26. Mai 2020, 14:38
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Arbeiten im Homeoffice: Die wichtigsten Steuertipps

Die Corona-Krise hat viele Einschränkungen zur Folge und zwingt Arbeitgeber dazu, ihre Mitarbeiter ins Homeoffice zu schicken. Doch ein neuer Arbeitsplatz in den eigenen vier Wänden schlägt auch auf den Geldbeutel. In Hinblick auf die bald anstehende Steuererklärung stellt sich also die Frage, ob das Homeoffice auch Steuervorteile mit sich bringt. Worauf hier zu achten ist und welche sonstigen Abzüge bei Renovierungs- oder Neuanschaffungskosten die Finanzbehörden aufgrund der aktuellen Situationen zulassen, verrät Paul-Alexander Thies, CEO des Buchhaltungsprogramms Billomat.

Shutterstock 1676114362 in Arbeiten im Homeoffice: Die wichtigsten Steuertipps

Ausnahmen in Corona-Zeiten: Diese Bedingungen mindern Steuern 

Die meisten befinden sich aktuell in einer neuen Situation und entdecken die Vor- und Nachteile der Arbeit im Homeoffice für sich. So fallen einerseits die langen Arbeitswege weg und der gesamte Tag lässt sich flexibler gestalten. Auf der anderen Seite gibt es zu Hause mehr Ablenkungsmöglichkeiten und es entstehen unter anderem zusätzliche Kosten für den neuen Arbeitsplatz.

Doch die gute Nachricht ist: Diese können in der nächsten Steuererklärung berücksichtig werden. Laut dem Gesetz gelten zwar Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer in der Regel nicht als steuerlich absetzbar, jedoch handelt es sich gerade um einen Ausnahmezustand. Aufgrund der Ausgangsbeschränkungen ist es Arbeitnehmern gestattet einen begrenzten Abzug von bis zu 1.250 Euro im Jahr steuerlich geltend zu machen, da ihnen sonst kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Dieser Höchstbetrag ist personenbezogen. Deshalb dürfen beispielsweise Paare, die ein Arbeitszimmer gemeinsam nutzen, die selbst getragenen Kosten separat in der Erklärung angeben. Für Selbstständige, deren berufliche Tätigkeit sich hauptsächlich im heimischen Arbeitszimmer abspielt, sind die Ausgaben für das Homeoffice sogar unbeschränkt abzugsfähig.
 
Neues Büro günstig gemacht: So ermitteln Sie Kosten für Telefon, Strom und Co.

Ein Arbeitstag im Homeoffice startet meistens mit einer heißen Tasse Kaffee. Anschließend wird der Laptop aufgeklappt und das E-Mail-Postfach gecheckt. Auch weitere Arbeitsmittel wie Drucker oder Tischlampe kommen im Laufe des Tages zum Einsatz. Aber was davon darf in der Steuererklärung angegeben werden? Grundsätzlich sind alle Kosten, die direkt oder anteilig dem Arbeitszimmer zuzuordnen sind, von der Steuer absetzbar. So gehören zum Beispiel Schreibtisch, Stuhl oder Tischlampe ohne Frage zur Ausstattung im Homeoffice und können in voller Höhe abgesetzt werden. Wer sein heimisches Büro erst renovieren muss, darf sich ebenfalls über eine finanzielle Entschädigung freuen und die Kosten komplett geltend machen.

Darunter fallen unter anderem Aufwendungen für Teppiche, Gardinen oder Tapeten. Für die Wohnungsmiete und Nebenkosten wie Strom oder Heizung gelten jedoch andere Regeln. Da diese Ausgaben sich auf die gesamte Wohnung beziehen, muss der anteilige Betrag für das Arbeitszimmer individuell berechnet werden. Angenommen das heimische Büro ist 10 Quadratmeter groß, während die gesamte Wohnfläche sich auf 100 Quadratmeter erstreckt. Dementsprechend kann das Finanzamt 10 Prozent von dem Mietpreis zurückerstatten. 
 
Auch sonstige Kosten für Telefon, Internet und Büroartikel lassen sich in der Steuererklärung angeben. Wer zum Beispiel sein eigenes Handy dazu nutzt, um beruflich Gespräche zu führen, kann die Telefonrechnung als Werbekosten absetzen. Ohne einen Internetanschluss gestalten sich das Versenden von E-Mails oder eine einfache Online-Recherche ebenfalls schwierig. Deshalb dürfen auch diese Ausgaben geltend gemacht werden.

Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Die Aufwendungen können zum Beispiel pauschal mit 20 Prozent angegeben werden, dabei sind jedoch maximal nur 20 Euro pro Monat einzutragen. Gehen die Ausgaben über diese Grenze hinaus, sind sie in Form von Einzelnachweisen bei den Behörden einzureichen. In diesem Fall gibt es zwar keinen Höchstwert, jedoch muss der Steuerzahler den abziehbaren Prozentwert selbst ermitteln. Für Verpflegung in Form von Kaffee oder Obstkorb, die es sonst im Büro gibt, zahlen die Arbeitnehmer im Homeoffice selbst.
 
Arbeitszimmer vs. Arbeitsecke: Wann lässt sich ein Raum von der Steuer absetzen?

