9. September 2020, 11:45
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Honorarberatung? Versicherungsmakler? Eine Standortbestimmung

Zu 2.: Der Gesetzgeber hat zur Frage der Vergütung von Versicherungsmaklern herzlich wenig abschließend geregelt.
Das ist aber auch gut so. Denn somit gilt: Es besteht umfassende Vertragsfreiheit zwischen Makler und Kunde. Auch mit der Umsetzung der IDD in deutschen Recht hat sich dazu nichts geändert. Im Gegenteil: Der Gesetzgeber ist gerade in letzter Minute nach großem Einsatz unter anderem des Maklerverbandes AfW davon abgerückt, ein sogenanntes Provisionsgebot einzuführen. Wäre das, wie ursprünglich geplant, gekommen, hätten Makler tatsächlich keine alternativen Vergütungsformen zur Courtage mehr praktizieren können.

Klaus-Peter Floßbach, Mitglied des Bundestages (CDU), sagt in der Abschlussdebatte im Bundestag bei der zweiten und dritten Lesung des IDD-Umsetzungsgesetzes: “Wir wollen Versicherungsmakler nicht zu Abhängigen machen. … Wir wollen in Zukunft die Honorarberatung stärken. Das geht ausschließlich über die Versicherungsmakler, und das haben wir jetzt mit dem Gesetzentwurf in der Ausschussfassung geregelt.” Das zielte ausschließlich darauf, dass das Provisionsgebot nicht eingeführt wurde, sondern es den Makler wie bisher frei bleiben soll, die Art der Vergütung zu wählen.

Tätigkeiten, die zulässig sind, weil sie nicht verboten sind oder sogar vom Gesetzgeber vorgeschrieben sind, kann sich ein Versicherungsmakler also vergüten lassen. Jede Tätigkeit! Das gilt uneingeschränkt, soweit diese Tätigkeit entweder im Zusammenhang mit dem Versuch und der Umsetzung steht, dem Kunden die Gelegenheit zum Abschluss eines Versicherungsvertrages zu bieten. Das gilt aber auch, soweit Handlungen, wie die Betreuung oder zulässige Hilfe im Schadensfall als Folge zu bereits vermittelten Verträgen erfolgen. Es gilt zudem auch unabhängig davon, ob die Vergütung als Erfolgshonorar oder unabhängig von einem Erfolg vereinbart.

Insofern hier einige Beispiele darüber, was aus meiner Sicht möglich ist:

– Stundenhonorar für Beratung (mit dem Ziel des Vertragsabschlusses)

– Quotenvereinbarung (zum Beispiel für den Nachweis gleichwertigen Versicherungsschutzes zu einem günstigeren Preis)

– Schadenbearbeitung (zum Beispiel über Stundenhonorar)

– Betreuungspauschale

– Vermittlungsvergütung für die Vermittlung von Direktversicherungen, Nettotarifen, Verträgen ohne und mit Courtagezusage

Der letzte Punkt ist sicherlich am strittigsten.

Immer schriftlich, immer transparent

Vergütungsvereinbarungen sind in Bezug auf Nettotarife für Verbraucher zulässig. Zur Gültigkeit von Honorarvereinbarungen in der Sparte Lebensversicherung gibt es bereits eine Reihe von BGH-Urteilen, welche die Zulässigkeit bestätigen. Beginnend im Jahr 2005 mit den “Atlanticlux”-Fällen, bis der BGH sogar für einen Versicherungsvertreter die Zulässigkeit einer gesonderten Vergütungsvereinbarung bei Vermittlung einer Nettopolice feststellte.

In den übrigen Fällen kann ein Versicherungsmakler selbstverständlich auch eine Vergütung für seine Tätigkeit verlangen. Hier gilt schon der Grundsatz der Privatautonomie und nirgends ist geregelt, dass sich ein Versicherungsmakler nicht für seine Tätigkeit bezahlen lassen darf. Paragraf 667 BGB ist aber ebenso zu beachten, wie die “Kick-Back”-Rechtsprechung des BGH. Wenn dem Kunden transparent offengelegt wird, in welcher Höhe und wofür der Makler Courtage bekommt und sich Kunde und Makler darüber einig sind, dass darüber hinaus auch eine Honorar des Kunden an den Makler gezahlt wird, steht dem grundsätzlich nichts entgegen.

Das Entscheidende ist, dass der Kunde keinen Anlass haben darf, später zu sagen “Wenn ich das gewusst hätte, dann wäre ich damit nicht einverstanden gewesen.” Der Einwand, dass mit der Courtage alle Tätigkeiten des Maklers abgegolten seien und damit keine Honorar mehr genommen werden darf, sollte in Zeiten sinkender Courtagesätze dringend hinterfragt werden. Mit einem klaren “Warum eigentlich?” Wie sind die angesprochenen Punkte umzusetzen? Immer schriftlich. Immer transparent.

Disclaimer: Einige Aussagen und Thesen in diesem Beitrag sind unter Fachleuten umstritten und betreffen rechtliche Grauzonen. Wer sich als Makler konkret mit der Umsetzung von hier gegebenen Anregungen befassen will, sollte sich unbedingt fachkundig beraten lassen. Um sich an das Thema der alternativen Vergütungsmodelle heranzutasten, eignet sich aber auf jeden Fall die Beschäftigung mit Servicepauschalen. Hierzu verweise ich gern bereits auf den Folgeartikel von Peter Süßengut, Spezialist für die Umsetzung solcher Modelle.

Autor Norman Wirth von der Kanzlei Wirth-Rechtsanwälte ist geschäftsführender Vorstand des AfW Bundesverband Finanzdienstleistung.

Foto: AfW

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1 Kommentar

  1. Danke an Norman Wirth für diesen sehr guten Beitrag. Seit 2015 abreite ich mit Honorarverträgen im Sachversicherungsbereich mit meinen Kunden zusammen und lasse mich direkt von meinen Kunden bezahlen. Dafür erhalten diese dann Nettopolicen. Es funktionier hervorragend, die Wertschätzung der Kunden gegenüber meiner Tätigkeit hat sich eindeutig erhöht und mein Modell wird auch von anderen Versicherungsmakler erfolgreich umgesetzt. Mit der Unterstützung von Honorarkonzept GmbH habe ich rechtlich saubere Vereinbarungen mit meinen Kunden und muß mich um die ganze Abwicklung nicht kümmern. Funktioniert richtig gut und ich kann nur jeden Makler empfehlen, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen.

    Kommentar von Holger Steiniger — 17. September 2020 @ 22:56

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