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Wasserfonds: Aussicht auf sprudelnde Renditen

Wasseraufbereitungsanlagen und Wasserkraftwerke stehen bei Emissionshäusern hoch im Kurs. Die Trendobjekte werden zunehmend allein oder mit anderen Anlagen erneuerbarer Energien zusammen in einen Fondsmantel gehüllt zur Beteiligung angeboten.

Die Idee, die Energie von Wasserkraft zu nutzen, ist nicht neu: Schon die alten Römer konstruierten vor knapp 2.000 Jahren die ersten Wasserräder, um Getreidemühlen anzutreiben. Mit einem Anteil von rund 59 Prozent ist Wasserkraft die regenerative Energiequelle, die weltweit am meisten genutzt. Im Vergleich zu konventionellen Energieträgern wie Erdöl oder Kohle hat Wasser als Energielieferant zahlreiche Vorteile, die Wasserkraftwerke nutzen können.

Effizienter Energielieferant

Wasser ist ein kostenloser Rohstoff, mit dem sich ohne Treibhausgase und Schadstoffemissionen Energie nicht nur gewinnen, sondern auch speichern lässt. Der Wirkungsgrad der Anlagen erreicht einen Wert, der konkurrenzlos ist: Bis zu 95 Prozent der erzeugten Energie fließt tatsächlich als Strom in die angeschlossenen Netze. Braunkohlekraftwerke bringen es auf vergleichsweise magere 43 Prozent und Atomkraftwerke gar nur auf maximal 35 Prozent.

Auch gegenüber seinen „grünen Wettbewerbern“ Sonne und Wind hat Wasser in manchen Punkten die Nase vorn: Wasserkraftwerke sind grundlastfähig, das heißt sie gewährleisten eine kontinuierliche Stromproduktion unabhängig von tages- und jahreszeitlichen Schwankungen. Das Maß der Nutzungsmöglichkeit einer Anlage wird im sogenannten Jahresvolllaststundenäquivalent ausgedrückt und liegt bei Wasserkraftwerken zwischen 3.000 und 6.000. Windräder an Land erreichen einen Durchschnittswert von 3.000, Solaranlagen von bis zu 1.000 Stunden Volllast pro Jahr.

Branchenexperten gehen davon aus, dass die vergleichsweise hohen Errichtungskosten einer Wasserkraftanlage sich langfristig amortisieren: Die Betriebskosten sind niedrig, die Lebensdauer ist dagegen hoch. Mehr als 100 Jahre hält ein Wasserkraftwerk durch.

Wasserkraft spielt in Deutschland noch eine untergeordnete Rolle

Die Norweger sind Vorreiter in Europa und können bereits heute ihren gesamten Energiebedarf aus Wasserkraft bestreiten. Praktisch alle geeigneten Standorte sind dort – wie in Deutschland auch – bereits erschlossen. Die Eigentümer sind zumeist staatliche oder kommunale Energieversorger, die kein Interesse daran haben, sich von den lukrativen Kraftwerken zu trennen.

Daniel Kellermann, der seit gut zehn Jahren Investitionsangebote im Bereich New Energy analysiert und die Informationsplattform www.greenvalue.de [1] betreibt, verweist auf das Zahlenmaterial, das er zusammengetragen hat.

Seite 2: Wasserfonds: Investoren zieht es vorerst ins Ausland [2]

„Anders als auf internationaler Ebene spielt der deutsche Wassermarkt bei Investoren eine untergeordnete Rolle – noch jedenfalls. Das gilt sowohl für Wasseraufbereitungsanlagen als auch für Wasserkraftwerke, die zur Stromerzeugung genutzt werden“, sagt Kellermann und ergänzt: „Im Jahr 2011 wurden lediglich 70 Millionen Euro in Wasserkraft investiert. In Fotovoltaikanlagen flossen im Vergleichszeitraum 15.000 Millionen Euro. Ein ähnliches Verhältnis ergibt sich beim Blick auf den Zubau: Während zwischen 1990 und 2011 Wasserkraftanlagen mit einer Leistung von etwa 1.000 Megawatt neu errichtet wurden, beitrug der Zubau bei Fotovoltaik oder auf Windenergie 24.000 beziehungsweise 29.000 Megawatt.“


Quelle: Shedlin Capital / Zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken

Investoren zieht es vorerst ins Ausland

In- und ausländische Investoren, die von der Kraft des „blauen Goldes“ profitieren wollen, müssen sich auf die Suche nach Ausweichstandorten machen. Fündig geworden ist das Hamburger Emissions- und Investmenthaus Aquila Capital. Unter seinem Dach beschäftigt man sich nach eigenen Angaben bereits seit dem Jahr 2006 mit dem europäischen Markt für Wasserkraftanlagen.

