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Plansecur: “Millionen Verbraucher von Finanzberatung abgeschnitten”

Ein Vergütungsverbot für Finanzberater würde Millionen Deutsche von einer Beratung über ihre Altersvorsorge abschneiden, warnt die Unternehmensgruppe Plansecur. Gerade Menschen mit unteren und mittleren Einkommen könnten sich das Beratungshonorar nicht leisten.

Johannes Sczepan: “Die Provisionsberatung hat sich bewährt, auch wenn gelegentlich schwarze Schafe bekannt werden.”

Damit bezieht Plansecur Stellung zur Forderung mehrerer Verbraucherschutzverbände, dass Versicherungsmakler [1] in Zukunft keine Vermittlungsprovision mehr erhalten sollten, wenn sie Versicherungen und andere Finanzprodukte verkaufen.

In Zukunft solle der Kunde aus eigener Tasche ein Honorar zahlen, um so die Objektivität der Beratung zu gewährleisten und auszuschließen, dass der Vermittler hauptsächlich die eigene Provision im Blick hat.

Nach Einschätzung von Plansecur wären davon deutschlandweit etwa 250.000 Vermittler betroffen, die Bezüge aus Vermittlungsprovisionen erhalten.

Schwarze Schafe in allen Branchen

“Diese Berater erfüllen eine gesellschaftspolitisch wichtige Aufgabe, indem sie Menschen bei ihrer Altersversorgung [2] helfen und sie vor Altersarmut bewahren”, stellt Plansecur-Geschäftsführer Johannes Sczepan klar.

Er erklärt weiter: “Die Provisionsberatung hat sich bewährt, auch wenn gelegentlich schwarze Schafe bekannt werden.” Es gebe auch unter Politikern kriminelle Einzelfälle, und trotzdem werde nicht gefordert, dass die Vergütungen von Ministern und Abgeordneten um die Hälfte gekürzt werden.

Neben den Vermittlern seien vor allem jene Verbraucher mit einem geringen oder mittleren Einkommen Leidtragende einer Abschaffung der Provisionsberatung.

Seite zwei: Beraterhonorar wird zu unüberwindbarer Hürde [3]

Diese können sich das Extrahonorar für die Beratung nicht leisten, meint Plansecur und nennt konkrete Zahlen: Im Jahr 2017 lag das mittlere Nettoeinkommen eines Einpersonenhaushalts bei 1.666 Euro, das einer Familie mit zwei Kindern bei 3.498 Euro.

“Für diese Menschen stellen auch nur 500 Euro Beraterhonorar eine praktisch unüberwindbare Hürde dar, mit der Folge, dass sie ihre Altersversorgung [4] überhaupt keiner Beratung unterziehen werden”, so Sczepan.

Er fügt hinzu: “Das ist mit der allseits erhobenen politischen Forderung, die Menschen sollten sich selbst über die staatliche Rente hinaus auch private um ihre Altersversorgung kümmern, unvereinbar.”

Provisionen sind “keineswegs überzogen”

Zudem widerspricht der Plansecur-Chef der “Mär von märchenhaften Provisionen” und gibt ein Rechenbeispiel: “Für einen durchschnittlichen Vertrag mit einem Monatsbeitrag von 100 Euro bei einer Laufzeit von 30 Jahren erhält der Vermittler [5] aus einem Gesamtbeitragsvolumen von 36.000 Euro eine Provision von 900 Euro.”

Dafür erbringe er nicht nur die Beratungsleistung, häufig in mehreren Gesprächen, sondern habe auch die gesetzliche Pflicht, den Kunden 30 Jahre lang zu betreuen. Bei Heirat, Scheidung, Kindern, Umzug oder Beitragsfreistellung müsse der Berater tätig werden.

“Daraus ergibt sich im Durchschnitt ein Stundenlohn von 60 Euro brutto für den Vermittler. Das ist angemessen und keineswegs überzogen”, so Sczepan.

Seite drei: “Sind bald die Stundensätze aller Freiberufler dran?” [6]

Er legt folgende Zeitansätze zugrunde: Beratungsgespräch (zwei Stunden), Vor- und Nachbereitung der Kundenfragen (anderthalb Stunden), An- und Abfahrt (anderthalb Stunden), laufende Betreuung über 30 Jahre hinweg (mindestens zehn Stunden).

Der Geschäftsführer von Plansecur verweist darauf, dass das 2014 in Kraft getretene Lebensversicherungsreformgesetz eine Deckelung der Vergütung der Vermittler auf 2,5 Prozent aller Beiträge, die ein Kunde über die Laufzeit eines Vertrages zahlt, vorschreibt.

“Heute werden die Einkommen von Finanzberatern beschnitten; sind morgen die Provisionen [7] von Autoverkäufern, übermorgen die Stundensätze von Handwerkern und alsbald von Freiberuflern aller Art an der Reihe?”

Großbritannien als abschreckendes Beispiel

Sczepan erbost sich: “Wenn wir der politischen Mindestlohndebatte eine neue Höchstlohndebatte hinzufügen wollen, wäre eine Deckelung der Bezüge von Politikern oder Dax-Vorständen wohl angebrachter, sofern man Gerechtigkeit anstrebt.”

In Großbritannien sind Provisionen für die Altersversorgung [8] schon seit 2013 verboten. Dort wurden, nach Auskunft des britischen Finanz- und Wirtschaftsministeriums aus dem Jahre 2016, zwischen 19 und 35 Millionen Briten mit kleinen und mittleren Einkommen faktisch von Finanzberatung abgeschnitten.

Ein Ansatz der Regierung, über den der Berater eine Ratgebergebühr mit dem Kunden vereinbaren kann, die aus einem Finanztopf der Versicherungen vorfinanziert wird, gilt auf der Insel als gescheitert, da zu umständlich und praxisfern.

“Wir sollten uns an Großbritannien wahrlich kein Beispiel nehmen”, meint Johannes Sczepan: “Das Land zeigt gerade mit dem Brexitchaos, wie man es nicht machen sollte.” (bm)

Fotos: Plansecur, Shutterstock

 

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