14. Juli 2005, 00:00
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

IDW S 4: Überarbeitung abgeschlossen

Das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW), Düsseldorf, will unter dem Kürzel IDW ES 4 in Kürze einen Entwurf seines überarbeiteten Prospektierungsstandards IDW S 4 auf seinen Internetseiten veröffentlichen (www.idw.de). Bis Ende des Jahres hat die Fachwelt dann Zeit, Erfahrungen damit zu sammeln und Kommentare sowie Stellungnahmen beim IDW abzugeben. Anfang 2006, so Dr. Gerhard Gross, Mitglied des geschäftsführenden IDW-Vorstandes, gegenüber cash-online, soll der Standard dann unter Berücksichtigung des Feedbacks aus der Branche zum endgültigen IDW S 4 werden.

Formal löst das IDW das Problem der Anpassung von S 4 und Vermögensanlagen-Verkaufsprospektverordnung (VermVerkPropV), indem zunächst in Anlage 1 des IDW die Verordnung komplett übernommen wurde. Ergänzend hat das IDW in einem zweiten Schritt einzelne Paragrafen kommentiert und gegebenenfalls zusätzlich erläutert. ?Die Anlage 1 bildet künftig die Richtschnur für Emittenten bei der Prospektierung?, so Gross.

Die wesentlichen Neuerungen im Einzelnen: Die Risiken einer Anlage sollen wie erwartet künftig nicht mehr gemeinsam mit deren Chancen aufgeführt werden. Vorgesehen ist vielmehr eine Darstellung der Risiken in einem separaten Abschnitt unmittelbar im Anschluss an die erste Objektdarstellung (?Angebot in Kürze?).

Darüber hinaus entfällt die bisherige Gewichtung der Risiken. An ihre Stelle tritt eine Kategorisierung in drei Gruppen mit steigendem Risikopotenzial (?Prognoserisiko?, ?Anlagerisiko?, ?Anlegerisiko?). Hinzu kommt eine Darstellung des maximalen Risikos.

Ebenfalls wichtig: Die Modifikation in der Darstellung der Weichkosten. Dieser Begriff wird im kommenden IDW ES 4 nicht verwandt. Zur Klarheit erfordert der Standard vielmehr eine detaillierte Aufschlüsselung der Investitionskosten sowie insbesondere der Provisionen, die im Zusammenhang mit dem Anlageprojekt fließen.

Schließlich äußern sich die Wirtschaftsprüfer zu ihrer Ansicht über die Renditeberechnung nach der vieldiskutierten Methode des internen Zinsfusses (IRR). ?Die IRR-Methode ist ein betriebswirtschaftlich gültiges Verfahren, das sich nach unserer Ansicht jedoch lediglich zum Vergleich sehr ähnlicher Vermögensanlagen und vor allem zur Verwendung in Fachkreisen eignet?, sagt IDW-Mann Gross.

Laut IDW ES 4 sollte die Verwendung der IRR-Rendite im Prospekt daher künftig nur noch außerhalb der werblichen Darstellung sowie außerhalb der Vorabdarstellung der Anlageofferte eingesetzt werden. Eine Anwendungs-möglichkeit bietet sich etwa innerhalb der Sensitivitätsanalyse.

Hintergrund: Anlass für die Überarbeitung der IDW-Prospektierungsvorgabe war das Anlegerschutz-verbesserungsgesetz (AnSVG) im vergangenen Jahr und die daran geknüpfte VermVerkPropV. Laut AnSVG gilt seit 1. Juli 2005 für sämtliche geschlossenen Fonds in Deutschland eine Prospektierungspflicht.

Die Offerten dürfen zudem erst in den Vertrieb gehen, wenn dies von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gestattet wurde. Die IDW S 4-Überarbeitung war nötig geworden, weil die laut VermVerkPropV für die BaFin-Prüfung erforderlichen Prospektinhalte von den bisherigen IDW S 4-Vorgaben abwichen.

Generell gilt: Die Wirtschaftsprüfer beurteilen bei ihrer Prospektprüfung gemäß IDW S 4 die Richtigkeit von Tatsachen und Rechenoperationen, technischen und rechtlichen Angaben, Annahmen und Schätzungen, Folgerungen, Prognosen und wertenden Aussagen. Ebenso werden wesentliche Vertragspartner beurteilt.

Die BaFin unterzieht die ihr vorgelegten Emissionsprospekte dagegen lediglich einem formalen Check und stellt die wirtschaftliche Qualität des Beteiligungsangebotes oder die Sinnhaftigkeit der darin enthaltenen Annahmen und Prognosen nicht in Frage.

Informationsveranstaltungen der WP-Akademie, Düsseldorf, mit dem Thema “Aktuelles bei der Prospektbegutachtung – der neue IDW ES 4” findet am 26. August in Hamburg und zu einem noch nicht festgesetzten Termin in München statt.

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Thomas-Cook-Kunden sollen Ansprüche beim Insolvenzverwalter anmelden

Das Justizministerium hat Pauschalreise-Kunden der insolventen Thomas Cook aufgefordert, ihre Ansprüche nicht nur bei der Versicherung, sondern auch beim Insolvenzverwalter anzumelden. Das sei Voraussetzung dafür, das versprochene Geld vom Bund zu erhalten, teilte das Ministerium am Freitag mit.

mehr ...

Immobilien

Neues Finanzierungskonzept: Sorgenfrei im Alter

Viele Menschen möchten sich im Rentenalter Wünsche und Träume erfüllen. Die notwendigen Geldmittel stecken dabei oftmals im Eigenheim fest. Um sich mithilfe der Immobilie den Lebensabend zu finanzieren, gibt es gleich mehrere Möglichkeiten. Welche das sind und welche Vor- und Nachteile sie bieten, zeigt der Vergleich der Immobilienverkaufsmodelle.

mehr ...

Investmentfonds

London: Werden keine “Empfänger von EU-Regeln” nach Brexit

Unternehmerverbände in Großbritannien zeigen sich vor dem Brexit besorgt. Sie fürchten hohe Kosten durch Handelsbarrieren und warnen vor Preiserhöhungen für britische Verbraucher. Doch ihre Forderungen angesichts der Befürchtungen finden beim Finanzminister kein Gehör.

mehr ...

Berater

Sonntagsfrage unter Vermittlern: FDP siegt, SPD ohne Chance

Bei Finanzvermittlern steht weiterhin die FDP in der Gunst ganz oben, wenn es um die nächste Bundestagswahl geht. Das hat das 12. AfW-Vermittlerbarometer im November 2019 mit über 1.500 teilnehmenden Vermittlern ergeben.

mehr ...

Sachwertanlagen

Habona erreicht Vollinvestition des Einzelhandelsfonds 06

Der Frankfurter Fondsinitiator und Asset Manager Habona Invest hat für seinen Einzelhandelsfonds 06 zum Jahresende 2019 sechs weitere Nahversorgungsimmobilien mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von über 44 Millionen Euro und einer Gesamtmietfläche von circa 19.500 Quadratmetern erworben.

 

mehr ...

Recht

Winzerverband schlägt Schadenersatz statt Strafzölle auf Wein vor

Statt der Strafzölle auf Wein sollte die Bundesregierung den USA nach einem Vorschlag des Weinbauverbands Rheinhessen eine Schadenersatzzahlung anbieten. “Die deutsche Politik sollte jetzt unkonventionelle Lösungen anstreben”, erklärte Verbandspräsident Ingo Steitz.

mehr ...