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P&R-Pleite: Bankenvertrieb ohne Fehl und Tadel?

Die Finanzaufsicht BaFin hat nach einer Befragung von Banken und Finanzdienstleistungsinstituten in der Causa P&R bislang keine Hinweise auf Fehlverhalten im Vertrieb oder größere Risiken der Institute festgestellt. Sagt die Bundesregierung.

Der Großteil der Institute hat bislang keine Rückstellungen für etwaige Schadenersatzansprüche aus der Vermittlung von P&R-Containern gebildet.

Nach der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat die Finanzaufsicht BaFin insgesamt 19 Vertriebsstellen von Produkten der insolventen P&R Gruppe [1] angeschrieben, davon acht Kredit- und elf Finanzdienstleistungsinstitute.

Das Auskunftsersuchen bezog sich demnach auf den Vertrieb von Containerdirektinvestments der P&R Transport-Container GmbH, die ab 2017 angeboten wurden. Zuvor seien diese aufgrund ihrer rechtlichen Ausgestaltung nicht als Vermögensanlagen reguliert gewesen und damit „keine Finanzinstrumente, an die aufsichtsrechtliche Pflichten von Instituten anknüpfen“.

“Keine fehlerhaften Auswahlprozesse”

Laut der vom Finanzministerium übermittelten Antwort der Bundesregierung lassen sich nach den Erkenntnissen der BaFin aus den von den Finanzdienstleistungsinstituten vorgelegten Unterlagen „keine fehlerhaften Produktauswahlprozesse erkennen“.

Bei einigen gehörten Containerdirektinvestments von P&R demnach nicht zum „Anlageuniversum“, sondern wurden nur auf ausdrücklichen Kundenwunsch besorgt. Die Institute hätten sich „in der Regel auf die langjährige Erfahrung der P&R seit 1975 gestützt“ und teilweise auch Gespräche mit P&R vor Ort geführt.

Auch aus den Antworten der Kreditinstitute würden sich keine Anhaltspunkte für einen fehlerhaften Produktauswahlprozess ergeben.

Seite 2: Zumeist auf Kundenwunsch [2]

Containerdirektinvestments der P&R wurden von Finanzdienstleistungsinstituten zumeist auf Kundenwunsch im Wege der Anlagevermittlung und als Wiederanlage von Vorinvestments in P&R-Containern vermittelt, so die Bundesregierung.

Seltener seien im Rahmen der Anlageberatung Transportcontainer zur Beimischung empfohlen worden. Oft habe der Kunde auch direkt mit der P&R GmbH Verträge als Wiederanlage abgeschlossen.

Wenig Kundenbeschwerden

Die Provision für die Institute betrug demnach bei der Vermittlung von Neucontainern mit einer Laufzeit von fünf Jahren fünf Prozent der Anlagesumme (ab 2017: 4,5 Prozent), bei Leasingcontainern mit einer Laufzeit von drei Jahren drei Prozent. Bei Geschäftsabschluss des Kunden direkt über P&R fiel die Hälfte der Vermittlungsprovision als vertragliche Kundenschutzregelung an.

In Bezug auf die Anzahl Kundenbeschwerden seien von den Finanzdienstleistungsinstituten eine Kundenbeschwerde (Schreiben von Anwalt), zwei Standardschreiben von Anwälten und eine Ankündigung zum Stellen von Schadensersatzansprüchen durch einen Kunden angegeben worden. Bei den Kreditinstituten liege die mitgeteilte Anzahl der Kundenbeschwerden insgesamt im einstelligen Bereich.

Angabegemäß seien gegenüber den befragten Instituten bislang keine Klagen erhoben worden. Auf welchen genauen Zeitpunkt sich dies bezieht, geht aus der Antwort der Bundesregierung allerdings nicht hervor.

Seite 3: Container-Vermittlung bereits zurückgefahren [3]

Der Großteil der Finanzdienstleistungsinstitute habe keine Rückstellungen gebildet oder geplant. Lediglich eines habe für 2017 Rückstellungen in Höhe von 300.000 Euro gebildet und ein weiteres die Bildung einer prophylaktischen Rückstellung geplant. Hinsichtlich der Kreditinstitute lägen hierzu keine Erkenntnisse vor.

Die Finanzdienstleistungsinstitute erwarten der Antwort zufolge keine Ertragseinbußen beziehungsweise diese nur in unbedeutendem Umfang, da die Vermittlung von Containerdirektinvestments von den meisten bereits in den vergangenen Jahren zurückgefahren worden sei und von untergeordneter Bedeutung war.

Keine Informationen zu früheren P&R-Anlagen

Bezüglich sonstiger Probleme oder Fehler im Vertrieb sei die Auswertung im Bereich Finanzdienstleistungsinstitute noch nicht abgeschlossen. Bisher hätten sich für die BaFin keine Erkenntnisse ergeben. Hinsichtlich der Kreditinstitute lägen keine Erkenntnisse vor.

Inwieweit sich aus den früheren P&R-Anlagen, die noch nicht der gesetzlichen Prospektpflicht und damit der Aufsicht der BaFin unterlagen, Kritik oder Risiken für die Institute ergeben, ist der Antwort der Bundesregierung nicht zu entnehmen. Auf diese vollkommen unregulierten Angebote, die noch bis Ende 2016 platziert werden durften, entfielen rund 85 Prozent des betroffenen P&R-Verkaufsvolumens. (sl)

Foto: Shutterstock

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