9. September 2020, 11:45
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Honorarberatung? Versicherungsmakler? Eine Standortbestimmung

Dürfen Versicherungsmakler gegenüber Privatkunden alternative Vergütungsmodelle nutzen? Diese Frage wurde noch vor einigen Jahren von der Mehrheit der Fachleute und Marktteilnehmer bis hin zu Aufsichtsbehörden und Verbänden deutlich mit “Nein!” beantwortet. Zum Frust vieler Makler. Gastbeitrag von Rechtsanwalt Norman Wirth

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Norman Wirth

Honorarberatung dürfen nur Versicherungsberater! Diese Mär ist immer wieder zu lesen. Bevor ich dazu komme, warum das eine Mär ist, lassen Sie mich aus einer anderen Richtung anfangen. Was ist denn überhaupt Honorarberatung? Ein Begriff, der nicht legal definiert ist und daher so unendlich viel Spielraum auch für Auslegungen und polemische Meinungsäußerungen lässt. Wie könnte man Honorarberatung aber definieren? Das, was ein Anwalt, Arzt oder Steuerberater macht, ist häufig Honorarberatung. Also die beratende Tätigkeit für den Kunden, gegen Vergütung durch den Kunden.

Lassen Sie uns aber – um nicht noch mehr zur Begriffsverwirrung um das Wort Honorarberatung beizutragen lieber von alternativen Vergütungsmodellen sprechen. Alternative wozu? Zur Courtage. Ja, vielleicht auch. Aber wir dürfen das wesentliche nicht vergessen – zur kostenlosen Tätigkeit. Zur Tätigkeit des Maklers also, die – häufig wie selbstverständlich – ohne adäquate Vergütung ausgeübt wird.

Aber dürfen Versicherungsmakler gegenüber Privatkunden überhaupt alternative Vergütungsmodelle nutzen? Diese Frage wurde noch vor einigen Jahren von der Mehrheit der Fachleute und Marktteilnehmer, bis hin zu Aufsichtsbehörden und Verbänden deutlich mit einem teilweise sogar aggressivem und dogmatischen “Nein!” beantwortet. Zum Frust vieler Makler, die nachfolgend beschriebene Situationen einfach nicht mehr hinnehmen wollten.

Klare gesetzliche Regelung in Bezug auf Nicht-Verbraucher

Jeder Makler kennt das doch: Der potenzielle Kunde lässt sich stundenlang beraten, mehrere Angebote ausdrucken und geht dann wieder, um im Internet abzuschließen. Oder: Der Kunde kommt und lässt erst einmal drei Ordner unsortierter Unterlagen da und erwartet, dass erst einmal alles sortiert und sich hier ein Überblick verschafft wird. Oder: Das Haus des Kunden brennt ab und sein Makler fühlt sich verpflichtet, tagelang auf der Brandstätte mit den Gutachtern zu stehen und im Sinne des Kunden mit ihnen zu diskutieren. Bekommt der Makler für diese Tätigkeiten üblicherweise eine angemessene Vergütung? Nein.

Aber eines auch noch vorab: Warum diskutieren wir hier diese Problematik nur in Bezug auf Privatkunden? Weil es bei der Frage in Bezug auf Nicht-Verbraucher eine klare gesetzliche Regelung gibt. In Paragraf 34 d Absatz 1 Satz 8 Gewerbeordnung (GewO) heißt es: “Die einem Versicherungsmakler erteilte Erlaubnis beinhaltet die Befugnis, Dritte, die nicht Verbraucher sind, bei der Vereinbarung, Änderung oder Prüfung von Versicherungsverträgen gegen gesondertes Entgelt rechtlich zu beraten … .”

Damit ist der Versicherungsmakler dem Versicherungsberater (Paragraf 34 d Absatz 2 GewO) in Bezug auf Gewerbekunden gleichgestellt. In dem Fall ist also keine Vermittlungsabsicht – geschweige denn ein Vermittlungserfolg – erforderlich. Ergibt sich daraus schon im Umkehrschluss, dass Versicherungsmakler für die Verbraucher nicht gegen Entgelt tätig sein dürfen? Hier gilt, dass der oben zitierte Paragraf 34 d Absatz 1 Satz 8 GewO als sogenannte Erlaubnisnorm formuliert ist. Er erweitert die Befugnisse der Makler. Ein Grundsatz der Art aber: “Was nicht erlaubt ist, ist verboten”, ist dem öffentlichen Recht fremd. Der Umkehrschluss kann insofern keinesfalls als logische Folge gezogen werden. Diese schlichte Wahrheit wird regelmäßig in den einschlägigen Diskussionen zu diesem Thema übersehen.

Seite zwei: Ist die Tätigkeit des Maklers erlaubt?

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1 Kommentar

  1. Danke an Norman Wirth für diesen sehr guten Beitrag. Seit 2015 abreite ich mit Honorarverträgen im Sachversicherungsbereich mit meinen Kunden zusammen und lasse mich direkt von meinen Kunden bezahlen. Dafür erhalten diese dann Nettopolicen. Es funktionier hervorragend, die Wertschätzung der Kunden gegenüber meiner Tätigkeit hat sich eindeutig erhöht und mein Modell wird auch von anderen Versicherungsmakler erfolgreich umgesetzt. Mit der Unterstützung von Honorarkonzept GmbH habe ich rechtlich saubere Vereinbarungen mit meinen Kunden und muß mich um die ganze Abwicklung nicht kümmern. Funktioniert richtig gut und ich kann nur jeden Makler empfehlen, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen.

    Kommentar von Holger Steiniger — 17. September 2020 @ 22:56

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