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VGF-Statistik: Ernüchterung trotz Wachstum

Um immerhin 30 Prozent ist das Platzierungsvolumen der geschlossenen Fonds, das der Anbieterverband VGF bei seinen 45 Mitgliedern erhoben hat, im zweiten Quartal 2011 gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres gestiegen. Dennoch ist der kräftige Aufschwung der deutschen Wirtschaft seit Frühjahr 2010 in der Branche noch immer nicht angekommen.

Cash-Kolumnist Stefan Löwer

Die Löwer-Kolumne

Der Zuwachs resultiert ausschließlich aus der Verdoppelung des Platzierungsvolumens deutscher Immobilienfonds, die mit 531 Millionen Euro im zweiten Quartal 50 Prozent des Gesamtmarktes ausmachten. Dieser Anstieg wiederum dürfte vor allem auf einen einzigen Fonds zurückzuführen sein: Den 350 Millionen Euro Eigenkapital schweren Fonds der DWS für die Türme der Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt, der im Mai auf den Markt kam und wohl zügig Abnehmer fand (auch wenn er bis Ende Juni nicht vollplatziert wurde).

Der Absatz von Publikumsfonds aus den anderen Branchen ist gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres 2011 hingegen um 13 Prozent nochmals kräftig zurückgegangen, verglichen mit dem zweiten Quartal 2010 sogar um 25 Prozent. Besonders ernüchternd ist weiterhin das Volumen des einst Milliarden schweren Markts der Schiffsbeteiligungen. Gerade einmal 77 Millionen Euro Eigenkapital brachten die VGF-Mitglieder in dieser Branche innerhalb von drei Monaten an den Mann und die Frau, davon immer noch die Hälfte für Kapitalerhöhungen bestehender Fonds. Auch der unverändert hohe Umfang dieser Kapitalmaßnahmen belegt, dass insbesondere die Schiffsfonds noch lange nicht über den Berg sind.

Der Vergleich des Gesamtmarktes mit dem zweiten Quartal 2010 fällt ebenfalls ernüchternd aus. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist das Platzierungsvolumen der VGF-Mitglieder um elf Prozent gesunken. Auch ohne die Berücksichtigung institutioneller Anleger verbleibt nur ein winziges Plus von 1,5 Prozent.

Und das, obwohl die Datenbasis im Jahresvergleich gewachsen ist. Seit August 2010 sind dem VGF fünf Initiatoren neu beigetreten: Hahn, Aquila Capital, Hansa Treuhand, Bouwfonds sowie Voigt & Collegen. Zwar sind seitdem mit KVG Binnenalster (ehemals Berenberg) und DBM Fonds Invest auch zwei Häuser ausgetreten. Diese haben aber ohnehin nichts zum Platzierungsvolumen des zweiten Quartals 2010 beigetragen. Zudem hatten 2010 nach Verbandsangaben zwei Mitglieder – König & Cie. sowie Ownership – die Auskunft verweigert, so dass die jüngste VGF-Statistik sieben Häuser oder über 15 Prozent mehr Anbieter umfasst als der Vorjahreszeitraum. Ohne diesen Zuwachs wäre das Ergebnis wohl noch schwächer ausgefallen.

Seite 2: Auf Anbieterseite läuft noch längst nicht alles wieder rund [1]

Der schleppende Absatz ist indes nicht nur auf die Zurückhaltung der Anleger zurückzuführen. Auch auf der Anbieterseite läuft noch längst nicht alles wieder rund. Vieles dauert erheblich länger als geplant – hauptsächlich wohl wegen der weiterhin sehr restriktiven Banken.

So war etwa das sonst so platzierungsstarke Emissionshaus Dr. Peters fast das gesamte erste Halbjahr ohne Produkt und hat auf seiner Website die Ankündigung eines neuen Supertanker-Fonds zunächst durch einen weiteren Airbus A 380 für Air France ersetzt. Auch der Start des bereits seit dem Frühjahr angekündigten Helikopter-Fonds von Doric verschiebt sich auf die Zeit nach der Sommerpause und der erste Wasserkraftfonds von Aquila Capital hat schon seit Monaten den Status „Vorankündigung“.

Gute Nachrichten kommen hauptsächlich von außerhalb des Verbands, der in erster Linie etablierte Initiatoren zu seinen Mitgliedern zählt. Manch jüngerer (Nischen-)Anbieter ohne besondere Altlasten vermag die Schwäche der Großen zu nutzen. So gehen die Anteile der Öl- und Gas-Fonds der POC aus Berlin zum Beispiel weiterhin weg wie geschnitten Brot. Von dem Immobilien-Schnäppchen-Jäger Fairvesta sind ebenfalls positive Platzierungszahlen zu hören, auch die Polenfonds des jungen Anbieters Elbfonds finden zügig Anleger.

Und die Conti-Gruppe aus München – einer der ältesten Initiatoren Deutschlands, aber kein VGF-Mitglied – platziert fröhlich einen Massengutfrachter nach dem anderen. Auch die vielen neuen Emissionshäuser, die ungeachtet der Krise auf den Markt drängen, dürften sich – jedenfalls in der Summe – einen nennenswerten Teil des Kuchens abschneiden. Vielleicht also steht die Branche insgesamt doch besser da, als es die VGF-Zahlen vermuten lassen.

Stefan Löwer ist Chefanalyst der G.U.B., Deutschlands ältester Ratingagentur für geschlossene Fonds, und begleitet den Themenbereich geschlossene Fonds in der gesamten Cash.-Unternehmensgruppe. Als Cash.-Redakteur und G.U.B.-Analyst  beobachtet Löwer die Branche und ihre Produkte insgesamt bereits seit mehr als 15 Jahren.

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