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Commerzbank: Institut wehrt sich gegen Verkaufsgerüchte

Nach dem Abbruch der Fusionsgespräche mit der Deutschen Bank stemmt sich Commerzbank-Chef Martin Zielke gegen Gerüchte über einen Verkauf seines Instituts ins Ausland. Interesse zeigen wohl zwei verschiedene europäische Großbanken.

Eine Übernahme der Commerzbank durch ein ausländisches Institut könnte auch für die Deutsche Bank problematisch werden.

“Wir sind alleine stark genug, um unseren Weg zu gehen”, sagte Zielke der “Welt am Sonntag”. Medienberichten zufolge sollen sowohl die italienische Unicredit als auch die niederländische ING Interesse an der Commerzbank gezeigt haben. “Ich verstehe, dass Sie das interessiert. Aber zu Gerüchten werde ich mich nicht äußern”, sagte Zielke.

Sowohl die Unicredit [1] als auch die ING sind mit eigenen Einheiten im deutschen Privatkundengeschäft aktiv und könnten diese aufwerten. Laut Bankenexperte Jan Pieter Krahnen wäre die Commerzbank als Ganzes durchaus interessant für Wettbewerber.

“Vorausgesetzt die Aufstellung des Instituts wird radikal verändert, verbunden mit Stellenabbau”, sagte der Professor für Kreditwirtschaft und Finanzierung an der Goethe-Universität Frankfurt der Deutschen Presse-Agentur.

Commerzbank hat “gehörig Potenzial”

Insider haben aber auch Zweifel, ob solche Szenarien aktuell Sinn ergeben würden. Zumindest hätten beide Varianten nicht das Gewicht der am Donnerstag nach knapp sechswöchigen Gesprächen für gescheitert erklärten deutschen Lösung – einer Fusion [2] der Deutschen Bank mit der Commerzbank.

“Wir haben eine klare Strategie, aber auch die muss immer wieder auf den Prüfstand”, sagte Zielke. Dies bedeute jedoch nicht, dass man es nicht allein schaffen könne.

Die Bank habe noch “gehörig Potenzial” bei ihren Kunden. “Das Privatkundengeschäft hat seine sehr positive Entwicklung fortgesetzt und auch im Firmenkundengeschäft sehen wir Fortschritte.”

Seite zwei: Konkurrenz für Deutsche Bank? [3]

Für die Deutsche Bank könnte eine Übernahme der Commerzbank durch ein ausländisches Institut zum Problem werden. Denn dann dürfte sie einem starken Wettbewerber gegenüberstehen. Deutsche-Bank [4]-Chef Christian Sewing gibt sich aber gelassen.

“Dazu kann es natürlich kommen. Aber auch damit könnten wir umgehen”, sagte Sewing der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”.

Gute Möglichkeiten nach geplatzter Fusion

Ein möglicher Käufer aus dem Ausland wäre “zum einen mindestens ein bis zwei Jahre nur mit deren Integration beschäftigt. Und zum anderen wären wir dann die einzige wirklich deutsche Bank mit internationalem Netzwerk.”

Der Deutschen Bank selbst stünden nach der geplatzten Fusion gute Möglichkeiten offen, sagte Experte Krahnen. “Es könnte sinnvoll sein, leistungsfähige Sparten der Deutschen Bank mit den entsprechenden Geschäftsbereichen europäischer Wettbewerber zusammenzulegen.”

Als Beispiele nannte er die Fondstochter DWS [5] und das Investmentbanking. Seit geraumer Zeit grassieren Gerüchte, wonach die DWS mit einem Rivalen zusammengehen könnte.

Seite drei: Wer ist im Rennen um die DWS? [6]

Insidern zufolge ist dabei neben der UBS auch Europas größter Fondsanbieter Amundi im Rennen. Die Beteiligten wollten diese Überlegungen bisher aber nicht kommentieren.

Sewing gibt sich gelassen

Auch im “FAS”-Interview wollte sich Sewing nicht zu den Spekulationen äußern. Grundsätzlich gelte aber: “Wir schauen uns für einzelne Bereiche Chancen an, wie wir schneller wachsen und profitabler werden können, das ist doch klar.”

Er verwies zudem auf den Börsengang der DWS im vergangenen Jahr, der unter anderem mehr Flexibilität bezweckt habe. Zuvor hatte Sewing bereits gesagt, die Deutsche Bank wolle an der erwarteten Konsolidierung unter den Vermögensverwaltern [7] teilnehmen. (dpa-AFX)

Foto: Shutterstock

 

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