Die Projekt-Pipeline von Aquila Capital umfasst mittlerweile Wasserkraftwerke in Bosnien, Kroatien und Bulgarien, die der Initiator teilweise auf die eigenen Bücher genommen hat.

Keine dieser Anlagen fand jedoch den Weg in das Portfolio des ersten Publikumsfonds Hydropower Invest II – Southeast Europe, den die Hanseaten im November letzten Jahres als Blind-Pool-Konzept auf den Markt brachten. Zum Vertriebsstart war das erste Zielinvestment, ein Laufwasserkraftwerk rund 200 Kilometer nordöstlich der türkischen Hauptstadt Ankara, zwar bereits identifiziert, aber noch nicht erworben.

Mitte März 2012 hat es der Initiator von dem türkischen Generalunternehmer MNG für rund 70 Millionen Euro inklusive aller Erwerbsnebenkosten gekauft, die Übergabe der schlüsselfertigen Anlage mit einer Leistung von 19,5 Megawatt soll noch im April 2012 erfolgen.

Aus der Sicht von Axel Stiehler, Geschäftsführer bei Aquila Capital, sprechen neben topografischen vor allem wirtschaftliche Faktoren für die Türkei als Standort neuer Wasserkraftwerke.

„Die Türkei verfügt über ein ähnliches Wirtschaftswachstum wie China, allerdings kann sie ihren immensen Energiehunger nicht selbst stillen, sondern muss rund 73 Prozent des Energiebedarfs durch Rohstoff-Importe aus dem Ausland decken. Um diesem Missstand zu begegnen, hat die Regierung zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um die Rahmenbedingungen für Investoren in alternative Energiequellen attraktiv zu gestalten“, berichtet Stiehler.

Staatliche Subvention überflüssig

„Obwohl sich Strom aus Wasserkraft bereits heute ohne staatliche Subventionen rechnet, trat Ende 2010 das novellierte Einspeisegesetz in Kraft, wonach Vergütungen nach deutschem Vorbild umlagefinanziert sind und eine sichere Einnahmegrundlage darstellen“, erklärt Stiehler.

Seite 3: Wasserfonds: Anbieter haben Auswahl zwischen Markt und Staat [3]

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verpflichtet den Staat über einen Zeitraum von zehn Jahren, jede eingespeiste Kilowattstunde mit 7,3 US-Dollar-Cent (5,5 Euro-Cent) zu vergüten. Alternativ kann die Betreibergesellschaft des Wasserkraftwerks den Strom auf dem freien Markt anbieten und jährlich zwischen den beiden Optionen hin- und herwechseln.

„Die Preise auf den Spot-Märkten lagen in den vergangenen sieben Jahren stabil über dem Vergütungssatz, den wir sicherheitshalber der Fondskalkulation zugrunde gelegt haben. Zusätzliches Upside-Potenzial erwarten wir, wenn die Türkei aller Voraussicht nach im Herbst 2012 an das europäische Stromverbundnetz angeschlossen wird. Dann kann der Strom unserer Anlagen theoretisch nach ganz Europa exportiert werden“, sagt Stiehler und stellt den Anlegern stattliche Mittelrückflüsse in Aussicht: Über die prognostizierte Laufzeit von 20 Jahren sollen sie 590 Prozent der Einlage vor Abgeltungssteuer zurückbekommen.

Nach entsprechendem Gesellschafterbeschluss kann die Anlage bereits nach zehn Jahren veräußert werden mit erhofften 319 Prozent kumulierter Ausschüttungen. Abweichend von der ursprünglichen Planung sollen keine weiteren Anlagen in den Fonds eingebracht und mit einem Platzierungsvolumen von 30 Millionen Euro zum 30. Juni 2012 geschlossen werden.

Große Bestandsanlagen…

Der Nürnberger Wettbewerber Shedlin Capital hält die Türkei ebenfalls für einen idealen Wasserkraft-Standort und plant, im Mai 2012 ein Beteiligungsangebot an einer Wasserkraftanlage an den Markt zu bringen: „Die besten Standorte, um Wasserkraftwerke zu bauen, befinden sich in regenreichen Regionen wie im Nordosten der Türkei. Trotz des immensen Energiebedarfs nutzt das Land bisher erst 36 Prozent seines Wasserkraftpotenzials“, begründet Robert Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Shedlin Capital AG, die Standortwahl. „Um das Regierungsziel zu erreichen, im Jahr 2023 rund ein Drittel des Stromproduktion aus regenerativen Energiequellen zu decken, schätzen wir den Zubaubedarf auf 500 Wasserkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 21.000 Megawatt“, so Schmidt.

