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Crowdinvesting-Plattform sammelt Geld für sich selbst

Die Companisto Holding GmbH hat eine Emission gestartet, mit der sie für bis zu fünf Millionen Euro eigene GmbH-Anteile zur Wachstumsfinanzierung verkauft. Die Anleger zahlen fast das 1.000-fache des Nennwertes. Der Umfang des Verkaufsprospekts ist beachtlich.

David Rhotert (links) und Tamo Zwinge, die Gründer und Geschäftsführer von Companisto, planen ein steiles Wachstum der Crowdinvesting-Plattform.

Die Emission erfolgt nicht als klassisches Crowdinvestment durch eine prospektfreie “Schwarmfinanzierung” mit kleinen Beträgen bis zu einem Emissionsvolumen von maximal 2,5 Millionen Euro, sondern mit einem Prospekt nach dem Vermögensanlagengesetz (VermAnlG), der nicht weniger als 240 Seiten umfasst.

Angeboten werden bis zu 5.035 GmbH-Geschäftsanteile mit einem Nennwert von einem Euro pro Stück. Bei Vollplatzierung steigt das Stammkapital der Companisto Holding GmbH damit auf 35.243 Euro. Den neuen Anlegern gehören dann für insgesamt fünf Millionen Euro gut 14 Prozent des Unternehmens.

Mindest-Investition 10.924,21 Euro

Die Anleger zahlen pro Geschäftsanteil 993,11 Euro. Davon entfällt ein Euro auf das Stammkapital, der Rest fließt in die Kapitalrücklage. Mindest-Investition pro Anleger sind elf Anteile, also genau 10.924,21 Euro. Nach Abzug der Emissionskosten wie Provisionen und Marketingkosten fließen dem Unternehmen bei Vollplatzierung Nettoeinnahmen von gut vier Millionen Euro zu.

Companisto ist eine der bekanntesten Crowdinvesting-Plattformen und konzentriert sich nach eigener Darstellung auf Start-Ups und Wachstumsunternehmen. Für Frühphasenfinanzierungen mit maximal 2,5 Millionen Euro Emissionsvolumen (also “Schwarmfinanzierungen” ohne formellen Prospekt) wurde die Mindestinvestition zum Jahreswechsel von 100 auf 250 Euro pro Anleger erhöht. Für Wachstumsfinanzierungen erfolgen auch prospektpflichtige Emissionen mit höheren Mindestsummen und größeren Volumina.

Seite 2: Beteiligung an der Holding [1]

Bei der aktuellen Emission der eigenen GmbH-Anteile beteiligen sich die Anleger nicht unmittelbar an der Plattform, sondern Emittentin ist die Companisto Holding, zu der auch weitere (Companisto-) Unternehmen gehören. Sie hat bislang offenbar hauptsächlich in den Aufbau des Unternehmens investiert.

Die im Emissionsprospekt enthaltene Zwischenbilanz der Emittentin zum 31. Dezember 2018 weist nach Abzug eines (kumulierten) Bilanzverlusts von knapp 644.000 Euro ein Eigenkapital von rund 636.000 Euro aus. Dazu beigetragen hat ein Jahresfehlbetrag von 380.000 Euro aus der Gewinn- und Verlustrechung des Jahres 2018. Die Umsatzerlöse der Holding beliefen sich im Jahr 2018 auf 430.000 Euro.

Zur Companisto GmbH, also der Plattform selbst, ist der Jahresabschluss 2017 im Prospekt enthalten. Dieser wies einen Jahresfehlbetrag von 918.000 Euro und insgesamt einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von gut 1,6 Millionen Euro aus.

„Pre-Money-Bewertung“ 30 Millionen Euro

Die laut Prospekt einseitig von der Emittentin festgelegte „Pre-Money-Bewertung“ der Holding (also ohne Berücksichtigung des Emissionserlöses), die der Investition zugrunde gelegt wird, beträgt 30 Millionen Euro.

Dieser Unternehmenswert basiert demnach unter anderem auf der Prognose, dass das Investitionsvolumen auf der Companisto-Plattform von geplanten 22 Millionen Euro in 2019 auf 100 Millionen Euro im Jahr 2022 steigt. Ein (externes) Bewertungsgutachten wurde laut Prospekt nicht erstellt.

Das Unternehmen legt bei der Übermittlung von Informationen, um die Cash.Online gebeten hatte, Wert auf den Hinweis, „dass wir aufgrund der großen Nachfrage nach Anteilen nur bestehende Kunden zu einem Investment zulassen.“ (sl)

Foto: Companisto / MaxThrelfallPhoto