15. Juni 2020, 14:54
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Coronakrise: Substanzwerte einmal anders – ein Blick auf die Assetklasse Kunst

Kolumne von Markus Merkel, steinbeis & häcker vermögensverwaltung gmbH in München. Der Investmentanalyst (DVFA) und Kunsthistoriker M.A. leitet dort den Bereich Mandate und Kooperationspartner.

Markus-Merkel Leiter-Mandate-und-Kooperationspartner-Kopie in Coronakrise: Substanzwerte einmal anders - ein Blick auf die Assetklasse Kunst

Markus Merkel, steinbeis & häcker

„Geld allein macht nicht glücklich. Es gehören auch noch Aktien, Gold und Grundstücke dazu.“ Hat der US-amerikanische Schauspieler Danny Kaye zurecht nicht auch an Kunstgegenstände gedacht? Nüchtern betrachtet und in krisenhaften Zeiten wie derzeit sicherlich. So hatte der US-Ökonom John Exter (1910 – 2006) eine inverse Pyramide gängiger Vermögensklassen entwickelt, in der unsichere und volatile Vermögenswerte wie Kunst, Derivate oder unbesicherte Pensionsansprüche ganz oben stehen. Diese Vermögenswerte versprechen nur in Phasen mit hoher Liquidität und günstiger allgemeinwirtschaftlicher Entwicklung bzw. Stimmungslage eine positive Wertentwicklung. Gegenwärtig wird Kunst als Investment somit eher riskanter.

Internationales Netzwerk

Wir bei steinbeis & häcker agieren der Struktur der uns anvertrauten Gelder nach als institutionell geprägter Asset Manager und bieten unseren (semi-)institutionellen Mandanten wie auch Privatkunden Zugang zu hochliquiden Qualitätswerten der Realwirtschaft. Eine Diversifikation in illiquide Anlagekategorien wie eben Kunst ist zur Erreichung der Anlageziele somit primär nicht erforderlich. Gleichwohl bedienen wir aus unserem internationalen Netzwerk heraus und im Sinne eines Family Offices gegebenenfalls auch den Wunsch nach Anlagemöglichkeiten im Kunstmarkt. Mit dem Kauf z.B. einer Bronzeskulptur erwirbt man immerhin mindestens den Materialwert verbunden mit der emotionalen Gratis-Dividende eines Wohlfühlfaktors.

It’s a people’s business

Mehr noch als andere Marktplätze gilt für den Kunstmarkt „it´s people´s business“ und die Lockdown-Maßnahmen treffen dieses Wirtschaftssegment mit besonderer Härte. Künstlern fehlt angesichts abgesagter Vernissagen und verschobener Ausstellungen der Zugang zu Sammlern bzw. Käufern und der Versuch der Galerien in die digitale, virtuelle Welt des Internets auszuweichen, erweist sich als nicht zielführend. Die Verfassung des Kunstmarkts weist traditionell sehr hohe Amplituden auf und war schon vor Ausbruch der Virus-Krise gestresst. Der sich abflachende Trend erreichte zunächst die internationalen Auktionshäuser und führte zu zweistelligen Umsatzeinbußen, insbesondere im Premiumsegment. Anschließend wird es wohl zu einer Marktbereinigung gerade unter noch nicht etablierten Galerien kommen. Eine V-förmige Erholung mit baldiger Rückkehr der Marktverfassung zum Status Quo im Zeitalter vor Corona gilt nicht als Basis-Szenario. Ähnlich wie in der Wertpapieranlage vermag Fokussierung auf unbedingte Qualität einen gewissen Risikoschutz zu bieten.

