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Von Beziehungsbilanzen und anderen Karriereboostern

Kostenleistungsrechnung in der Ehe? Jede Beziehung funktioniert ähnlich wie ein Unternehmen, dessen Erfolg sich in der Bilanz und G+V ablesen lässt.

Gastbeitrag von Christina Kock, Karriere- und Outplacement-Beraterin

Christina Kock: “Den Partner als Unterstützer zu gewinnen, ist die halbe Karrieremiete.”

Übertragen auf Beziehungen geht es um die Verteilung von “Partnerschaftsressourcen” wie Zeit, Engagement und Geld, die sich virtuell auf Beziehungskonten einzahlen und abheben lassen. Und es geht um strategische Entscheidungen.

Eine Partnerschaft [1] ist dann erfolgreich, solange es gelingt, langfristig die Interessen beider unter einen Hut zu bringen. Und das ist genau der Punkt: Um welche Interessen geht es?

Ist beiden Partnern eigentlich klar, welche Interessen das Gegenüber kurz-, mittel- oder langfristig verfolgt – vor allem wenn es um berufliche Ambitionen geht?

Frauen haben oftmals das Nachsehen

Wie wichtig ist es wem, die Karriereleiter zu erklimmen? Wo können Karrierewünsche und -ziele realisiert werden? Wer ist bereit, bei interessanten Jobangeboten den Lebensmittelpunkt zu wechseln?

Den Männern wird evolutionär automatisch zugeschrieben, dass sie den beruflichen Weg nach oben anstreben. Und den Frauen? Sie haben hier oftmals das Nachsehen.

Das Rollenbild der erfolgreichen Frau in beruflichen Spitzenpositionen [2] ist noch nicht ausreichend gelernt. Sowohl gesellschaftlich als auch insbesondere bei den Frauen selbst.

Seite zwei: Richtige Kommunikation ist der Schlüssel [3]

Daher müssen sie frühzeitig mit ihrem Partner sprechen – ihre beruflichen Bedürfnisse und Erwartungen an die Partnerschaft transparent machen!

Christina Kock ist Co-Autorin von “Männer an der Seite erfolgreicher Frauen – Side by Side an die Spitze”, Verlag HAUFE, ISBN 978-3-648-12096-5

Und hier wären wir bei des Pudels Kern: Der fehlenden “Sprechfähigkeit” von Frauen, vor allem im beruflichen Kontext. Ausgerechnet Frauen nicht sprechfähig – die angebliche Kernkompetenz des weiblichen Geschlechts?

Ja, denn es geht hier um gezielte Kommunikation [4] in Sachen eigener beruflicher Zukunft. Frauen sprechen heute immer noch vielfach über persönliche Themen und das sowohl in beruflichen als auch in privaten Gesprächen.

Zahlen, Daten und Fakten

Wenn Frauen gefragt werden, was sie beruflich machen oder wo ihre Stärken liegen, kommen regelmäßig Soft Skills als Antworten. Sie sprechen eher über das, wofür sie zuständig sind und nicht, für was sie verantwortlich sind – ein ziemlicher Unterschied in der Ausstrahlung.

Es ist für Frau noch nicht selbstverständlich über Zahlen, Daten und Fakten, ihre Verantwortungsbereiche im Job [5], ihre Projekte oder ihre Zukunftspläne in Sachen Karriere zu sprechen.

Wenn das also in der eigenen Kommunikation einen so geringen Stellenwert hat, kommt davon mit großer Wahrscheinlichkeit auch wenig beim Partner an.

Seite drei: Wer bin ich und was will ich? [6]

Dabei lohnt die eigene Nabelschau und sollte frühzeitig auch in jungen Beziehungen erfolgen und nicht erst, wenn die Partnerschaftsressourcen traditionell schon längst beim Partner verbraucht werden: Wer bin ich eigentlich, was will ich vom Leben, vom Partner und vor allem was vom Beruf?

