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Marktübersicht: 311 Beteiligungsofferten im vierten Quartal

Auf 311 beläuft sich die Zahl der Beteiligungsangebote, die Emissionshäuser im vierten Quartal 2011 Anlegern unterbreiten. Das zeigt die exklusive Cash.-Marktübersicht der geschlossenen Fonds.

Cash. erstellt die Marktübersicht geschlossene Fonds für das vierte Quartal [1] traditionell auf Grundlage einer Befragung der Produktanbieter und eigener Recherchen. In den jeweiligen Rubriken sind auch diejenigen Fonds erfasst, deren Vertrieb noch nicht von der BaFin gestattet wurde, die aber in den Fondsschmieden der Häuser bereits erdacht sind und noch in 2011 in den Vertrieb starten sollen. Insgesamt planen die Initiatoren fast neun Milliarden Euro einzuwerben, um Investitionen in einem Volumen von 14,5 Milliarden Euro zu realisieren. Mit 311 Beteiligungsangeboten ist der Markt im Vergleich zum vierten Quartal 2010 rein zahlenmäßig zwar nur um sieben Fonds geschrumpft. Aber darunter tummeln sich eine ganze Reihe Altfonds, die sich seit Jahr und Tag im Vetrieb schwertun. Den Trend gibt eine Cash.-Anfrage bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin): Dort wurden im ersten Halbjahr 2011 nur 169 Prospekte gebilligt. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 205.

aus Cash. 11/2011

Platzierungsprimus des Jahres 2010 im Publikumsfondsbereich war gemäß Statistik des Verbands Geschlossene Fonds (VGF) das Emissionshaus Wealth Cap. Hilfreich war und ist die breite Aufstellung des Emissionshauses: Auch in 2011 konnte es seinen Kunden in den Assetklassen Deutschlandimmobilien und Private Equity jeweils zwei Beteiligungsangebote machen, eine großvolumige Solarofferte schließen sowie einen Portfoliofonds anbieten. “Auch bei der Geldanlage gilt, wer breit aufgestellt ist, fährt langfristig besser. Unser Haus verfügt über historisch gewachsene Strukturen mit Erfahrungen und Expertise in einer Vielzahl von Anlageklassen. Somit sind wir in der Lage, in unterschiedlichen Marktphasen die richtigen Lösungen anbieten zu können”, sagt Wealth Cap-Geschäftsführer Dr. Rainer Kütten.

“Wir gehen davon aus, das Vorjahresergebnis mindestens zu halten oder sogar noch etwas steigern zu können. Gerade in dem derzeit unruhigen Marktumfeld bieten sich Chancen für Sachwertanlagen [2]. Die Menschen suchen nach Schutz vor Geldentwertung und Vermögenssicherung. Denn im Vergleich zu anderen Anlageformen brauchen sich Sachwerte in Form geschlossener Fonds nicht zu verstecken. Weder was die Rendite noch den Vermögensschutz angeht”, erläutert Gabriele Volz, die nach dem Ausscheiden von Christian Kühni [3] die Geschäfte bei Wealth Cap interimsweise gemeinsam mit Krütten führt. Kühnis Nachfolger soll spätestens Anfang 2012 vorgestellt werden. Dann planen die Münchener auch, noch weitere Assetklassen mit ihrem Produktportfolio abzudecken. “Unsere Produktpipeline ist in den Segmenten Immobilie Deutschland und Private Equity für das Jahr 2012 bereits gefüllt. Die Produktversorgung steht hier. Daneben prüfen wir weitere Optionen in anderen Anlageklassen. Wir wollen wieder  einen großvolumigen Solarfonds [4] emittieren. Dazu prüfen wir derzeit verschiedene Optionen in Deutschland und Italien. Daneben arbeiten wir momentan an einem breit gestreuten Flugzeugportfoliofonds”, verrät Volz.

Seite 2: Das gefragte Immobilienfonds-Segment wächst weiter [5]

Unter den Neuprodukten soll sich zudem der ein oder andere deutsche Immobilienfonds finden – das derzeit wohl gefragteste Segment. Das dortige Marktangebot hat sich entsprechend im Vergleich zum Vorjahr um zwölf erhöht. Auch die VGF-Platzierungszahlen für das erste Halbjahr 2011 [6] weisen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Plus von 46 Prozent in diesem Segment aus. Zu den Umsätzen trugen aber auch großvolumige Offerten bei, allen voran der DWS Access-Fonds, der in die Deutsche-Bank-Türme investiert [7]. Rund 334 Millionen Euro Eigenkapital warb die Initiatorin zwischen Mai und August für ihren Mega-Fonds ein. Weitere großvolumige Kaliber werden derzeit noch platziert [8].

