- Finanznachrichten auf Cash.Online - https://www.cash-online.de -

AWD wehrt sich gegen Vorwurf der Falschberatung

Die Zahl der Kunden des Finanzvertriebs AWD, die Opfer einer Falschberatung wurden, ist übereinstimmenden Medienberichten zufolge größer als bisher angenommen. Es soll nun Beweise dafür geben, dass mehrere Zehntausend Kunden betroffen sind. Der Hannoveraner Vertrieb weist die Vorwürfe zurück.

Konkret geht es um eine Liste, auf der über 34.000 AWD-Kunden stehen, die mit geschlossenen Immobilienbeteiligungen, dem sogenannten Dreiländer-Fonds des Initiators Capital Konsult, Verluste machten. Diese Aufstellung liegt unter anderem der Zeitschrift “Finanztest” vor.

Darüber hinaus belege das Dokument, dass etwa 20 Prozent der Anleger ihre Anteile an den geschlossenen Fonds mit Krediten finanzierten, heißt es in der Mitteilung von Finanztest weiter.

„Tatsächlich waren es aber viel mehr“, zitiert die Zeitschrift einen früheren Finanzierungsspezialist des AWD, dessen Aufgabe es war, Beschwerden von AWD-Kunden zu bearbeiten.

Etwa 80 Prozent der Kunden hätten ihre Anteile auf Kredit gekauft. Viele Kunden seien in der Liste jedoch als Anleger mit Eigenkapital aufgeführt, weil hier der persönliche AWD-Berater die Finanzierung für den Kunden etwa über dessen Hausbank besorgt habe.

Das vermittelte Anlagekonzept sah vor, die monatlichen Kreditraten mit den Ausschüttungen aus den Fonds zu bezahlen. Dieser Ansatz ist jedoch riskant. Wenn die Ausschüttungen der Fonds geringer sind als erwartet oder gar einen Totalverlust erleiden, geraten die Anleger in die Schuldenfalle.

Die Kreditfinanzierung der in der Liste stehenden Kunden wurde laut Finanztest über die BHW Bank sowie Hypovereinsbank abgewickelt.

Seite 2: Das sagt AWD [1]

AWD hat inzwischen Stellung zu den Vorwürfen bezogen. Das Unternehmen verweist darauf, dass es sich bei geschlossenen Fonds um unternehmerische Beteiligungen handelt. Dies – und das damit eingegangene unternehmerische Risiko – sei den Anlegern mündlich wie schriftlich erläutert worden.

Nach AWD-Darstellung lagen die Verkaufsprospekte deutlich oberhalb des seinerzeit branchenüblichen Standards und enthielten alle wesentlichen Informationen über die Konzeption, die Besonderheiten sowie über die mit einer Anlage verbundenen Chancen und Risiken.

Sogar der Bundesgerichtshof habe bestätigt, dass der Verkaufsprospekt hinreichend über die wirtschaftlichen Risiken aufkläre. “Soweit sich AWD mit dem Vorwurf der Fehlberatung gerichtlich befassen musste, sind diese Vorwürfe von Seiten der Gerichte nicht bestätigt worden”, heißt es aus Hannover.

Außerdem weist der Finanzvertrieb darauf hin, die nun als brisant dargestellten Informationen zu den Dreiländer-Fonds bereits vor zehn Jahren Finanztest und damit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu haben. (ks)

Foto: AWD