7. Juli 2020, 10:58
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Weiterbildung in Zeiten von Covid-19

Die Corona-Pandemie hat das Interesse der Versicherungsvermittler an der Nutzung der Möglichkeiten digitaler Weiterbildung gesteigert, um so sicherzustellen, dass das gesetzliche Pflichtsoll von mindestens 15 Stunden Weiterbildungszeit pro Jahr erfüllt wird. Doch nicht jedes Webinar erfüllt die Voraussetzungen, die für eine Anrechenbarkeit im Rahmen der gesetzlichen Weiterbildungspflicht gefordert sind. Gastbeitrag von Rechtsanwalt Jürgen Evers

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Jürgen Evers

Um nicht am Ende des Jahres überraschend ohne ausreichende Weiterbildungszeit dazustehen, sollten Vermittler darauf achten, nur für die Anrechnung geeignete Weiterbildungsmaßnahmen in Anspruch zu nehmen. Zwar hat die Versicherungsvermittler-Verordnung (VersVermV) klar formuliert, welche Anforderungen an eine Weiterbildung zu stellen sind. Dennoch sorgt nicht zuletzt der dezentrale Entscheidungsprozess der jeweiligen IHK-Standorte für einige Unsicherheit.

Nach Paragraf 7 VersVermV muss die Weiterbildung mindestens den Anforderungen der ausgeübten Tätigkeit des zur Weiterbildung Verpflichteten entsprechen. Dabei muss die Aufrechterhaltung der Fachkompetenz und der personalen Kompetenz gewährleistet werden. Zwar kann dies erst einmal weit gefasst werden, bedeutet tatsächlich aber bereits einen Ausschluss einiger als Weiterbildung gekennzeichneter Schulungen und Webinare – denn zum Beispiel werblich gestaltete Produktvorstellungen eines Versicherers gelten in der Regel nicht als für die Anrechenbarkeit geeignet. Diese Auffassung teilt auch die Brancheninitiative “gut beraten”, die eigene standardisierte Anforderungen an Weiterbildungen in der Versicherungsvermittlung formuliert hat.

Die gesetzlichen Anforderungen betreffen insbesondere die Durchführenden der Weiterbildungsmaßnahme. Werden sie nicht befolgt, kann dem Vermittler dies im Nachhinein teuer zu stehen kommen. Denn wird die Maßnahme von der zuständigen IHK nicht anerkannt, fehlt ihm im Zweifel die nötige Weiterbildungszeit am Ende des Jahres. Vermittler sind daher darauf angewiesen, dass sie nicht wertvolle Weiterbildungszeiten in Fortbildungen investieren, die dann doch die nötigen Voraussetzungen nicht erfüllen.

Die Weiterbildungsmaßnahme sollte mit zeitlichem Vorlauf zur Durchführung geplant und konzipiert sein. Dabei sollte dem potenziellen Teilnehmer eine nachvollziehbare Beschreibung und ein die Durchführung stützender Ablaufplan zur Verfügung gestellt werden. Vermittler sollten darauf achten, dass sie diese Informationen vorab zum Beispiel in Form einer Einladung erhalten. Die Beschreibung muss die während der Maßnahme erlernbaren Kompetenzen und den zeitlichen Umfang enthalten. Zudem muss der Bildungsdienstleister über die nötige Fachkompetenz verfügen und systematisch die Einhaltung der Vorgaben sicherstellen. Dies gilt auch für den Nachweis über die Anwesenheit der Teilnehmenden, was bei Online-Schulungen und Webinaren durchaus problematisch sein kann.

An den Standards von “gut beraten” orientieren

Generell gilt nach Paragraf 7 VersVermV, dass auch Weiterbildung im Selbststudium, also selbstgesteuertes Lernen, Blended Learning oder e-Learning, d.h. auch Online-Schulungen und Webinare, möglich und anrechenbar sind. Da die Anwesenheit hierbei jedoch nur mit erheblichem Aufwand einwandfrei sichergestellt werden kann, zum Beispiel durch Webcam-Tracking, also die “Überwachung” der Anwesenheit über die Nutzer-Webcam, räumt der Gesetzgeber den Durchführenden daneben auch andere Möglichkeiten zum Nachweis über die erfolgreiche Teilnahme an der Weiterbildungsmaßnahme ein. In Betracht kommt vor allem eine Lernerfolgskontrolle in Form einer qualitativen Prüfung der Schulungsinhalte.

Als Weiterbildungsanbieter ist es dabei sinnvoll, sich an den Standards der Brancheninitiative “gut beraten” zu orientieren. Bei Webinaren über ein Online-Konferenztool ist danach, analog zur Präsenzveranstaltung, dafür zu sorgen, dass die angemeldeten Teilnehmer für die Dauer der gesamten Veranstaltung selbst anwesend sind. Dies kann mittels einer technischen Lösung oder über die didaktische Gestaltung der Maßnahme geschehen (zum Beispiel den Einbau geeigneter Lernerfolgskontrollen). Die Dauer der Prüfung darf nach den Standards von “gut beraten” der Weiterbildungszeit zugeordnet und damit angerechnet werden. Der Nachweis der Lernerfolgskontrolle gilt als Dokumentationsform der Durchführung und Teilnahme an der Bildungsmaßnahme.

Seite zwei: Wann eine Lernerfolgskontrolle notwendig ist

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1 Kommentar

  1. Hallo Herr Evers,
    Sie weisen sehr richtig darauf hin, dass Vermittler das Risiko tragen, falls Weiterbildungseinheiten bei einer Prüfung durch die IHK nicht angerechnet werden sollten. Dummerweise gibt es aktuell keine “Zertifizierung” die dieses Problem heilt. Die Zertifizierung durch “gut beraten” bezieht sich auch eher auf insgesamt sinnvolle Weiterbildungen. Damit werden derzeit nach “gut beraten” Maßnahmen bewertet, von denen diverse IHKs meinen, dass diese nach IDD NICHT bewertet werden können.
    Damit gibt es für Teilnehmer nur eine Option: es sollte beim Anbieter einer Bildungsmaßnahme verbindlich erfragt werden, ob die IDD-Regelungen eigenhalten werden. Es schadet auch nichts, wenn der Anbieter Bildungsprofi ist und die Branche intensiv kennt. Bei allen anderen Anbietern ist dann Vorsicht geboten.
    Viele Grüße!

    Kommentar von Dr. Wolfgang Kuckertz — 9. Juli 2020 @ 16:15

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