Hier dürfen/müssen Frauen, und vielleicht auch der eine oder andere Mann, die eigene Komfortzone verlassen und anfangen, sich zu hinterfragen und zu trauen, Pläne und Vorstellungen für die eigene berufliche Zukunft zu konkretisieren.

Ohne Ziel, kein Weg und ohne Weg, keine Schritte. Denn Karrieren [7] fallen nicht vom Himmel sondern sind das Ergebnis von Arbeit, Ausdauer und Erfolg – step by step. Man/Frau kann entweder den großen Karrierewurf früh formulieren oder eher immer die nächste Stufe ansteuern.

Beziehungskonto: Wer zahlt ein? Wer hebt ab?

Dabei sollte die Ressource Sprache für die beruflichen Ambitionen genutzt werden und frau sollte andere wissen lassen, in welchem beruflichen Spektrum sie sich bewegt und wo ihre Karrierevorstellungen liegen.

Entscheidend ist das eigene Bewusstsein: Was will ich und wer kann mich bei meinen Zielen unterstützen? Womit wir wieder beim Beziehungskonto wären.

Wer zahlt was wann darauf ein und wer hebt wie viel davon ab? Liebe, Zeit für den anderen, für sich selbst, Zeit für die (zukünftigen) Kinder [8], den Haushalt, die Urlaubsplanung und so weiter.

Seite vier: Kompromissbereitschaft hat ein Limit [9]

Zugeständnisse zu machen ist wichtig, im Privaten wie im Beruflichen. Doch was, wenn das Konto [10] real oder gefühlt in die roten Zahlen kommt? Die Ausgaben nicht mehr mit den Einnahmen übereinstimmen?

Frauen nehmen dieses Ungleichgewicht auf dem Beziehungskonto meist erst wahr, wenn der Bankautomat die “EC-Karte einbehält”.

Dabei wäre es ein Einfaches gewesen, für Ausgleich zu sorgen – doch dazu muss frau den Partner natürlich wissen lassen, was ihr selbst wirklich wichtig ist.

Den Partner als Unterstützer gewinnen

Wohin soll der berufliche Weg führen, welche Zugeständnisse macht wer und wann, wo lassen sich gute Kompromisse finden? Der Partner kann es nicht wissen, solange frau sich nicht für sich selbst stark macht.

Genau wie im Unternehmen darf und kann man und frau nicht davon ausgehen, dass allein die eigene Existenz und gute Leistung es schon richten wird – dafür ist die Konkurrenz zu groß – zuhause und im Job.

In der Partnerschaft über das virtuelle Beziehungskonto zu sprechen lohnt sich also – mehr noch, es ist Pflicht. Denn wenn es gelingt, den Partner [11] als Unterstützer zu gewinnen, ist das die halbe Karrieremiete.

Dann gelingt es auch, das nächste Beziehungsbrett zu bohren und den eigenen Chef in Sachen Karriere von sich zu überzeugen.

Christina Kock, Jahrgang 1959, gehört zu den führenden Karriere- und Outplacement-Beratern in Deutschland. Ihre vielseitige und individuelle Beratung für Führungskräfte bei beruflichen Veränderungen reicht von systematischer Selbstreflektion aus Performance-Perspektive, Neupositionierung über Karriereentwicklung und Outplacement bis zur Königsklasse “Inverses Headhunting”. Ihre eigene Laufbahn hat sie bis auf die Vorstandsebene in der Finanzindustrie geführt. Das macht sie für ihre Kunden zu einer versierten Sparringspartnerin auf Augenhöhe. Sie weiß, was Menschen antreibt, erarbeitet methodisch die richtige Positionierung ihrer Kunden und entwickelt mit ihnen neue Perspektiven. 2011 gründete sie ihr Beratungsunternehmen DOM CONSULTING®. Führungskräfte aus allen Branchen, Funktionen und Hierarchieebenen vertrauen sich ihr heute an. www.dom-consulting.com [12]

Fotos: Christina Kock, Shutterstock

 

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