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Vertrieb 2018: “LVRG 2 wird in aller Munde sein”

2018 wird ein herausforderndes Jahr für Vermittler. Das Engagement der Vermittlerverbände für ihre Mitglieder wird vor diesem Hintergrund wird noch wichtiger. Cash.Online hat die drei großen Verbände AfW, BVK und VDVM gefragt, welche Schwerpunkte sie 2018 setzen werden.

Norman Wirth: “Gemeinsam werden wir unsere Mitglieder so unterstützen, dass sie am Ende gestärkt aus den Umwälzungen hervorgehen.”

Norman Wirth [1], geschäftsführender Vorstand des AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung e.V.:

Für die unabhängigen Finanzdienstleister und Versicherungsmakler wird 2018 sicherlich kein leichtes Jahr werden. Wir werden die Umstellungen bei vielen Arbeitsabläufen und Beratungsprozessen wegen der IDD-Umsetzung und der Auswirkungen von Mifid II [2] erleben. Im Mai tritt ein neues Datenschutzregime in Kraft.

Das LVRG 2 wird ständig in aller Munde sein. Und hinzu kommt die zumindest derzeit noch vorhandene politische Unsicherheit. Es ist schwer, in dieser Gemengelage noch von Chancen für die Vermittler zu sprechen. Es gibt sie aber. Wir haben gute Partner in der Finanz- und Versicherungsbranche, die auch auf die unabhängige Beratung setzen.

Gemeinsam werden wir unsere Mitglieder so unterstützen, dass sie am Ende gestärkt aus den Umwälzungen hervorgehen. In unserer Verbandsarbeit werden wir die Schwerpunkte darauf setzen, dass die Interessen der unabhängigen Berater und Vermittler und damit explizit auch ihrer Kunden gewahrt bleiben und es nicht zu einer Überregulierung kommt.

So wie uns das mit vereinten Kräften auch 2017 schon bei der IDD-Umsetzung [3] gelungen ist. Kernthemen werden die Verhinderung eines Provisionsverbots durch die Hintertür im Finanzanlagenbereich sowie der Kampf gegen einen erdrückenden Provisionsdeckel – ob nun von der Bafin über die IDD-Umsetzung oder über ein LVRG 2 kommend – sein.

 

Seite zwei: BVK: “Belastungsgrenze durch das LVRG ist erreicht” [4]

Michael H. Heinz: “Wir werden uns für mehr Flexibilität in Vergütungsfragen stark machen.”

Michael H. Heinz [5], Präsident des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute e.V. (BVK):

Im nächsten Jahr werden die IDD und mit ihr die angepasste Versicherungsvermittlungsverordnung (VersVermV) in Kraft treten. Auch die neue Finanzmarktrichtlinie Mifid II wird ab Frühjahr 2018 gelten. Außerdem steht die Evaluierung des Lebensversicherungsreformgesetzes (LVRG) an.

Diese Gesetze werden längerfristige Auswirkungen auf den Berufsstand der Versicherungsvermittler haben. Wir werden sehr aufmerksam beobachten, ob und wie die Versicherer ihre LV-Bestände in den Run-off [6] schicken oder sie gar an externe Investoren verkaufen.

In der nächsten Zeit wird es darauf ankommen, das federführende Bundeswirtschaftsministerium davon zu überzeugen, dass die im Zuge der IDD neu zu justierende VersVermV nicht zu viele Hürden für die Berufspraxis der Vermittler [7] aufbaut. Zudem werden wir den Gesetzgeber davon zu überzeugen haben, dass die Belastungsgrenze durch das LVRG für uns erreicht ist und nun die Unternehmen ihren Beitrag zur Stabilisierung der Lebensversicherung leisten müssen.

Wir werden uns auch für mehr Flexibilität in Vergütungsfragen stark machen. Darüber hinaus werden wir uns dafür einsetzen, dass die Chancen der Digitalisierung im Onlinevertrieb nicht dazu missbraucht werden, eine Absenkung des Verbraucherschutzniveaus herbeizuführen. Denn schließlich sollen alle Vertriebswege gleich behandelt werden.

 

Seite drei: VDVM: “Persönliche Beratung trotz Digitalisierung zukünftig notwendig” [8]

Dr. Hans-Georg Jenssen: “Der BDVM ist der festen Überzeugung, dass persönliche Beratung trotz einer fortschreitenden Digitalisierung zukünftig notwendig ist.”

Dr. Hans-Georg Jenssen [9], geschäftsführender Vorstand des Verbands Deutscher Versicherungsmakler e.V. (VDVM):

Der VDVM startet ins Jahr 2018 als Bundesverband Deutscher Versicherungsmakler nach seiner Fusion mit dem Bundesverband mittelständischer Versicherungs- und Finanzmaklers (BMVF). Das Jahr 2018 ist zugleich das Jubiläumsjahr für den BDVM [10], der sein 100-jähriges Bestehen als Qualitätsmaklerverband feiert und auch weiterhin die Schärfung des Berufsbildes im Fokus hat.

Der Versicherungsmakler als treuhänderischer und unabhängiger Sachwalter des Kunden – und nicht der Versicherungsberater – ist der berufene Ansprechpartner für eine werthaltige Beratung und Eindeckung des notwendigen Versicherungsschutzes, die Betreuung währen der Laufzeit der Verträge und einer sachgerechten Assistenz bei der Schadenregulierung sowohl für Privat- als auch Geschäftskunden.

Heruntergebrochen für 2018 bedeutet dies, die Umsetzung der IDD, des Betriebsrentenstärkungsgesetzes [11] und der EU-Datenschutzgrundverordnung zu begleiten und für die Mitglieder praxisgerechte Lösungen anzubieten.

Der BDVM ist der festen Überzeugung, dass persönliche Beratung trotz einer fortschreitenden Digitalisierung zukünftig notwendig ist. In diesem technologischen Prozess sowohl Kunden als auch Mitglieder mitzunehmen und an den rechtlichen Rahmenbedingungen auszurichten, wird eine der spannendsten Aufgaben für die nächste Jahre werden.

 

Foto: AfW / BVK / VDVM