14. August 2020, 06:21
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Norbert Porazik: “Wir mussten corona-bedingt einiges bewerkstelligen”

Cash.-Interview mit Norbert Porazik, geschäftsführender Gesellschafter der Fonds Finanz, über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das laufende Geschäft, die Hängepartien bei den angekündigten Regulierungsvorhaben und hybride Messekonzepte.

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Norbert Porazik

Sie konnten die Provisionserlöse 2019 auf 175 Millionen Euro steigern. Mit welchen Gedanken blicken Sie auf das abgelaufene Geschäftsjahr zurück?

Porazik: Insgesamt blicken wir sehr positiv auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2019 zurück. Wir konnten unseren Umsatz und Gewinn im Vergleich zum Vorjahr weiter steigern. Diese Entwicklung freut uns vor allem, da sie uns in unseren getätigten Investitionen bestärkt. Sei es in neue Technologien oder Personal – damit denken und handeln wir langfristig und nachhaltig. Als Marktführer hat die Fonds Finanz eine besondere Verantwortung, vor allem wenn es in der aktuellen Lage mehr denn je um das Thema Digitalisierung geht. Deshalb knüpfen wir weiterhin an dieser Stelle mit entsprechenden Maßnahmen an, um auf unserem Weg konsequent die nächsten Schritte zu gehen.

Wie sind Sie in das Geschäftsjahr 2020 gestartet? Wie hat sich die Corona-Pandemie bisher auf Ihr Geschäft ausgewirkt?

Porazik: Wir sind sehr positiv und optimistisch in das neue Geschäftsjahr 2020 gestartet und bleiben das auch in Zukunft. Aber natürlich hat auch die Fonds Finanz corona-bedingt einiges bewerkstelligen müssen. So haben wir unsere beiden Messen nicht einfach abgesagt, sondern dieses Jahr vorerst auf ein digitales Format umgestellt. Die Hauptstadtmesse digital mit den Star-Rednern Christian Lindner und Dirk Müller findet nun online an fünf Tagen im September statt. Unseren angebundenen Partnern haben wir mit “Bridge” kostenfrei eine professionelle Beratungssoftware zur Verfügung gestellt. Das wird sehr gut angenommen. Auch die Makler, die vor der Pandemie noch zu den Digitalisierungs-Skeptikern gehörten, haben zum Großteil Gefallen an digitalen Vertragsabschlüssen und den Vorteilen online-geführter Kundentermine gefunden. Darüber hinaus haben wir die Funktionsfähigkeit aller Services, Dienstleistungen und IT-Systeme selbst bei einer kompletten Verlagerung ins Homeoffice sichergestellt und waren so für unsere Makler wie gewohnt als Ansprechpartner verfügbar. Wie und ob sich die Pandemie noch auf unser Geschäft auswirken könnte, bleibt abzuwarten. Aktuell läuft unser Geschäft allerdings in nahezu allen Sparten sehr positiv und stabil weiter, so dass ich trotz einer kleinen Corona-Delle im Frühjahr für 2020 insgesamt mit einem weiteren Rekordjahr rechne.

Laut einer aktuellen AfW-Umfrage erwarten die Vermittler corona-bedingt im Durchschnitt einen Rückgang ihres Provisionsumsatzes um 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Erhalten Sie ähnliche Rückmeldungen von Ihren angebundenen Maklern?

Porazik: Wir denken es ist noch zu früh, um die Entwicklung der Provisionsumsätze der Makler bis zum Ende des Jahres wirklich einschätzen zu können. Solche Prognosen sind grundsätzlich für die aktuelle Markteinschätzung wichtig, jedoch hat uns die Dynamik der vergangenen Monate gezeigt, dass sich die Dinge auch besser als prognostiziert entwickeln können. Wie bereits erwähnt, gehen wir für die Fonds Finanz derzeit für das laufende Jahr von einem Umsatzplus aus. Vielmehr haben wir von unseren Maklern mitbekommen, dass sich viele erst an die neuen Bedingungen anpassen und sich mit neuen Themen befassen mussten, um beispielsweise die digitale Kundenberatung umzusetzen. So hat der AfW-Vorstand Frank Rottenbacher jüngst erklärt, dass viele Vermittler ihre Prozesse in einem bewundernswerten Tempo an die Corona-Wirklichkeit angepasst haben. Mit Blick auf unsere Makler teilen wir diese Meinung uneingeschränkt und bieten als Maklerpool das nötige Rüstzeug dafür an.

Ein weiteres wichtiges Thema neben der Pandemie bleibt die Regulierung. In der Großen Koalition wird weiter über den Provisionsdeckel in der Lebensversicherung gestritten. Die SPD will ihn unbedingt einführen, die Union lehnt ihn ab. Rechnen Sie noch mit einer Deckelung oder glauben Sie, dass sich das Thema erledigt hat?

Porazik: Nein, wir rechnen mit keiner Deckelung. An unserer grundlegenden Haltung zu dem Thema hat sich nichts geändert: Rechtsgutachten von Professor Schwintowski und Herrn Papier legen eindeutig dar, dass ein Provisionsdeckel nicht nur verfassungs-, sondern sogar europarechtswidrig wäre. Schon aus diesem Grund gehen wir davon aus, dass der Deckel nicht beschlossen wird und damit auch keine Auswirkungen auf das Geschäft von Vermittlern haben wird. Hinzu kommt, dass das Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) seinen Sinn und Zweck erfüllt und die vom Gesetzgeber angestrebte Wirkung zeigt. Die Versicherer haben die Abschlusskosten flächendeckend gesenkt. Sie haben die Abschlussprovisionen reduziert und teilweise die Stornohaftungszeit verlängert. Manche Versicherer haben anstelle der vordiskontierten Abschlussprovisionen eine laufende Vergütung für Vermittler eingeführt. Damit wurden die Kosten im Sinne der Verbraucher gesenkt, weshalb keine “Nachbesserung” notwendig ist, schon gar keine so drastische wie in Form eines Provisionsdeckels. Für den sehr unwahrscheinlichen Fall, dass der Deckel dennoch beschlossen werden sollte, hätte er in seiner aktuellen Ausgestaltung für diejenigen Vermittler, die qualitativ hochwertig beraten, nur geringe Auswirkungen. Erfüllen sie die noch zu definierenden Qualitätskriterien, erhalten sie auf die grundlegenden 25 Promille noch bis zu 15 Promille oben drauf und erreichen damit ähnliche Größenordnungen wie heute – wobei der bürokratische Aufwand hinsichtlich der Abwicklung sicherlich deutlich zunehmen würde. Wichtig ist vor allem, dass sich der Deckel nur auf einen Teil des LV-Geschäftes auswirkt, nämlich auf das Altersvorsorgegeschäft. Biometrische Risiken wie BU oder Risiko-LV sind nicht betroffen. Das bedeutet auch, wenn Vermittler grundsätzlich breit aufgestellt sind, sind sie weniger angreifbar im Falle von Regulierungen und auch generelle Risiken, wie etwaige finanzielle Ausfälle, können durch andere Segmente und Sparten gut kompensiert werden.

Seite zwei: “Keinerlei Probleme oder Schadensfälle bekannt” 

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