19. Juni 2020, 13:28
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

IW: Erbschaften reduzieren Vermögensunterschiede

Die Deutschen verschenken und vererben immer mehr Vermögen. Erben sind jedoch nicht nur reiche Familien, die dadurch immer vermögender werden. Im Gegenteil: Erbschaften wirken Vermögensunterschieden entgegen, zeigt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Erbe-Testament-Erbengemeinschaft in IW: Erbschaften reduzieren Vermögensunterschiede

Die Deutschen vererben schätzungsweise jährlich bis zu 400 Milliarden Euro – Tendenz steigend. Dabei müssen Erbschaften und Schenkungen bis zu einem bestimmten Freibetrag nicht versteuert werden, sie tauchen in der amtlichen Statistik nicht auf. Der Staat will damit Fällen gerecht werden, in denen Verwandte auf Erbschaften finanziell angewiesen sind, etwa wenn ein Haus an den Ehepartner des Verstorbenen übergeht. Kritiker monieren allerdings, dass die steuerliche Begünstigung die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinanderklaffen lässt, weil allein Vermögende durch Erbschaften reicher werden. Das ist jedoch ein Trugschluss, zeigt eine neue IW-Studie: Demnach gleichen Erbschaften Vermögensunterschiede in der Gesellschaft an.

Vermögen wandert von wenigen zu vielen

Das liegt vor allem an der Demografie: Häufig vererben wenige alte Menschen ihr Vermögen an mehrere Jüngere. Stirbt beispielsweise ein Großvater, erbt –  im einfachen Fall des Berliner Testaments – zunächst seine Frau sein Vermögen. Das können sowohl Bargeld, Bankguthaben und Aktien sein, aber auch Häuser, Autos und Grundstücke. Nach dem Tod der Großmutter fällt das Vermögen ihren Kindern und Enkeln zu, es verteilt sich also auf mehrere Haushalte. Obwohl die Deutschen in den vergangenen Jahren immer mehr geerbt haben, hat sich das Niveau der Vermögensungleichheit in Deutschland seit den 2000er Jahren nicht erhöht. Das zeigt der sogenannte Gini-Koeffizient, der beschreibt, wie gleich oder ungleich Vermögen verteilt sind. Ein Wert von 0 bedeutet, dass alle Deutschen gleich viel besitzen, ein höherer Wert steht für eine größere Ungleichheit. In Deutschland schwankt der Gini-Koeffizient der Nettovermögen der Haushalte, also der Vermögen abzüglich Schulden, in den Jahren 2010 bis 2017 zwischen 0,76 und 0,74 Punkten. Damit sind Vermögen im Vergleich zu Einkommen relativ ungleich verteilt. Das ist aber nicht ungewöhnlich, denn die Vermögensungleichheit fällt in anderen europäischen Ländern mit vergleichbaren wohlfahrtsstaatlichen Institutionen ähnlich aus.

Nicht nur Reiche erben 

Auch wenn Erbschaften und Vermögen allein betrachtet hierzulande relativ ungleich verteilt sind, so ergeben beide Verteilungen zusammengenommen ein gleichmäßigeres Verhältnis. Der Gini-Koeffizient reduziert sich durch Erbschaften im Jahr 2014 von 0,78 auf 0,76 Punkte. Was nach wenig klingt, bewirkt tatsächlich eine spürbare Veränderung in der Gesellschaft – die Ungleichheit nimmt ab. Ein weiterer Grund: In Deutschland erben längst nicht nur Reiche, sondern auch Familien mit keinem oder nur geringen Vermögen. Insgesamt sorgen Erbschaften dafür, dass sich die Vermögenskonzentration angleicht. “Diesen Effekt beobachten wir nicht nur in Deutschland”, sagt Studienautor Maximilian Stockhausen. “Auch in anderen europäischen Ländern wie Österreich, Portugal oder Frankreich sorgen Erbschaften für eine gleichmäßigere Verteilung der Vermögen.”

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



 

Versicherungen

MLP: Gesamterlöse steigen deutlich

Trotz der erwarteten negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf einzelne Geschäftsfelder konnte die MLP Gruppe ihren Wachstumstrend der vergangenen Quartale fortsetzen und hat die Gesamterlöse im ersten Halbjahr 2020 um 9 Prozent auf den Höchstwert von 359,0 Mio. Euro gesteigert.

mehr ...

Immobilien

ZIA begrüßt e-Wertpapiere, will aber mehr

Der Zentrale Immobilien Ausschuss ZIA, Spitzenverband der Immobilienwirtschaft, bewertet den kürzlich vorgelegten Gesetzentwurf zur Ein­füh­rung von elek­tro­ni­schen Wert­pa­pie­ren als einen “Meilenstein auf dem Weg hin zum digitalen Kapitalmarkt”. Doch der Verband hofft auf einen weiteren Schritt.

mehr ...

Investmentfonds

ifo Institut: Firmen erwarten normale Geschäftslage erst in 11 Monaten

Die deutschen Unternehmen erwarten erst in durchschnittlich 11,0 Monaten eine Normalisierung ihrer eigenen Geschäftslage. Das ist das Ergebnis der aktuellen ifo Konjunkturumfrage vom Juli.

mehr ...

Berater

Insolvenzen: Das dicke Ende kommt mit Sicherheit

Die durch die Corona-Pandemie verursachten Wachstumseinbrüche im 2.Quartal waren ohne Zweifel dramatisch. Allerdings zeigt sich in den Konjunkturdaten sowie in den nunmehr akribisch verfolgten täglichen und wöchentlichen Echtzeitindikatoren, dass die meisten Länder den Weg aus der Talsohle bereits im Mai wieder eingeschlagen haben. Also alles wieder gut? Ein Kommentar von Stefan Schneider vom Deutsche Bank Research Management.

mehr ...

Sachwertanlagen

Fondsbörse sieht Zweitmarkt “zwischen Corona-Sorgen und Optimismus”

Die Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG verzeichnete im Juli-Handel im Vergleich zu den Vorjahren eine leicht unterdurchschnittliche Handelstätigkeit bei etwas ermäßigten Kursen. Jedoch zeichne sich im Vergleich zu den Corona-geprägten Vormonaten eine leichte Erholung ab.

mehr ...

Recht

Banken profitieren von steigender Zinsmarge bei Wohnimmobilienkrediten

Wo sich noch ein freies Grundstück (in Ballungszentren) findet, wird gebaut und die eigenen vier Wände gelten als sicherer Rückzugsort – insbesondere für das eigene Geld. Von dieser Entwicklung profitieren insbesondere Banken bzw. Baufinanzierer.

mehr ...