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„Unser Produkt-Mix wird laufend geprüft“

Gert Waltenbauer, Geschäftsführer des Grünwalder Initiators KGAL und Platzierungsgewinner des Jahres 2009, zu Produkt- und Vertriebsstrategien des Hauses.

Gert Waltenbauer, KGAL

Cash.: Nach der Markterhebung des VGF und Cash. zu den Platzierungsergebnissen des Jahres 2009 schafften neben Ihrem zwei weitere Emissionshäuser mit Bankenhintergrund den Schritt aufs Siegertreppchen. Sind Bankentöchter auch vor dem Hintergrund einer erleichterten Fremdkapitalbeschaffung weiterhin im Vorteil?

Waltenbauer: Nur bedingt: Insbesondere der Bankenvertrieb achtet heutzutage aus Qualitätsgesichtspunkten auf die Bonität eines Initiators und in dieser und weiteren Disziplinen schneiden die genannten Häuser gut ab. Ansonsten bemüht sich die KGAL seit jeher, die günstigsten Darlehensgeber am Markt zu finden. In diesen Zeiten zahlt sich ein Gesellschafterkreis aus starken kreditgebenden Banken allerdings aus.

Cash.:  Zeigen sich die Banken mittlerweile kooperativer oder ist deren Finanzierungsbereitschaft nach wie vor assetabhängig?

Waltenbauer: Mit Ausnahme der Schiffsfinanzierung ist Bewegung in das Geschäft gekommen und Kredite werden wieder zu vernünftigeren Margen vergeben. Das gilt besonders für konservativ kalkulierte Immobilienprojekte. Aber auch Fotovoltaikanlagen stehen die Banken aufgeschlossen gegenüber. Die Flugzeugfinanzierung hat sich nicht zuletzt aufgrund des Engagements ausländischer Banken stabil entwickelt, auch wenn sich einige nationale Kreditinstitute wie die Bayern LB  aus dem Geschäft zurückgezogen haben.

Cash.: Rechnen Sie damit, das Platzierungsergebnis von 460 Millionen Euro aus dem Vorjahr in 2010 halten zu können?

Waltenbauer: Aus heutiger Sicht ist das noch möglich, auch wenn sich der Vertriebsstart zweier Immobilienfonds aufgrund unvorhersehbarer Unwägbarkeiten in das Jahr 2011 verschoben hat. Seit Ende September bieten wir über den Fonds InfraClass 7 die Beteiligung an einem deutschen Solarpark an. Daneben haben wir für Ende 2010 noch einen Schiffsfonds in der Pipeline. Dass wir nicht signifikant mehr Volumen umsetzen, ist einer Produktknappheit geschuldet und nicht dem Umstand, dass wir keine größere Summe platzieren könnten.

Seite 2: Die Herausforderungen des Assetmanagements einer breiten Produktpalette [1]

Cash.: Eine breite Produktpalette wie die der KGAL hat sich den vergangenen eineinhalb Jahren als umsatzförderlich erwiesen. Kritiker bezweifeln indes, dass ein Initiator allein so viele verschiedene Assets managen kann…

Waltenbauer: Aus diesem Grund haben wir uns nur für einen Ausschnitt aus dem breiten Spektrum der Anlageklassen geschlossener Fonds entschieden und die entsprechende Organisationsstruktur über viele Jahre hinweg aufgebaut, die auch den Due-Diligence-Prüfungen institutioneller Investoren immer wieder standgehalten hat. Unser Produkt-Mix kommt übrigens auch hausintern alle zwei Jahre auf den Prüfstand und wird nicht beliebig erweitert oder verringert. Damit kaufen wir nicht beliebig Objekte nach kurzfristigen Trends ein, sondern nur, wenn wir sie auch langfristig als aussichtsreiche Assetklasse für die KGAL einstufen. Wir wollen hinreichend breit, aber nicht über-breit aufgestellt sein.

Cash.: Sie verkaufen Ihre Produkte schwerpunktmäßig über den Bankschalter. Wie verteilt sich der Umsatz über die Vertriebskanäle?

Waltenbauer: In den vergangenen beiden Jahren hat eine Verlagerung weg von den Großbanken insbesondere hin zu den Sparkassen stattgefunden. Langfristig wollen wir auch den Anteil der freien Vertriebspartner ausbauen. Es wird auch künftig bei unseren Publikumsfonds keinen Direktvertrieb der KGAL geben.

Cash.: Was waren die wichtigsten Produkttrends des Jahres 2010?

Waltenbauer: Nach wie vor werden Immobilienanlagen stark nachgefragt, wobei der Anleger nicht speziell nach aus- oder inländische Standorten unterscheidet, wichtiger ist die Story des Produkts.

Cash.: … und dass die Hauptmieterin eine staatliche Einrichtung ist?

Waltenbauer: Auch uns sind solche Projekte angetragen worden, allerdings sind wir aus den jeweiligen Bieterverfahren oft ausgestiegen, weil wir die Schraube im Hinblick auf Sicherheitspuffer bei der Konzeption nicht überdrehen wollten, nur um die hohen Preise zahlen zu können. Ich sehe manches angebotene Produkt trotz der schnellen Platzierung sehr skeptisch.

Seite 3: Ausblick auf die Entwicklung Erneuerbare-Energien-Fonds [2]

Cash.: Wird die Solarfonds-Begeisterung in 2011 anhalten?

Waltenbauer: Die Rahmenbedingungen haben sich in Spanien und Deutschland durch die Absenkung der Fördersätze verschlechtert, dennoch erwarten wir die Renditen mittelfristig auf einem risikoadäquaten Niveau. Frankreich hat  angekündigt, maximal 500 Megawatt pro Jahr fördern zu wollen. Wenn es dabei bleibt, dass heimische Aufdachanlagen darin eingeschlossenen sind, bleibt für unsere Investoren sehr wenig attraktive Freifläche über.

Cash.: Ist Windkraft eine  Ausweichmöglichkeit?

Waltenbauer: Unbedingt, wenn auch nach wie vor nicht als Publikumsfonds verpackt. Wir haben die Schwächen der Konzepte früherer Jahre analysiert, kuriert und über eine volle Betriebsphase begleitet. Daher haben wir einen Fonds für Institutionelle gestartet, der beide erneuerbaren Energien kombiniert.

Interview: Andreas Friedemann

Foto: KGAL