Die Grenze zwischen der Arbeit und der Mittagspause oder dem Feierabend kann im Homeoffice schon manchmal verschwimmen. Dabei ist es für die Produktivität und das eigene Wohlergehen von großer Bedeutung, diese strikt voneinander zu trennen. Eine gute Möglichkeit stellt die Einrichtung eines heimischen Büros dar, das von dem Rest der Wohnung klar abgegrenzt ist. Doch ab wann gilt ein Wohnbereich als Arbeitszimmer? Hierbei muss unterschieden werden, ob in einem abgetrennten Raum oder lediglich in einer kleinen Arbeitsecke im Wohnzimmer gearbeitet wird.

So hat der Große Senat des Bundesfinanzhofs 2016 beschlossen, dass die Kosten für eine Arbeitsecke in der Steuererklärung nicht berücksichtigt werden dürfen. Das Gleiche gilt auch für Durchgangszimmer bzw. für Räume, die hauptsächlich dem privaten Gebrauch dienen. Das bedeutet, im Arbeitszimmer dürfen sich kein Fernseher, keine Couch oder sonstige in der Freizeit genutzte Gegenstände befinden. In Corona-Zeiten lässt sich aber auch ein Gästezimmer in ein Büro umgestalten, solange Dinge, die nichts mit der beruflichen Tätigkeit zu tun haben, entfernt werden. Die neue Einrichtung sollte zur Sicherheit anhand von Fotos dokumentiert werden, falls das Finanzamt Nachweise braucht.
 
Fazit: Vorteile im Homeoffice für sich nutzen

Die Arbeit von Zuhause aus bedeutet für viele Berufstätige eine große Umstellung. Daher ist es sinnvoll, in den eigenen vier Wänden gute Bedingungen durch die entsprechende Ausstattung zu schaffen. So brauchen Arbeitnehmer keine Scheu vor Neuanschaffungen oder gar einer Renovierung zu haben. Denn diese Vorkehrungen wirken sich nicht nur positiv auf die Produktivität und das eigene Wohlbefinden aus, sondern lassen sich auch bei der anstehenden Steuererklärung berücksichtigen. Auch die Nebenkosten wie Strom oder Heizung lassen sich zu einem gewissen Teil von der Steuer absetzten. Wer diese Steuertipps beherzigt, kann in Corona-Zeiten viel Geld vom Finanzamt zurückbekommen.

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Nach Bundestag stimmt auch Bundesrat für die Grundrente

Nach dem Bundestag hat am Freitag auch der Bundesrat der Grundrente zugestimmt, durch die kleine Renten von rund 1,3 Millionen Menschen aufgebessert werden sollen.

mehr ...

Immobilien

Trotz Corona ins Eigenheim: Was Immobilieninteressenten jetzt beachten sollten

Das eigene Zuhause ist wichtiger denn je: Selten zuvor waren die Menschen so viel zuhause wie jetzt in der Corona-Krise. Die eigenen vier Wände sind für viele zum Schutzraum geworden. Hier verbringen sie Zeit mit der Familie, arbeiten im Home-Office oder bringen ihren Kindern Mathe und Deutsch bei. „Die Corona-Pandemie mit all ihren Einschränkungen des Alltags hat in vielen Menschen den Wunsch nach Wohneigentum gestärkt“, sagt Roland Hustert, Geschäftsführer der LBS Immobilien NordWest.

mehr ...

Investmentfonds

Ermittlungen gegen Wirecard-Manager auch wegen Untreueverdachts

Im Skandal um fehlende Milliarden beim Dax-Konzern Wirecard ermittelt die Münchner Staatsanwaltschaft nach Informationen der “Süddeutschen Zeitung” nun auch wegen Untreueverdachts gegen den Ex-Vorstandschef und weitere Manager.

mehr ...

Berater

Soli-Umfrage: Mehrheit der Deutschen erwägt Soli-Ersparnis in Altersvorsorge zu investieren

Willkommener Geldsegen für eine finanziell selbstbestimmte Zukunft: Die Deutschen begrüßen die „Soli-Abschaffung“ und erwägen die Ersparnis für die eigene Altersvorsorge einzusetzen. Das geht aus einer von Swiss Life Select in Auftrag gegebenen repräsentativen YouGov-Studie mit 2.048 Personen hervor.

mehr ...

Sachwertanlagen

Immer weniger Deutsche wollen reich werden

Nur noch eine knappe Mehrheit der Deutschen findet es erstrebenswert, reich zu sein. Gleichzeitig werden die Chancen auf ein hohes Vermögen immer schlechter eingeschätzt – auch wegen Corona. Das ergab eine repräsentative Umfrage der GfK für die “4. Reichtumsstudie” des Private-Equity-Spezialisten RWB Group.

mehr ...

Recht

Wirecard-Skandal – Wirtschaftsprüfer im Auge des Sturms

Der Bilanzskandal um den mittlerweile insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard hat Anleger Milliarden gekostet. Mittlerweile steht auch der zuständige Wirtschaftsprüfer EY im Fokus. Der Prozessfinanzierer Foris AG arbeitet mit führenden Bank- und Kapitalrechtskanzleien an gemeinsamen Lösungen.

mehr ...