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Schenkungen: Vorteile und Risiken

Je älter die Gesellschaft wird und je mehr Vermögen angesammelt wird, umso mehr stellt sich die Frage, ob die ältere Generation schon “mit warmer Hand” an die jüngere Vermögen übertragen soll. Doch aufgepasst – Schenken will bedacht sein.

Gastbeitrag von Dr. Anton Steiner, Deutsches Forum für Erbrecht e.V

“Das Nießbrauchrecht ist ein juristischer Tausendsassa, der das Risiko der mangelnden Versorgung des Schenkers vermeidet.”

Die Gründe für solche Schenkungen zu Lebzeiten sind vielfältig:

Zunächst der psychologische Aspekt: Es macht natürlich viel mehr Freude, schon zu Lebzeiten etwas zu schenken. Oft ist auch der richtige Zeitpunkt gekommen, um der jüngeren Generation zu helfen, beispielsweise bei einer Existenzgründung [1] oder der Anschaffung einer Immobilie nach Gründung einer Familie. Hier hat es wenig Sinn, zu warten, bis die jüngere Generation erbt und dann selbst schon im Rentenalter [2] ist.

Entlastung der älteren Generation

Auch die Entlastung der älteren Generation spielt eine Rolle: Ein Mietshaus beispielsweise verursacht Arbeit und Ärger mit der Vermietung, viele möchten sich in höherem Alter hiervon entlasten und übertragen die Immobilie (eventuell gegen Zahlung einer Leibrente).

Ein weiterer Vorteil, der insbesondere bei der Unternehmensnachfolge eine wichtige Rolle spielt: Die nächste Generation wird frühzeitig in die Verantwortung eingebunden und so zugleich motiviert. Auf diese Weise kann man das “Prinz Charles-Syndrom” vermeiden.

Erbschaftsteuer als wichtiges Motiv

Ein wichtiges Motiv für lebzeitige Übertragungen bildet schließlich auch die Erbschaftsteuer [3]: Die Freibeträge [4] können alle zehn Jahre ausgenutzt werden, wer frühzeitig anfängt, kann sehr viel an Vermögen steuerfrei in der Familie übertragen.

Haben beispielsweise Ehegatten zwei Kinder, so können sie je 400.000 Euro an jedes Kind steuerfrei übertragen und dies alle zehn Jahre erneut. Das Ehepaar kann also beispielsweise mit 50 Jahren 1,6 Millionen Euro steuerfrei an die Kinder übertragen, mit 60 Jahren erneut und mit 70 Jahren wiederum. Insgesamt ergibt dies über 30 Jahre hinweg Steuerfreibeträge von 4,8 Millionen Euro!

Seite zwei: Risiken nicht vergessen [5]

Aber bei aller Euphorie sollten die Risiken nicht vergessen werden. Die Übertragung größerer Vermögenswerte kann auch Undankbarkeit oder gar Gier (warum nicht noch mehr?) hervorrufen. Dies ist eine familienpsychologische Frage, die jeder im Einzelfall für sich entscheiden muss.

Ganz wichtig ist es auch, die goldene Regel zu beachten: “Übertrage nur, was Du entbehren kannst!” Viele sind hier zu optimistisch und vernachlässigen das Risiko, dass sie im Alter ein Pflegefall [6] werden und dafür viel Geld benötigen.

Unvorhergesehenes berücksichtigen

Auch sollte man unvorhergesehene Fälle berücksichtigen: Was ist beispielsweise, wenn der beschenkte Sohn vor einem verstirbt? Für diesen Fall können sogenannte Katastrophenklauseln in den Schenkungsvertrag [7] eingebaut werden, also Rückforderungsrechte: Der Schenker kann das Geschenk (vor allem bei Immobilien) zurückfordern, falls der Beschenkte vor ihm verstirbt, falls Gläubiger des Beschenkten Zugriff nehmen, falls der Beschenkte ohne Zustimmung des Schenkers veräußern oder belasten will, etc.

Juristischen Tausendsassa nutzen

Schließlich gibt es auch noch einen juristischen Tausendsassa, der das Risiko der mangelnden Versorgung des Schenkers vermeidet: den Nießbrauch [8].

Beispielsweise bei einer Immobilie, aber auch bei anderen Vermögenswerten, kann sich der Schenker den Nießbrauch auf Lebenszeit vorbehalten. Dies bedeutet, dass das Eigentum [9] zwar schon (steuergünstig) auf den Beschenkten übergeht, dass die Nutznießung, also bei Immobilien die Mieteinnahmen, aber dem Schenker verbleiben.

All dies zeigt: Schenken will bedacht sein! Durch geschickte juristische Konstruktionen lässt sich aber für jeden Fall eine maßgeschneiderte Lösung finden, die familiäre, wirtschaftliche und steuerliche Gesichtspunkte unter einen Hut bringt.

Dr. Anton Steiner ist Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht [10] e.V. und Fachanwalt für Erbrecht in München. Er ist Gründungspartner der Kanzlei Groll, Gross & Steiner [11].

Foto: Deutsches Forum für Erbrecht e.V./Shutterstock


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