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Einzelhandelstrends Nachhaltigkeit und Demografie

Der BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen sieht im Klimaschutz und der Demografie die entscheidenden Trends im Einzelhandel in 2010. Dies teilte der Verband auf dem sechsten Handelsimmobilienkongress in Berlin mit.

“Ökologische Performance, Verkehrs- und Demografiekonzepte von Handelsimmobilien sind die drei dominierenden Aspekte, um sich künftig am Markt behaupten zu können”,erklärte Dr. Katrin Grumme, Vorsitzende des BFW-Arbeitskreises Einzelhandel und Geschäftsführerin von DGC Dr. Grumme Consulting.

“Innerstädtische und integrierte Einzelhandelskonzepte müssen zukünftig immer stärker an ihrer Positionierung sowie Zentralität und somit Attraktivität arbeiten, um im Wettbewerb der Standorte und Konzepte zu bestehen. Die Positionierung von Handelsimmobilien wird zukünftig verstärkt von Nachhaltigkeit, Service und Erlebnis geprägt sein. Die Nachhaltigkeit der Immobilie, des Einzelhandelskonzeptes sowie jedes einzelnen Mieters wird über die Themen energetische Sanierung und Verkehr verstärkt in den Vordergrund rücken”, so Grumme weiter.

Längst würden die Konsumenten mehr als nur allein ökologisch hergestellte Produkte erwarten. Vielmehr legten sie einen immer größeren Wert auf ein transparentes und umfassendes Nachhaltigkeitsmanagement des Einzelhandels, das auch die unternehmensinternen Bereiche wie die Reduktion des CO2-Verbrauchs oder Maßnahmen zum Energiesparen einschließt. Für die Einzelhandelsunternehmen und die Einzelhandelsimmobilien sei dies Herausforderung und Chance zu gleich. Gelänge es ihnen, ein umfassendes Nachhaltigkeitsmanagements in ihre Unternehmensstrategie zu integrieren – und dies ihren Kunden glaubhaft zu kommunizieren – ließen sich enorme Wettbewerbsvorteile realisieren.

Die Höhe der Energiekosten ist nach Verbandsangaben für alle Einzelhändler ein Thema. Eine Studie des EHI Retail Institutes in Köln belege, dass Textileinzelhändler mit jährlichen 28,75 Euro pro Quadratmeter Verkaufsfläche die zweithöchsten Energiekosten im Handel haben – nach dem Lebensmittelhandel mit 50 Euro pro Quadratmeter. Bei einem Bundesdurchschnitt von etwa 420 Quadratmeter Verkaufsfläche pro 1.000 Einwohner im Lebensmitteleinzelhandel, entstünden jährlich Energiekosten für Strom, Gas und Heizöl von 21.000 Euro.

Die BFW-Arbeitskreisvorsitzende verweist zudem auf einen weiteren Trend: “Auch eine neue Mobilitätskultur und damit die Erreichbarkeit der Handelsimmobilie werden im Fokus der Nachhaltigkeit stehen. Mobilität und Einzelhandel sind eng miteinander verknüpft. Ohne individualisierte Mobilität ist der heutige Einzelhandel wirtschaftlich nicht denkbar. Auch ist die Versorgung einer breiten Bevölkerung mit Waren des täglichen, aber auch des nicht-periodischen Bedarfs, insbesondere unter den Vorzeichen der demografischen Entwicklung, ist ohne eine individualisierte Mobilität, die über das reine Gebäude hinausgeht, nicht zu gewährleisten.”

Eine nachhaltige und damit wirtschaftlich effiziente, umweltfreundliche und ressourcensparende Handelsimmobilie müsse auch Konzepte für einen nachhaltigen Kunden-, Anlieferungs- und Entsorgungsverkehr finden. Diese Verkehrskonzepte spielten bei der Entwicklung einer Handelsimmobilie bereits jetzt eine wichtige Rolle und die Bedeutung wird weiter zunehmen. Kleinräumige Mobilität für die tagtägliche Versorgung werde außerdem in einer alternden Gesellschaft an Bedeutung gewinnen. Hier könne individuelle Mobilität als Dienstleistung mit kleinen zentral versorgten, aber dezentral genutzten Angeboten eine neue Form der Mobilität sein. Integrierte Einzelhandelskonzepte könnten sich als Dienstleistungs-, Erlebnis- und Produktanbieter positionieren. (te)

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