und unterschrieben werden.

Er empfiehlt, sich vor dem Verfassen eines Testaments kompetent und umfassend beraten zu lassen und sich zuvor die eigenen Motive und Ziele klar zu machen. (jb)

Foto: Shutterstock

 

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