- Finanznachrichten auf Cash.Online - https://www.cash-online.de -

P&R: Anlegeranwalt warnt vor Verzicht auf Schadenersatz

Anleger von Containern der insolventen P&R-Gruppe sollten auf keinen Fall auf Schadensersatzforderungen gegen Anlagevermittler oder Finanzberater verzichten, warnt ein Anwalt der Kanzlei KWAG. Diese Folge sei bei Unterzeichnung des Vergleichsvorschlags des Insolvenzverwalters “nicht ausgeschlossen”. 

P&R-Container waren bei Vertrieb und Anlegern einst höchst beliebt (Symbolbild).

Der Rechtsanwalt Jan-Henning Ahrens von der Bremer Kanzlei KWAG warnt auch davor, sich jetzt ausschließlich auf den Insolvenzverwalter und den Ausgang des Verfahrens zu verlassen. “Die P&R-Anleger müssen damit rechnen, dass sie am Ende mit einem Bruchteil ihres investierten Kapitals abgefunden werden.”

Der Insolvenzverwalter Michael Jaffè hatte am Montag mitgeteilt, er habe mittlerweile 110 Millionen Euro für die Gläubiger gesichert und habe weitere Summen bis zu insgesamt 560 Millionen Euro in Aussicht. Ab dem kommenden Jahr wolle er Abschläge an die Anleger [1] auszahlen. Betroffen sind rund 54.000 Anleger, die zusammen rund 3,5 Milliarden Euro in die einst höchst beliebten P&R-Container investiert haben.

Vergleich legt nur Berechnungsgröße fest

Voraussetzung für die angekündigten Abschlagszahlungen sei allerdings, dass sich die Anleger einem Vergleich anschließen, der nach Angaben des Insolvenzverwalters bereits einstimmig vom Gläubigerausschuss genehmigt wurde.

Laut Rechtsanwalt Ahrens wird im vorgeschlagenen Vergleich jedoch nicht die Auszahlungssumme vereinbart, sondern nur eine Berechnungsgröße ermittelt, auf deren Grundlage dann die Höhe der jeweiligen Ausschüttung festgelegt wird. Das könne bedeuten, “dass die geprellten Anleger im Insolvenzverfahren schlussendlich mit weniger als zehn Prozent ihres investierten Kapitals abgefunden werden.”

Seite 2: Schadenersatzansprüche gegen den Vertrieb [2]

P&R-Anleger, die ihr Container-Investment über Vermittler gezeichnet haben, hätten laut Ahrens aber Chancen, ihr gesamtes Kapital zu retten. Es bestehen seiner Ansicht nach Schadensersatzansprüche gegen Anlageberater und den Vertrieb. Viele Banken und Sparkassen hätten ihren Kunden die P&R-Container-Direkt-Investments empfohlen.

Dabei sei häufig nicht korrekt über Risiken aufgeklärt worden. “Wäre die vertragliche Konstellation von den Beratern auch nur oberflächlich geprüft worden, wäre sehr schnell klar gewesen, dass die Anleger tatsächlich überhaupt kein Eigentum an Containern erwerben”, sagt Ahrens. Eine mangelhafte Plausibilitätsprüfung begründe Schadensersatzansprüche.

Ganz so eindeutig ist die Sache allerdings nicht: Bislang sind auf Landgerichts-Ebene drei Urteile zugunsten [3] und eines gegen [4] den P&R-Vertrieb bekannt geworden.

Vertriebs-Anwälte im Gläubigerausschuss?

Ahrens rät allen P&R-Anlegern zu “besonderer Vorsicht” bei der Unterzeichnung der Vergleichsvereinbarung, weil nicht ausgeschlossen sei, dass damit auch einer sogenannten Erledigungsklausel zugestimmt wird: “Dann haben sich alle Schadensersatzansprüche unwiderruflich erledigt.”

Nach seiner Einschätzung ist es außerdem “nicht auszuschließen”, dass bestimmte Rechtsanwälte, deren Einschaltung P&R-Anlegern zu Beginn des Insolvenzverfahrens von großen Vertriebsstrukturen empfohlen wurde, heute Mitglieder des Gläubigerausschusses sind. “Damit dürfte ein starkes Interesse bestehen, die Vertriebe nicht anzugreifen und stattdessen einen Vergleich im Rahmen des Insolvenzverfahrens zu befördern”, sagt Ahrens. (sl)

Foto: Shutterstock

 

Mehr zum Thema P&R:

P&R Container: Staatsanwalt klagt den Gründer an [5]

P&R-Anleger können ihre Forderungen nicht zu Geld machen [6]

Erstes Urteil gegen P&R-Vermittler [4]

Weiteres Gerichtsurteil entlastet P&R-Vermittler [7]

P&R-Pleite: Bankenvertrieb ohne Fehl und Tadel? [8]

P&R-Vertrieb: Schützenhilfe durch die Grünen [9]

P&R: Eine Million Phantom-Container [10]

P&R: Schlimmer geht’s nimmer [11]