Rund 8,23 Megawatt soll das erste Fondsobjekt des Infrastructure 2 European Hydropower Income der Franken betragen, das in knapp zwei Jahren in der Provinz Trabzon fertiggestellt sein soll. Das Konzept der eigenkapitalbasierten Offerte sieht vor, 15,5 Millionen Euro sowohl in Projektentwicklungen als auch fertiggestellte Anlagen zu investieren.

Die Veräußerung der Anlagen und Projektgesellschaften ist abhängig von der dann herrschenden Marktlage bereits nach neun Jahren angedacht. Im Jahr 2014 sollen die Anleger erstmals Ausschüttungen in Höhe von acht Prozent der Einlage pro Jahr erhalten, die vierteljährlich ausbezahlt werden sollen. Insgesamt stellt Shedlin Capital einen Gesamtmittelrückfluss von 201 Prozent in Aussicht.

Alle Entwicklungsphasen des Wasserkraftwerksbaus zum Wohle ihrer Anleger zu nutzen, verspricht auch die Emissionshaustochter der Deutschen Bank, DWS Access. Seit November letzten Jahres können vermögende Privatinvestoren ab 25.000 Euro zuzüglich zwei Prozent Agio dem Fonds beitreten, um indirekt in noch zu planende, zu entwickelnde oder zu errichtende Wasserkraftwerke mit einer Leistung von bis zu 30 Megawatt zu investieren.

Seite 4: Wasserfonds: Große Resonanz seitens der institutionellen Anleger [4]

Das prospektierte Eigenkapitalvolumen von 70 Millionen Euro wird sukzessive der österreichischen Enso GmbH zur Verfügung gestellt, deren Mitarbeiter die Investitionsobjekte identifizieren, akquirieren und bauen sollen. Konzeptionsgemäß sollen die Österreicher auch das Asset Management übernehmen und sich langfristig als Co-Investor mit bis zu 30 Millionen Euro beteiligen.

„Das Produkt ist an der einen oder anderen Stelle sicher erklärungsbedürftig. Besonders große Resonanz erhalten wir von institutionellen Anlegern, die sich mit dem Markt bereits beschäftigt haben und die Beta-Tranche zeichnen wollen, die ab der Summe von einer Million Euro erhältlich ist“ erläutert Dr. Hermann Wüstefeld, Leiter Konzeption und Asset Management geschlossener Fonds bei DWS Access, und nennt Versicherungen und Family Offices. Den Vertrieb des ursprünglich als Private Placement geplanten Produkts übernimmt die Deutsche Bank in Deutschland, Österreich und Luxemburg.

…kleine Projektentwicklungen

Als besonders aussichtsreiche Investitionsstandorte hat der eingekaufte Kompetenzträger Enso dagegen Skandinavien, den Alpenraum, große Teile Südosteuropas und ebenfalls die Türkei identifiziert.

„Wir hatten zwar auch Bestandsobjekte in den Zielregionen geprüft, allerdings genügten deren Qualitätsstandards unseren Anforderungen nicht. Aus diesen Erfahrungen entstand die Idee für das nun vorliegende Fondskonzept“, sagt Wüstefeld. „Unser Partner hat mittlerweile zwei Projekte in Albanien und ein Portfolio aus sechs Anlagen in Norwegen für den Fonds gesichert, von denen das erste bereits fertiggestellt ist. Hinzukommen ein Bestandskraftwerk in Österreich, das unser Projektpartner gepachtet hat und eins in der Türkei, das sich noch in der Due-Diligence-Phase befindet. Damit hat die Enso ihren Zugang zu diesen Märkten bereits eindrucksvoll bewiesen“, meint Wüstefeld und verweist auf die Investitionskriterien seines Fondskonzepts.

Das Portfolio soll sich aus Gründen der Risikostreuung aus mindestens vier Anlagen in drei der genannten Zielregionen zusammensetzen.

Daher setzen die Hessen auch auf vergleichsweise kleine Anlagen mit einer Leistung von bis zu 30 Megawatt: Sie sind günstiger und schneller fertigzustellen als ein Objekt im Aquila-Format. Trotzdem müssen die Anleger bis zum Geschäftsjahr 2015/2016 auf die ersten Ausschüttungen warten.

Im Unterschied zu den anderen Beteiligungsangeboten der Wettbewerber ist eine kurze Haltedauer zwischen drei und fünf Jahren geplant. Zum Ende der geplanten Fondslaufzeit von sieben Jahren prognostiziert das Emissionshaus einen Gesamtmittelrückfluss von mindestens 180 Prozent der Einlage an die Anleger.

Autor: Andreas Friedemann
Fotos: Shutterstock & Shedlin Capital

Lesen Sie am Donnerstag in Teil II welche alternativen Investitionsmöglichkeiten in Wasser der Markt bereithält und wie das grüne Gewissen der Anleger angesprochen wird.