Private Equity: Blick in die Glaskugel

Die European Private Equity and Venture Capital Association (EVCA), Brüssel, hat auf dem 25. EVCA-Symposium in Madrid Ergebnisse ihrer aktuellen Studie ?Global Scenarios for Private Equity and Venture Capital? vorgestellt.

Da es bislang kaum Untersuchungen gebe, die sich systematisch mit den Folgen fundamentaler Entwicklungstrends für den Buyout- und Venture-Capital-Sektor befassen, entwerfe die Studie vier globale Zukunftsszenarien und analysiere deren potenzielle Auswirkungen auf die Branche, so die EVCA.

Vier Zukunftsszenarien:

Mit der Methode der Szenario-Analyse sind im Rahmen der Studie politisch-wirtschaftliche Basiskonstellationen durchgespielt worden. Zu diesem Zweck wurden durch ausführliche Expertenbefragungen die wichtigsten Entwicklungstreiber, beispielsweise Besteuerung, Demografie, Klimawandel oder geopolitische Machtverhältnisse gefiltert und gewichtet. Das Ergebnis sind vier zentrale Zukunftsszenarien:

Going East

Im Zuge einer Verschiebung des politisch-ökonomischen Gravitationszentrums nach Asien wachsen China und Indien weiter, während die USA und Europa zurückfallen. Eine verschlechterte globale Sicherheitslage und steigender ökonomischer Konkurrenzdruck führen in den westlichen Industrienationen zu massiver politischer Intervention und Protektionismus. Private Equity wird zum Sündenbock für schwindenden Wohlstand und steht unter verschärftem regulatorischen Druck seitens der Politik. Handlungsspielräume und Renditeaussichten der Branche nehmen ab.

The Three Towers

Die USA scheitern im mittleren Osten, geopolitische Spannungen nehmen zu und die Welt teilt sich in drei große Blöcke: USA, Europa und Asien. Innerhalb dieser regionalen Zentren nimmt der Handels- und Kapitalfluss zwar zu, darüber hinaus sinkt er jedoch. Multilaterale Institutionen agieren geschwächt und sind nicht in der Lage, globale Herausforderungen, wie Armut oder Klimawandel zu bewältigen. Die Instabilität des internationalen Finanzsystems nimmt zu. Private Equity-Unternehmen ist es angesichts des erschwerten Investitionsumfelds für ausländisches Kapital kaum noch möglich, als Global Player zu agieren. Sie erzielen aber weiterhin gute Renditen innerhalb der drei weitgehend geschlossenen Märkte.

Trading Up

Das 21. Jahrhundert orientiert sich am Modell der EU. Europas weltweiter Einfluss steigt parallel zur Rückkehr der USA zum Multilateralismus. Freihandel und Globalisierung nehmen zwar weiter zu, allerdings in einem klar geregelten Rahmen. Weltweite Probleme werden zunehmend durch internationale Kooperationen zu lösen versucht. Im Bereich von Steuer- und Regulierungspolitik findet eine internationale Harmonisierung statt. Dieses Szenario bietet einen guten Nährboden für Private Equity-Investoren, denn die verlässlichen Rahmenbedingungen sorgen für Investitionssicherheit. Außerdem profitiert der Venture-Capital-Sektor von den politischen Prioritäten für Umwelt- und Klimaschutz.

Gulfstream

Die USA werden als globale Führungsmacht akzeptiert und die Dominanz des angelsächsischen Kapitalismusmodells, basierend auf offenen Märkten und freiem Wettbewerb, festigt sich. Die Politik beschränkt sich darauf, den marktwirtschaftlichen Rahmen für eine weltweite ökonomische Integration bereitzustellen. Die globalen Handelsströme intensivieren sich deutlich, während protektionistische Tendenzen zurückgehen. Übernahmen und Fusionen nehmen zu. Das Buyout-Segment prosperiert vor dem Hintergrund einer sich internationalisierenden und konsolidierenden Weltwirtschaft erheblich. Für die Private Equity-Branche sind die weitgehend unregulierten Weltmärkte das günstigste Szenario.

Die Resultate der Studie sind idealtypisch zugespitzt dargestellt.

Das Projekt wurde von der EVCA initiiert und von dem Forschungs- und Beratungsunternehmen Oxford Analytica durchgeführt. Sponsoren sind die Europäische Weltraumorganisation esa und das Kölner Emissionshaus CAM Private Equity. (hb)

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