6. Juli 2020, 11:06
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Big Data klug nutzen

Die Reduzierung von Kosten gehört zu den Daueraufgaben von Unternehmen – nach der Coronakrise wird sie in vielen Konzernen vermutlich wieder zur Hauptaufgabe. Doch hastiger Aktionismus nach alten Rezepten hilft wenig und gefährdet möglicherweise sogar die Zukunft von Unternehmen. Gastbeitrag von Thorsten Beckmann, achtung!

 in Big Data klug nutzen

Thorsten Beckmann

Um Kosten zu senken, versuchen Unternehmenslenker meist zuerst, unproduktive Ausgaben zu identifizieren und zu reduzieren. Oft versuchen sie auch, ihre Prozesse zu rationalisieren – etwa durch eine zunehmende Standardisierung. Mit innovativen Technologien können sie die Automatisierung vorantreiben und die Produktivität erhöhen – Stichwort Industrie 4.0. Sie lagern häufig auch Prozesse an Dienstleister aus oder nutzen Kostenvorteile durch eine Produktion in Schwellenländern. Das waren zumindest die typischen, bislang gängigsten Optionen vor der Coronakrise.

Aber führen diese Maßnahmen auch in Zeitalter der Digitalisierung noch langfristig zu einem Wettbewerbsvorteil? Hier dürfen sich Unternehmenslenker nicht von alten Erfolgsrezepten blenden lassen. In der Regel sind die typischen Gründe für Kostensenkungen eine nachlassende Nachfrage und ein härterer Wettbewerb – beide Faktoren spielen während und nach der Coronakrise sicherlich eine entscheidende Rolle. Die Kostenstruktur zu überarbeiten und sich gleichzeitig gegen stärkeren Wettbewerb zu verteidigen, führt aber oft zu einem Zielkonflikt. Tatsächlich kann eine Konzentration auf kurzfristig mögliche Kosteneinsparungen die Wettbewerbsvorteile von Unternehmen sogar schmälern. Das lässt sich häufig bei Innovatoren beobachten, die ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung reduzieren. Oder bei Marken, die weniger für Marketing ausgeben. Diese Unternehmen sind dann langfristig meist weniger in der Lage, gesunde Gewinne zu erzielen.

Klassisches Beispiel: Kodak. Der US-Konzern, einst Weltmarktführer bei Fotoapparaten und -filmen, hatte bereits 1975 die erste Digitalkamera hervorgebracht, meldete aber 2012 Insolvenz an. Der Grund: Kodak hatte – anders als Mitbewerber – jahrelang nicht in Innovationen investiert und marktfähige Produkte für die Digitalfotografie entwickelt. Der Vorstand hatte diesen Kurs eingeschlagen, um Kosten zu reduzieren. Das Unternehmen verlor jedoch technologisch den Anschluss.

Digitalisierung treibt “Reshoring” voran

Aber Vorsicht: Auch eine Erhöhung der Produktivität durch technische Innovationen verspricht heutzutage nicht automatisch nachhaltigen Erfolg. In der Regel finden Unternehmen mit effizienzsteigernden Prozessinnovationen schnell Nachahmer. Die Margenvorteile der “Early Mover” verschwinden dann im Wettbewerb mit den Nachzüglern wieder. Prozessinnovationen stellen letztlich keine neuen, innovativen Geschäftsmodelle oder zumindest Geschäftserweiterungen dar. Sie können daher nicht als langfristiges Mittel zur Kostenreduktion oder als nachhaltiger Treiber des Gewinnwachstums herhalten. Kurzfristig ja, langfristig nicht.

Nahezu ausgereizt scheint auch die in den vergangenen Jahrzehnten bei international aufgestellten Konzerne wohl populärste Strategie zur Kostensenkung zu sein: Offshoring. Lange Zeit profitierten unzählige Unternehmen von den Vorteilen der Globalisierung, nämlich günstigeren Löhnen und geringeren Materialkosten in Schwellenländern. Jetzt, wo nahezu alle produzierenden Konzerne in Fernost oder in anderen Wachstumsländern fertigen, hat die Globalisierung als Gewinntreiber an Bedeutung verloren, zumal auch in den aufstrebenden Ländern mit zunehmendem Wohlstand die Kosten für Rohstoffe und Löhne steigen. Digitalisierung und Automatisierung treiben sogar das “Reshoring” voran: Je mehr Roboter ein Unternehmen einsetzt, desto eher holt es die Produktion wieder in die Heimat zurück.

Seite zwei: Wettbewerbsvorteile für Big-Data-Pioniere

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1 Kommentar

  1. Der Impuls, dass aus Daten erst Wert geschaffen werden muss, bevor sie ihren Wert zeigen, finde ich sehr wichtig. Dass nur mittels Einsatz von Daten die Erfahrung gemacht werden kann, müsste mehr kommuniziert werden. Danke!

    Kommentar von KiIian SemmeImann — 17. Juli 2020 @ 22:00

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