14. September 2020, 14:22
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Weiterbildung: Keine strukturierte Planung

Ein Lob, das möglicherweise zu pauschal ausfällt. Dr. Wolfgang Kuckertz, Vorstand der Going Public Akademie für Finanzberatung, ist jedenfalls zurückhaltender in seiner Einschätzung. “Es gab Vermittler und auch ganze Vertriebe, die bewusst in den letzten Monaten die Weiterbildungspflicht für das laufende Jahr erfüllt haben. Einige haben auch gezielt Lehrgänge absolviert, um Qualifikationen zu erhalten, die schon lange auf der Wunschliste standen. Da es aber auch Vermittler gab, die in der Corona-Phase einen Anstieg der Arbeit zu verzeichnen hatten, zum Teil sogar verbunden mit einem Geschäftsanstieg, ergab sich bei diesen Personen eher eine Verschiebung der Weiterbildung in die zweite Jahreshälfte”, sagt er. Andere wiederum warten laut Kuckertz auf das Wiederanlaufen von Präsenzveranstaltungen. Das Bild sei “extrem uneinheitlich”. Nicht alle Makler scheinen also die Zeit des Lockdowns optimal genutzt zu haben.

Das Verschieben der für eine fundierte Kundenbetreuung unabdingbaren Weiterbildung in die zweite Jahreshälfte ist allerdings kein reines “Corona-Phänomen”. Schon vor der Pandemie war es bei vielen Vermittlern üblich, Weiterbildungsverpflichtungen zu einem Großteil erst ab Mitte November zu absolvieren, wo sie dann mit dem anstehenden Jahresendgeschäft kollidieren. Man könnte das als Indiz dafür werten, dass Weiterbildung noch immer zu sehr als “notwendiges Übel” angesehen wird, das man bis auf den letzten möglichen Termin aufschiebt.

So möchte Kuckertz das aber nicht verstanden wissen: „Das liegt an dem klassischen Konflikt zwischen Aufgaben, die dringend sind und Aufgaben, die wichtig sind. Weiterbildung ist stets wichtig, wird aber erst zum Jahresende dringend. Andere Aufgaben wie Schadensmeldungen oder Kundenanfragen müssen ganzjährig ganz oben auf der To-do-Liste stehen und verdrängen damit andere Tätigkeiten aus dem kurzfristigen Fokus.“ Deshalb sei es gut, dass es Weiterbildung im letzten Quartal ebenfalls in den oberen Bereich der Aufgabenliste schafft und dann auch wirklich angegangen wird. “Insofern werten wir das nicht als ein Zeichen dafür, dass Weiterbildung den Vermittlern nicht wichtig wäre”, so Kuckertz. Womit er hoffentlich recht hat.

“Nur allzu menschlich”

Beim Petersmann Institut, einem Berater-Verbund aus dem hessischen Bensheim, sieht man noch einen weiteren Grund für die oft allzu späte Inangriffnahme der Weiterbildung: Es sei nur allzu menschlich, dass als unangenehm empfundene Themen aufgeschoben werden, erklärt Gründer und Geschäftsführer Hartmut Petersmann. “Der Branche sind ja ohnehin die Themen, die man früher als Jahresendgeschäft bezeichnet hat, ausgegangen. Es ist wohl eher so, dass die weniger strukturierten Kollegen erst gegen Jahresende aufwachen, um ihr Jahresergebnis zu retten”, sagt er.

Bei Muster-Marktteilnehmern erfolge eine strukturierte Planung aller Ziele und Erfordernisse pro Quartal – so auch bei der Weiterbildung. “Unseres Erachtens geht es also eher um das Strukturieren, was für eine gewisse Qualität spricht, als um das Aufschieben des notwendigen Übels.” Wobei sich trefflich darüber streiten lässt, ob die Tatsache, dass viele Vermittler offenbar keine strukturierte Planung vornehmen, tatsächlich die bessere Nachricht ist. (kb)

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Cash. Ausgabe 10/2020, die am 17. September erscheint.

Foto: Going Public

Weiter lesen: 1 2

1 Kommentar

  1. Schon lustig. Weiterbildung immer und überall, fast täglich ist eine Grundlage unseres Berufes. Ein Witz, das dies nun mit Mindestanforderungen nachgewiesen werden muss. Aber was soll’s, tun wir halt unsere Pflicht 😉

    Kommentar von Nils Fischer — 15. September 2020 @ 18:27

Ihre Meinung



 

Versicherungen

11 Webinare für Ihren digitalen Vertriebserfolg

Vom 28.9. bis 2.10. 2020 veranstaltet Cash. die Digital Week. In 11 Webinaren geht es um die richtige Digital-Strategie, um so die Chance für Makler und Vermittler auf mehr Umsatz zu erhöhen. Melden Sie sich an und nutzen Sie diesen Mehrwert für Ihre vertriebliche Praxis.

mehr ...

Immobilien

Immobilienpreise in Stadionnähe im Vergleich

Ab heute rollt der Ball wieder über den grünen Rasen: Die Bundesliga startet Corona-bedingt verzögert – statt wie geplant schon im August. Immoscout24 hat hierfür die Kauf- und Mietpreise der Wohnungen rund um die Fußball-Stadien von Berlin, Bremen, Hamburg und Leipzig untersucht.

mehr ...

Investmentfonds

Auf die nächste Volatilitätswelle am Anleihemarkt vorbereiten?

Die Anleihenmärkte haben sich in jüngster Zeit positiv entwickelt, wobei sich die Renditen im Juli in Richtung eines Allzeittiefs bewegten und in einigen Fällen sogar historische Tiefststände erreichten. „Dennoch sind wir der Ansicht, dass trotz des unsicheren Marktumfelds weitere Gewinne möglich sind“, sagt Nick Hayes, Head of Total Return & Fixed Income Asset Allocation bei Axa Investment Managers. Die Anleihemärkte dürften weiteren Rückenwind erfahren, da die Zentralbanken beispiellose Stimuli setzen.

mehr ...

Berater

Bundestag beschließt Verlängerung für Anleger-Musterverfahrensgesetz

Der Bundestag hat eine verlängerte Gültigkeit des Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetzes zum Schutz von Aktionären und Anlegern beschlossen. Das Gesetz gilt nun bis zum 31. Dezember 2023.

mehr ...

Sachwertanlagen

Lutz Kohl wechselt in die Geschäftsführung der HKA 

Mit Wirkung vom 9. September 2020 wurde Lutz Kohl (54) zum Mitglied der Geschäftsführung der HKA Hanseatische Kapitalverwaltung GmbH berufen, der KVG der Immac. Mit seiner Bestellung wird das Führungsteam der HKA um Geschäftsführer Tim Ruttmann planmäßig erweitert.

mehr ...

Recht

Fondsbranche weist BaFin-Kritik zurück

Der deutsche Fondsverband BVI weist die Kritikder BaFin an den Fondsanbietern entschieden zurück, dass die Umsetzung der neuen Liquiditätswerkzeuge (Rücknahmegrenzen, Swing Pricing, Rücknahmefristen)bei ihnen in den Hintergrund gerückt sei, je weiter die Kursturbulenzen im März zurückliegen.

mehr ...