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Interview: “Immobilien laufen Aktien den Rang ab”

Das Emissionshaus Fairvesta gehört mit seinem Fokus auf Immobilienfonds zu den Platzierungsgewinnern 2009. Im selben Jahr wurde eine differenzierte Produktpalette eingeführt. Cash. befragte dazu den Handlungsbevollmächtigten Otmar Knoll.

Cash.: In der Cash.-Hitliste der Initiatoren [1]ist Fairvesta in die Top 20 nach platziertem Eigenkapital aufgestiegen. Worauf führen Sie Ihr Plus von 17 Prozentin einem krisenhaften Umfeld zurück?

Knoll: Zunächst einmal hat sich unser europaweites Partnersystem bestätigt, mit dem wir unsere Lizenznehmer unterstützen. Zudem haben wir im Asset-Management überzeugt. Ich behaupte einmal, wir kaufen günstiger ein als alle anderen Marktteilnehmer und können die Objekte zudem mit Gewinn verkaufen. Dies spiegelt sich auch in den Geschäftsberichten wider, die unsere Anleger regelmäßig erhalten. Gut betreute und zufriedene Investoren sind gute Multiplikatoren oder Mehrfachzeichner. All das kommunizieren wir – das sorgt für einen stetigen Zuwachs an neuen Vertriebspartnern.

Cash.: Wie ist die Strategie, seit Mitte 2009 drei Produktschienen [2]mit differenziertem Profil anzubieten angelaufen?

Knoll: Noch besser als erwartet. Chronos war innerhalb weniger Wochen platziert, aber auch Lumis findet großes Interesse. Darüber hinaus läuft der Vertrieb der klassischen Fairvesta-Immobilienhandelsfonds der Reihe Mercatus mit gleicher Dynamik wie im Vorjahr. Die Entscheidung für zielgruppengerechte Produktlinien war goldrichtig.

Cash.: Stoßen Sie bei dem in spanische Ferienimmobilien investierenden Lumis-Fonds angesichts der aktuellen Diskussionen um den Wirtschafts- und Immobilienstandort auf Zurückhaltung?

Knoll: Wir haben zwar einen etwas größeren Erklärungsbedarf, aber Vertriebspartner und Investoren haben sehr schnell gemerkt, dass uns die derzeitige Situation in Spanien positiv zuspielt, denn das Segment der Luxusimmobilien, gerade der Spitzenklasse, wie wir sie erwerben, ist konjunktur- und immobilienmarktunabhängig gefragt.

Cash.: Die großen Trends lauten derzeit Sicherheit, anfassbare Objekte, einfache Strukturen und Investitionsziel Deutschland. Nicht alle Ihre Produkte erfüllen diese Kriterien…

Knoll: …wir tun uns heute vertrieblich sehr viel leichter als noch vor einigen Jahren, als wir kaum etwas vorzuzeigen hatten. Die Menschen möchten greifen können, wohin ihr Geld fließt. Das können sie heute bei uns mit einem einfachen Blick auf unsere Internetseiten. In Sachen Sicherheit gibt es keinen besseren Beweis als die Leistungsbilanz. Und da überzeugt nun einmal, dass wir bei allen Fonds immer die prospektierten Ziele erreicht haben. Wir sprechen hier inzwischen über ein Gesamtzeichnungsvolumen von über 270 Millionen Euro. Nicht alle möchten aber unbedingt in deutsche Objekte investieren, wenn sich anderswo Chancen bieten. Sonst würden ja auch keine Auslandsimmobilienfonds wie Lumis mehr verkauft. Die Menschen wollen die Chance begreifen können – dann sind sie auch bereit zu investieren.

Seite 2: Wo Fairvesta künftig Schwerpunkte setzen will [3]

Cash.: Wie läuft Ihr europäisches Vertriebsgeschäft derzeit im Vergleich zu Deutschland?

Knoll: Wir haben den deutschen Markt in den letzten Jahren aufgrund des stark anziehenden internationalen Geschäftes vernachlässigt. Es fehlten uns einfach die Kapazitäten. Aus diesem Grund erwirtschaften wir den größeren Teil des Neugeschäftes außerhalb von Deutschland. Wir sehen jedoch weiterhin den hiesigen Markt als sehr interessant an und haben uns deshalb personell verstärkt.

Cash.: Sie spielen darauf an, dass sich Fairvesta im Vertrieb mit Oliver Kuhlmann neu aufgestellt [4]hat.

Knoll: Absolut richtig. Deutschland ist der wichtigste und wachstumsstärkste Markt in Europa. Ihm wird sich Kuhlmann mit all seinen Erfahrungen, seinem Wissen und seinem vorhandenen Netzwerk widmen. Wir gehen davon aus, dass wir mit unseren Produkten hier deutliche Zuwächse erzielen werden.

Cash.: Haben Sie aufgrund des erweiterten geschäftlichen Spektrums auch auch im Bereich Immobilienexpertise personell weiter aufgestockt?

Knoll: Wir stellen permanent Immobilienexperten für den Ein- und Verkauf sowie für Immobilienbewertungen, Facility Management und so weiter ein. Fairvesta wuchs in den letzten Jahren kontinuierlich an. Mittlerweise arbeiten 35 Menschen alleine von Tübingen aus. Eine wichtige Aufgabe, die Herr Kuhlmann zu erfüllen hat, ist aber auch, mich in vertrieblichen Fragen zu entlasten. Ich möchte mich künftig wieder deutlich mehr dem Immobiliengeschäft widmen.

Cash.: Wie stehen Sie den aktuellen Regulierungsbestrebungen für geschlossene Fonds gegenüber?

Knoll: Sehr positiv. Wie Sie an unserer Schweizer Vermögensverwaltung sehen, sind wir einer der wenigen, wenn nicht gar der einzige Initiator, der in der Schweiz legal Fondsanteile verkaufen kann. So sind wir auch in Deutschland und den angrenzen Ländern, in denen wir vertrieblich aktiv sind, immer auf neue gesetzliche Vorgaben vorbereitet. Wir halten eine Regulierung für sinnvoll, wenn es dadurch gelingt, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Cash.: Hält das Interesse an der Immobilie als Anlageform an?

Knoll: Ausschließlich Immobilien bieten als Kapitalanlage Inflationsschutz, Sicherheit und vernünftige Renditen. Die gut gemanagte Immobilie wird der Aktie oder dem Wertpapier weiter den Rang ablaufen.

Cash: Was sind Ihre Ziele für 2010?

Knoll: Wir wollen die Platzierungshürde 100 Millionen Euro Eigenkapital deutlich übertreffen und das Netzwerk an Lizenznehmern in Deutschland sowie einigen angrenzenden Ländern ausweiten.

Interview: Thomas Eilrich

Fotos: Fairvesta, Shutterstock