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Geschlossenen Fonds fehlt die Exit-Option

Warum nur zieht bei geschlossenen Fonds das Sachwertargument nicht? Die Platzierungszahlen des dritten Quartals, die der Branchenverband VGF bei seinen Mitgliedern erhoben hat, lassen jedenfalls nicht den Schluss zu, dass Beteiligungen an Immobilien, Schiffen oder Solaranlagen von den Anlegern als sicherer Hafen vor Crash und Inflation wahrgenommen werden.

Cash-Kolumnist Stefan Löwer

Im Gegenteil: Während der Goldpreis mit jeder schlechten Nachricht von den Finanzmärkten nach oben schnellt, lähmt die Krise im Euroraum den Absatz geschlossener Fonds. Deutlich abzulesen ist das an den VGF-Quartalszahlen. Nicht nur, dass der Absatz der Verbandsmitglieder gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 19 Prozent und gegenüber dem zweiten Quartal 2011 sogar um 37 Prozent rückläufig war. Auch die Entwicklung des monatlichen Platzierungsvolumens ist niederschmetternd.

Es sank laut VGF-Statistik analog zur erneuten Eskalation der Finanzkrise von 271 Millionen Euro im Juli auf 225 Millionen Euro im August und auf nur noch 171 Millionen Euro im September. Vor allem die September-Zahl ist alarmierend, zumal dieser Monat das Ende der Sommerpause markiert und im Normalfall einen kräftigen Anstieg erwarten ließe.

Offenkundig werden geschlossene Fonds von den Anlegern nicht als Sachwertinvestitionen angesehen – sondern als Finanzprodukte – und in der Krise entsprechend gemieden. Das dürfte seinen Grund auch darin haben, dass weiterhin kaum ein Fonds ohne Fremdkapital auskommt. Zu häufig war zuletzt wohl zu lesen, dass die vermeintlichen Sachwerte sich in Luft auflösen oder gar eine (Nach-)Zahlungspflicht auslösen können, wenn die Bank die Nerven verliert und den Stecker zieht. Sicherheit sieht anders aus.

Dennoch erliegen nicht wenige Konzeptionäre angesichts der niedrigen Zinsen der Versuchung, durch einen möglichst hohen Fremdkapitalhebel die Prognoserendite zu erhöhen – vor allem bei Solarfonds. Dabei sind die Anleger derzeit anscheinend gar nicht auf der Suche nach hohen Renditen, sondern sie wollen ihr Vermögen über die Krise retten.

Anders lässt sich der Gold-Hype nicht erklären. Schließlich wirft das Edelmetall keine laufenden Erträge ab. Selbst als Wert-Speicher ist es nur begrenzt geeignet: Angesichts des aktuell enorm hohen Niveaus wird der Goldpreis wohl implodieren, wenn die Situation sich stabilisiert und der Crash ausbleibt. Ein Wertverlust von 50 Prozent und mehr wäre dann nicht überraschend.

Seite 2: Probleme der fehlenden Exit-Option [1]

Gute geschlossene Fonds sind wesentlich weniger riskant. Dass sie dennoch nicht profitieren können, hat einen weiteren Grund: „Anleger sind derzeit nur in sehr geringem Maße bereit, ihre vorhandene Liquidität in mittel- und langfristigen Kapitalanlagen zu binden“, erklärt der VGF. Wer sich heute an einem geschlossenen Fonds beteiligt, kann morgen nicht mehr auf Veränderungen reagieren. Und wer nicht weiß, wie die Welt in 20 Tagen aussieht, bindet sich ungern für 20 Jahre. Es fehlt die Exit-Option.

Der Zweitmarkt bietet trotz aller Fortschritte der vergangenen Jahre noch immer keine verlässliche Möglichkeit zum Ausstieg. Die Kalkulation von „Kurzläufern“, die bereits nach wenigen Jahren die Beendigung des Fonds prognostizieren, ist nicht selten als abenteuerlich zu bezeichnen.

Wichtiger als solche kollektiven Exits wären individuelle Möglichkeiten der einzelnen Anleger, sich schon nach kurzer Zeit wieder aus dem Fonds zu verabschieden. Initiatoren argumentieren, das entspreche nicht dem Charakter der langfristigen Investition und außerdem stünde das Geld nicht Abfindungszahlungen zur Verfügung, sondern sei in dem Fondsobjekt gebunden.

Beides trifft zu. Dennoch ließen sich kurzfristige Ausstiegsrechte in die Konzepte einbauen, zumal steuerliche Restriktionen heute kaum noch eine Rolle spielen. Zwar muss ein solches Recht einen – zeitlich gestaffelten – Abschlag vom Verkehrswert und einen Liquiditätsvorbehalt vorsehen, um den Fonds und die verbleibenden Anleger zu schützen. Doch wenn der Abschlag zum Beispiel anfangs zehn Prozent beträgt, werden nur wenige Anleger das Kündigungsrecht tatsächlich wahrnehmen. Aber sie werden das Gefühl haben, sie könnten es und damit vielleicht die Scheu ablegen, sich überhaupt erst an dem Fonds zu beteiligen.

Initiatoren reagieren überwiegend genervt auf die Forderung nach einer kurzfristigen Exit-Option und fühlen sich angegriffen – so etwa bei dem Roundtable zum Cash.-Branchengipfel im vergangenen September (siehe Cash.-Extra in Heft 11/2011). Und doch könnten reine Eigenkapitalfonds mit einem kurzfristigen Kündigungsrecht der Anleger vielleicht das eine oder andere (Platzierungs-)Problem der Anbieter lösen.