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Euro-Unsicherheit treibt Zinshaus-Nachfrage

Aufgrund der aktuellen Unsicherheit bezüglich der Entwicklung des Euro-Raumes und des niedrigen Zinsniveaus verzeichnete der Immobiliendienstleister Grossmann & Berger in seinem aktuellen Marktbericht für Hamburg im bisherigen Jahresverlauf eine so hohe Nachfrage nach Zinshäusern wie noch nie zuvor.

“Die ersten Eigentümer entscheiden sich aufgrund der außergewöhnlich starken Nachfrage dafür, das hohe Preisniveau auszunutzen, ihre Immobilien zu verkaufen und das erhaltene Kapital in Lagen mit höheren Renditen zu investieren”, fasst Geschäftsführer Andreas Kunze eine neue, sich abzeichnende Entwicklung zusammen. Schon 2010 zeigte sich der Hamburger Markt für Zinshäuser laut Grossmann & Berger deutlich belebter als im Vorjahr. Die Zahl der Transaktionen stieg demnach von 386 um 18,9 Prozent auf 459 und lag somit wieder im Bereich des langfristigen Mittels. Von 2009 auf 2010 stieg der Transaktionsumsatz von 687 Millionen Euro auf 886 Millionen Euro, was einer Steigerung von 29 Prozent entspricht. Diese Entwicklung habe sich auch im Jahr 2011 fortgesetzt.

Im Jahr 2010 waren die Preise in ganz Hamburg laut Grossmann & Berger stabil bis steigend. In den sehr guten und bevorzugten Lagen seien erneut höhere Preise akzeptiert worden, auch wenn die Anfangsrendite nur selten die Kosten für den Kapitaldienst und die laufende Bewirtschaftung deckte. In den Toplagen wie beispielsweise Eppendorf, Harvestehude und Winterhude seien die Investoren bereit, Liebhaberpreise zu zahlen, für den auch ein hoher Anteil an Eigenkapital eingesetzt würde. Da für klassische Investoren mit geringem Eigenkapital ein Kauf in den Toplagen nicht möglich gewesen wäre, seien viele auf die mittleren und einfachen Lagen ausgewichen. Daher hätte auch dieser Bereich einen spürbaren Preisauftrieb erfahren. “Derzeit beobachten wir das verstärkte Auftreten von Erbengemeinschaften auf dem Hamburger Zinshausmarkt, die aufgrund der demografischen Entwicklung häufiger als Verkäufer auftreten”, sagt Joern Olaf Ridder, Leiter Wohnimmobilien/Zinshaus.

Seite 2: Alternative: Kauf von Eigentumswohnungen

Die größte Nachfrage existiere laut Grossmann & Berger im Kaufpreissegment bis 1,5 Millionen Euro. Hier suchten überwiegend private Investoren Möglichkeiten der Vermögensabsicherung oder der Altersvorsorge. Da das Angebot an Zinshäusern in diesem Segment die Nachfrage nicht annähernd decken könne, wichen weiterhin viele Interessenten auf den Kauf von Eigentumswohnungen als Kapitalanlage aus. Auch der Markt für gebrauchte und neue Wohnungen habe sich im vergangenen Jahr weiter deutlich belebt. Die sehr kurzen Vermarktungszeiten von zwei bis drei Monaten für Zinshäuser mit marktüblichen Preisen und von zwei bis vier Wochen für seltene Mehrfamilienhäuser in Toplagen seien ein Indiz für die extrem große Nachfrage. „Aufgrund der anhaltenden Beliebtheit von Sachwerten und des sehr günstigen Zinsniveaus wird die Nachfrage noch weiter zunehmen“, erwartet Joern Olaf Ridder.

Durch die aktuelle Unsicherheit bezüglich der weiteren Entwicklung des Euro-Raumes würden laut Grossmann & Berger immer mehr Neukunden Zinshäuser nachfragen. Darüber hinaus bestimmten Hamburger Investoren das Marktgeschehen und seien bereit, höhere Quadratmeterpreise in guten Lagen zu zahlen. Sie setzten auf ein langfristiges Investment mit entsprechender Wertsteigerung oder nähmen das Objekt in die Aufteilung. Aufgrund der jüngst festgelegten Erhaltungssatzung für einige Stadtteile und einzelne Bereiche sei dies jedoch nicht mehr in allen Lagen möglich, so dass einige der klassischen Aufteiler mittelfristig nicht mehr zur Zahlung von hohen Preisen bereit sein würden.

Aufgrund der anhaltend niedrigen Zahl an Neubaufertigstellungen und den weiter steigenden Wohnungsmieten sei gleichzeitig mit einer weiteren, spürbaren Verknappung des Angebots zu rechnen. “Der jüngst zwischen Senat und den sieben Bezirken geschlossene Vertrag für den Bau von mehr als 6.000 Wohnungen jährlich stimmt positiv”, sagt Ridder. Da die Halbjahreszahlen eine starke Marktaktivität zeigten,sei laut Grossmann & Berger für den weiteren Jahresverlauf mit einem ähnlichen Transaktionsvolumen wie 2010 sowie steigenden Miet- und Quadratmeterpreisen für den gesamten Hamburger Raum zu rechnen (te)

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