Kriterien der Preisfindung

Eine erste Indikation für die Preisfindung eines Kunstobjekts ergibt sich grundsätzlich u.a. aus der Qualität der Materialien und der Ausführung, inwieweit das Objekt als typisch für den Künstler anzusehen ist, als wegweisend für sein Gesamtwerk und letztlich in welchem Umfang es als maßgeblich für die Fortentwicklung der Kunstgeschichte einzustufen ist. Gab es prominente Vorbesitzer oder wurde das Werk im Rahmen wichtiger Ausstellungen gezeigt? Mit Vorsicht zu genießen sind demgegenüber Objekte, die auf verschiedenen Auktionen bereits wie Sauerbier angeboten wurden.

Kunst generiert keine laufenden Erträge

Ähnlich wie Gold und Edelmetalle generiert Kunst keine laufenden Erträge, es sei denn, man  stellt eine thematisch geschlossene Sammlung Museen gegen Entgelt zur Verfügung und partizipiert zusätzlich am damit einhergehenden Merchandising. Einen eher mittelbaren Weg unternehmen Kunst-Fonds im Vehikel eines Publikumsfonds. Die Anlegergelder werden bei diesen Konzepten in einen Sammlungsaufbau investiert, verbunden mit der Perspektive ein Museum oder einen dauerhaften Ausstellungsbetrieb als Abnehmer zu gewinnen. Die Renditechance liegt dann meist in einem potenziellen Paket-Aufschlag. Allerdings neigen derartige Fondskonzepte dazu mitunter als Rohrkrepierer zu enden. Uns scheint der Erwerb von Einzelobjekten somit praktikabler und wir stellen gerne entsprechende Kontakte zu Künstlern ausgewählter Gattungen her. 

Bleiben Sie nichtsdestotrotz optimistisch und gehen Sie doch mal wieder ins Museum!

Foto: steinbeis & häcker

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Einnahmen der Rentenversicherung trotz Corona gestiegen

Die Deutsche Rentenversicherung kommt nach eigenen Angaben finanziell bisher gut durch die Corona-Krise. In den ersten acht Monaten des laufenden Jahres seien die Beitragseinnahmen weiter leicht gestiegen, teilte ein Sprecher mit.

mehr ...

Immobilien

CDU-Generalsekretär dringt auf Verlängerung des Baukindergelds

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak hat sich für eine weitere Verlängerung des Baukindergeldes um neun Monate bis Ende 2021 ausgesprochen.

mehr ...

Investmentfonds

Kretschmann bezweifelt schnellen Siegeszug des E-Autos

Vielen geht die Wende hin zur Elektromobilität aus Klima-Gründen längst nicht schnell genug. Der Grünen-Politiker Kretschmann hat dagegen keine Eile. Ganz im Gegenteil

mehr ...

Berater

Adcada GmbH stellt Insolvenzantrag

Die Adcada GmbH aus Bentwisch (bei Rostock) hat Insolvenz angemeldet. Vorausgegangen waren unter anderem Auseinandersetzungen mit der Finanzaufsicht BaFin, die nun von Adcada für die Insolvenz mitverantwortlich gemacht wird. Das Unternehmen war auch in die Schlagzeilen geraten, weil es Anlegergeld zur Produktion von Corona-Schutzmasken einsammeln wollte.

mehr ...

Sachwertanlagen

AEW versilbert deutsches Büroimmobilien-Portfolio

Der Asset Manager AEW gibt die Vermittlung der Anteilscheine am AEW City Office Germany-Fonds an einen Fonds von Tristan Capital Partners, Curzon Capital Partners 5 LL, bekannt. Das Portfolio umfasst sieben Objekte mit insgesamt rund 83.000 Quadratmetern Mietfläche.

mehr ...

Recht

Scholz: Corona-Krise wird Staatsverschuldung auf 80 Prozent steigern

Durch die Corona-Krise wird die Staatsverschuldung der Bundesrepublik auf 80 Prozent steigen. Ähnlich hoch lag sie nach der Finanzkrise 2008/2009. Bundesfinanzminister Olaf Scholz hofft, in den kommenden Jahren die Staatsverschuldung dann wieder deutlich drücken zu können.

mehr ...