Anzeige
Anzeige
21. Dezember 2005, 00:00
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Euro-Gruppe vor dem Aus?

Die Würzburger Euro-Gruppe hat für alle Firmen Eigenantrag auf Insolvenz angemeldet. Zur Euro-Gruppe zählen unter anderem die Unternehmen GOJ AG, Euro-Pool AG, IBEKA AG, Schober AG, Lenz AG, Knothe AG, Schuster-Schreiber AG und die BIALEK AG sowie die AVB. Letztere war die Vertriebsgesellschaft der Euro-Gruppe. Die AVB hatte bereits am 16.11.2005 einen Insolvenzantrag gestellt, am 09.12.2005 folgte der Insolvenzantrag der IBEKA.

“Etwa 40.000 Anleger sind betroffen, die sich mit langjährigen Verträgen in Form von Einmalanlagen und Sparplänen bei den Euro-Gruppen-Gesellschhaften engagiert haben. Es ist zu befürchten, dass Verluste im dreistelligen Millionenbereich drohen”, so Rechtsanwalt Matthias Gröpper von der Tübinger Kanzlei Dr. Steinhübel & von Buttlar gegenüber cash-online. Derzeit prüfen Sachverständige die Vermögenslage der betroffenen Unternehmen, das nach Einschätzing des Insolvenzverwalters Frank Hanselmann allerdings noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird.

Die Euro-Gruppe war seit dem Beginn ihrer Geschäftstätigkeit – Mitte der 1990er Jahre ? höchst umstritten. Sie sammelte in großem Stil atypisch stille Beteiligungen überwiegend bei Kleinsparern (ab 25 Euro pro Monat) ein, für die solche unternehmerischen Beteiligungen als generell nicht geeignet eingestuft werden. Die Verträge haben Laufzeiten von bis zu 30 Jahren. Die einzelnen Gesellschaften sind undurchsichtige Blind Pools, die unter anderem in Immobilien und Unternehmensbeteiligungen investieren sollten.

Zudem zählte zu den Initiatoren und Hintermännern der Gruppe Franz Klaffenböck. Er hatte bereits Anfang der 1990er Jahre mit der WAG Würzburger Aktiengesellschaft, Würzburg, und einem nahezu identischen Modell geschätzte 150 Millionen Mark Anlegergeld vernichtet und war zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Marktkenner schätzen, dass die Euro-Gruppe dennoch mindestens 400 Millionen Euro Zeichnungskapital eingeworben hat, von dem um die 100 Millionen Euro bereits eingezahlt wurden. Das Geld ist vermutlich komplett verloren. Schlimmer noch: Den Ratenzahlern droht, dass sie trotz der Insolvenz weiter in die Insolvenzmasse einzahlen müssen. Einmalzahler müssen unter Umständen die Ausschüttungen (Entnahmen) zurückzahlen, sofern diese nicht durch Gewinne gedeckt waren.

Dass nennenswerte Gewinne entstanden sind, ist unwahrscheinlich. Bei solchen Modellen wird – vor allem in der Startphase – ein Großteil des Anlegergelds für Vertriebskosten verwendet, weil die Provisionen auf die Zeichnungssumme berechnet und sofort ausgezahlt werden, die Einlagen aber erst ratierlich eingehen. Der von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Bonn, genehmigte (!) und noch im Herbst 2005 eingesetzte Prospekt der Goj II Immobilienhandel AG etwa sieht vor, dass den Einzahlungen von 2004 bis 2007 ? also vier Jahre lang – in nahezu exakt gleicher Höhe Vermittlungsprovisionen gegenüber stehen.

Dennoch ist noch unklar, wie es zu den Insolvenzen kommen konnte. Denn allein aus den bestehenden Beteiligungsverträgen dürfte der Gruppe monatlich ein siebenstelliger Betrag an Ratenzahlungen zugeflossen sein.

Anzeige

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 6/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Berufsunfähigkeitsversicherung –Investitionen am Zweitmarkt –Personalplanung – Zweitmarkt

+ Heft im Heft: Cash.Special Investmentfonds

Ab dem 26. Mai im Handel erhältlich.

Cash.Special 1/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Best Ager – Rentenversicherungen – Riester-Rente – betriebliche Krankenversicherung


Ab dem 18. Mai im Handel erhältlich.

Versicherungen

Verdi will Warnstreiks

Vor der dritten Tarifrunde für die private Versicherungsbranche hat die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten auch in Niedersachsen und Bremen zu Warnstreiks aufgerufen. Damit will die Gewerkschaft am Dienstag den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen.

mehr ...

Immobilien

Risikomanagement bei Immobilienprojekten: Verband fordert einheitliche Standards

Der Bau-Monitoring-Verband (BMeV) fordert einheitliche nationale Standards beim Risikomanagement in der Projektfinanzierung. Dies könne einem deutlichen Anstieg der Kosten für Immobilienprojekte entgegen wirken.

mehr ...

Investmentfonds

Weitere Kürzung der Ölfördermengen spielt Putin in die Karten

Die Opec hat entschieden, ihre Kürzungen bei den Ölförderungen auszuweiten. David Donora, Leiter des Rohstoffbereiches bei Columbia Threadneedle Investments, sieht darin unter anderem einen Vorteil für das Nicht-Mitglied Russland.

mehr ...

Berater

Mehr Durchblick bei vermögensverwaltenden Fonds

Die MMD Multi Manager GmbH hat sich seit Jahren den Themen Transparenz und Vergleichbarkeit für Vermögensverwaltende (VV) Produkte verschrieben. Die MMD-Indexfamilie wird mit Hilfe des IT-Dienstleisters Cleversoft erweitert und vertieft.

mehr ...

Sachwertanlagen

Qatar und Saudi Arabien gehen bei Hapag-Lloyd an Bord

Die Reederei Hapag-Lloyd meldet den Vollzug der im Juli 2016 vereinbarten Fusion mit der arabischen Reederei UASC. Damit ändert sich auch die Aktionärsstruktur des Hamburger Traditionsunternehmens signifikant.

mehr ...

Recht

Kfz-Schadenregulierung: Vorsicht bei Verjährung

Wer Leistungen gegen einen Kfz-Haftpflichtversicherer geltend macht, sollte berücksichtigen, dass eine Verjährungsfrist von drei Jahren gilt. In einem aktuellen Urteil verlor ein Kläger vor dem Bundesgerichtshof, der sich mit der Verjährung verkalkuliert hatte.

mehr ...