Im Geschäft mit Auslandsobjekten ist die Anzahl der Fonds im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. Als Lieblingsziel der deutschen Initiatorenschaft konnten sich die Niederlande behaupten. Wieder hoch im Kurs bei den hiesigen Emissionshäusern ist London. Das Grünwalder Emissionshaus KGAL bietet seit Mai 2011 eine nachhaltige Gewerbeimmobilie unweit der U-Bahn-Station „Monument“ an. Die Konkurrenz aus München ist auch vor Ort: Seit September 2010 vertreibt Real I.S. einen Englandfonds, der in ein an eine Behörde vermietetes Bürogebäude mit historischer Fassade in Midtown investiert. Hannover Leasing hat noch für das dritte Quartal 2011 seinen ersten Immobilienfonds an der Themse angekündigt. Investitionsobjekt ist das für rund 139 Millionen britische Pfund (circa 157,8 Millionen Euro) erworbene, 2009 fertiggestellte Bürogebäude “30 Crown Place” in der “City” [9]. Die Münchener erachten den dortigen Immobilienmarkt unter anderem deshalb als sehr attraktiv, weil er sich nach dem Einbruch infolge der Finanzkrise als einer der ersten wieder erholt hatte. Zudem seien Immobilieninvestitionen in Großbritannien speziell für deutsche Privatanleger aufgrund der hohen Steuerfreibeträge und des günstigen Doppelbesteuerungsabkommens sehr attraktiv. Geschäftsführer Dr. Hubert Spechtenhauser ergänzt: “Darüber hinaus gilt der Londoner Immobilienmarkt aufgrund der rechtlichen und politischen Stabilität Großbrianniens in Verbindung mit im internationalen Vergleich weit überdurchschnittlicher Markttransparenz und hoher Professionalisierung als besonders investorenfreundlich.”

Seite 3: Diversifikation über alternative Auslandsmärkte, Green Buildings und institutionelle Anleger [10]

Dass Wege jenseits des Mainstreams zum Erfolg führen können, zeigt die Hamburger Elbfonds-Gruppe, die bereits ihren fünften Fonds mit Einzelhandelsimmobilien in Polen platziert. Eigenen Angaben zufolge hatten die Hanseaten bis Mitte September 2011 damit ingesamt rund 52 Millionen Euro Eigenkapital eingeworben und ein Gesamtvolumen von 230 Millionen Euro bewegt. “Das aktuelle Beteiligungsangebot der Produktreihe Direkt Invest Polen ist seit Ende März im Vertrieb und zu mehr als 60 Prozent platziert. Wir werden den Fonds zum Jahresende mit einem Volumen von 25 Millionen Euro schließen”, sagt Stephan Groht, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von Elbfonds. Die Wachstumsraten von Volkswirtschaft und konsumfreudiger Mittelschicht sowie eine Arbeitslosenquote um neun Prozent sorgen für gute Investitionsbedingungen und Anlegerinteresse. Das will auch Deutschlands größter Discounter-Betreiber Aldi nutzen und bei unseren östlichen Nachbarn ein dichtes Filialnetz errichten. Elbfonds ist mit von der Partie. Groth: “Wir haben mit Aldi sechs Mietverträge für eine Investitionsregion unterschrieben. Aktuell befinden wir uns in der Due-Diligence-Phase und werden kurzfristig die ersten Grundstücke für die Bebauung der Handelsmärkte ankaufen.”

Gleich zwei Trends nimmt Real I.S. in seinem Immobilienfonds Green Office Fund auf, der seit September rund 400 Millionen Euro einwerben soll. Zielobjekte sind vor allem als energieeffizient zertifizierte Bürogebäude in westeuropäischen Metropolen mit der Zielgruppe institutionelle Investoren. “Die Real I.S. baut bereits seit zehn Jahren das Geschäft mit institutionellen Anlegern neben dem Privatkundengeschäft als zweiten strategischen Teil des dualen Geschäftsmodells aus. Durch die hohe Marktdurchdringung haben wir Zugang zu überdurchschnittlich guten Immobilien”, so Vorstand Jochen Schenk. KGAL deckt mit einer besonders breiten Produktpalette nicht nur die meisten Assetklassen ab, sondern hat traditionell ebenfalls Beteiligungsmöglichkeiten für Institutionelle im Angebot. Im Jahr 2010 hat der Initiator rund 235 Millionen Euro in dieser Zielgruppe platziert. “Die verschiedenen Standbeine stabilisieren nicht nur unser Absatzpotenzial, sondern führen auch zu Synergien, von denen alle profitieren”, sagt Gert Waltenbauer, Mitglied der Geschäftsführung, und spielt damit auf das Niveau von Prozessen und Produkten sowie den Assetzugang an.

Seite 4: Ergebnisse der exklusiven Cash.-Initiatoren-Umfrage [11]

Spannend sind die Ergebnisse der Cash.-Umfrage unter den Inititatoren im Rahmen der Recherchen: Das aktuelle Problem im Fondsabsatz liegt demnach vor allem bei den Banken. 76 Prozent der 74 antwortenden Emissionshäuser geben an, dass die Geldhäuser im ersten Halbjahr 2011 lediglich zwischen Null und 25 Prozent zu ihrem Umsatz beigetragen haben. Lediglich zwei Prozent der Häuser bezogen mehr als 75 Prozent der Zeichnungsscheine über Privat- und Geschäftsbanken. Ein vergleichbares Bild ergibt sich für Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Der freie Vertrieb hingegen trug bei 44 Prozent der Initiatoren mehr als drei Viertel zu dem Umsatz bei, weitere 14 Prozent der Häuser bezogen zwischen 51 und 75 Prozent des Neugeschäfts über diesen Kanal. Bei insgesamt fast 60 Prozent dominiert damit der freie Vertrieb.

Trotz aller Quer- und Tiefschläge bleibt die Mehrzahl der Emissionshäuser optimistisch: 74 Prozent rechnen damit, dass ihr Platzierungsergebnis am Ende des Jahres 2011 über dem des Vorjahres liegen wird. (te)

Foto: Shutterstock, Grafiken: Cash.