27. Mai 2020, 05:20
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Corona: Insurtechs überholen Fintechs

In den letzten Wochen haben wir erlebt, dass die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie digitale Lösungen beschleunigen. Davon profitieren Digitalbanken und Digitalversicherer gleichermaßen, könnte man meinen. Dennoch machen Fintechs nach vielen positiven Meldungen derzeit eher negative Schlagzeilen. Kurzarbeit, weniger Kartenumsätze, verschobene Expansionspläne – schnell wachsende Fintechs spüren die Auswirkungen der Coronakrise deutlich, während Insurtechs weiter wachsen. Woran liegt das? Eine Einordnung von Christian Wiens, CEO und Gründer von Getsafe

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Christian Wiens, Gründer und CEO von Getsafe

 Die Finanzkrise 2009/10 zerrüttete das Vertrauen der Kunden in Banken. Neobanken wie Monzo, Revolut, Starling Bank oder N26 boten einen neuen Ansatz. Mit ihrem Versprechen “No bullshit banking” trafen sie die Erwartungen der jungen Generation und sie verzeichneten schnell hohe Wachstumsraten.
 
Mittlerweile sind viele Neobanken mit mehreren Milliarden Dollar bewertet. In nur vier bis fünf Jahren zum Einhorn zu werden, ist eine beeindruckende Leistung, die viele Kritiker zum Schweigen gebracht hat, die an der Nachhaltigkeit und Langlebigkeit von Neobanken zweifelten.
 
Die Coronakrise zeigt nun die Schwächen des Geschäftsmodells. Viele Neobanken sind schnell gewachsen – vielleicht zu schnell. Sie haben extrem hohe Marketingausgaben; gleichzeitig sind die Umsätze noch gering. Die meisten von ihnen erheben keine Bankgebühren. Gerade wenn Menschen den Gürtel enger schnallen, wird es schwierig, das “Freemium Modell” zu monetarisieren. Stattdessen stammen die Einnahmen hauptsächlich aus Gebühren für Kreditkarten-Transaktionen, welche die Händler zahlen. Mit sinkenden Konsumausgaben in der Coronakrise schrumpfen auch die Einnahmen. 
 
In der Welt der Insurtechs gibt es weniger Einhörner. Daher stehen sie oft im Schatten der Fintechs. Doch die Coronapandemie offenbart nun auch die Stärke von Neoversicherungen. Ihr Geschäftsmodell ist darauf ausgelegt, mit den Kunden über Jahre zu wachsen; die Kunden zahlen vom ersten Tag an für die Leistung. Während Menschen oft mehrere Girokonten und Kreditkarten besitzen, haben sie nur eine Haftpflicht- oder Hausratversicherung, und diese behalten sie auch und gerade in Krisenzeiten.
 
Die Langfristigkeit des Versicherungsgeschäfts ist der eine Grund, weshalb Neoversicherer gerade jetzt gut dastehen. Der zweite Grund ist die daraus resultierende Trägheit des Systems: Während die Banken in der Finanzkrise gezwungen waren, sich neu aufzustellen, war das bei den Versicheurngskonzernen nicht der Fall. Der durchschnittliche Versicherungskunde der traditionellen Versicherer ist zwischen 40 und 50 Jahre alt und zahlt seine Prämien noch 30 oder 40 Jahre weiter. Bei der Finanzkrise gab es keinen dringenden Handlungsbedarf. 
 
Davon können Neoversicherungen heute profitieren: Was wir sehen, ist  keine laute Revolte gegen die etablierten Konzerne, sondern eine schleichende Revolution auf Raten. Das Potenzial der Insurtechs, den Markt umzukrempeln, steht jenem von Fintechs doch in nichts nach.

Foto: Getsafe

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