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Weltweiter Preisanstieg bei Wohnimmobilien verliert an Fahrt

Die weltweiten Preise für Wohnimmobilien sind nach Angaben des internationalen Immobilienberatungsunternehmens Knight Frank innerhalb von zwölf Monaten um durchschnittlich 1,8 Prozent gestiegen. Das ist die niedrigste Wachstumsrate seit dem vierten Quartal 2009. Noch drei Monate zuvor lag das jährliche Plus bei 3,3 Prozent.

Stichtag der Untersuchung ist das Preisniveau zum Ende des ersten Quartals 2011. Dabei verzeichnete die Hälfte der untersuchten Länder keinen Preiszuwachs. An 25 der 50 analysierten Standorte sind die Preise in den letzten drei Monaten gesunken oder stabil geblieben. Ein Jahr zuvor war das nur an 18 Standorten der Fall.

Am stärksten ist der Preisanstieg nach Aussage von Knight Frank nach wie vor in Asien. Dort waren Wohnimmobilien Ende März 2011 insgesamt 8,4 Prozent teurer als im Vorjahr. Allerdings lag der Zwölf-Monats-Zuwachs ein Jahr zuvor, Ende März 2010, noch bei 17,8 Prozent.

Mit einem Minus von 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr ging Nordamerika laut Knight Frank als Verlierer aus dem Ranking hervor. In Europa seien die Preise im ersten Quartal 2011 dagegen stabil geblieben, während sie ein Jahr zuvor noch um 4,1 Prozent nachgegeben hatten.

In der Länderbetrachtung haben die Preise für Wohnimmobilien in Hongkong mit einem Plus von 24,2 Prozent am stärksten zugelegt, danach folgen Indien mit 21,9 Prozent und Taiwan mit 14,3 Prozent. „Auf den ersten Blick scheinen die Resultate das bekannte Bild zu spiegeln: Asien liegt vorn, Europa und Nordamerika hinken hinterher,“ kommentiert Liam Bailey, der das Research für Wohnimmobilien bei Knight Frank verantwortet. „Auf den zweiten Blick gibt es indes einige eher überraschende Ergebnisse.“

In Russland seien die Preise in den letzten drei Monaten beispielsweise um 13,7 Prozent gefallen, was das Land im Ranking hinter Irland verwiesen hat. Frankreich ist dagegen von Platz 30 im Vorjahr auf Platz sechs im ersten Quartal 2011 gesprungen. Schweden und Deutschland haben nach einer langen Wachstumsphase nun erstmals wieder ein Minus verzeichnet. Mit Ausnahme von Deutschland spiegeln die Veränderungen laut Knight Frank die wirtschaftliche Performance in diesen Ländern oder sind eine Reaktion auf lokale politische Maßnahmen.

In asiatischen Ländern haben die Regierungsmaßnahmen zur Abkühlung der Preisexplosion auf den Wohnimmobilienmärkten nach Aussage der Studie im letzten Jahr überwiegend gute Erfolge erzielt. In China waren die Preise im ersten Quartal 2010 noch um 49 Prozent gestiegen, im ersten Quartal 2011 dagegen nur noch um moderate 8,4 Prozent. Lediglich Hongkong verzeichnete im ersten Quartal 2011 wegen der hohen Nachfrage von Festland-Chinesen einen Zuwachs um 24,2 Prozent.

Seite 2: Gefahr einer Preisblase in Asien [1]

In Europa zeigen die von hoher Verschuldung betroffenen Länder Portugal, Irland, Spanien und Griechenland laut Knight Frank ein differenziertes Bild. Während die Preise für Wohnimmobilien im ersten Quartal 2011 in Spanien weiter um 2,5 Prozent und in Irland um 4,5 Prozent gefallen sind, haben sie in Griechenland und Portugal entgegen der wirtschaftlichen Entwicklung ein Plus von 0,3 und 1,8 Prozent erzielt.

Im Nahen Osten hat sich die Lage an den Wohnimmobilienmärkten nach Aussage der Studie entspannt. Nach hoher Volatilität von 2008 bis 2010 hätten die Preise in Dubai nun die Trendumkehr vollzogen und ziehen wieder leicht an. Gebremst wurde der Preisanstieg in Israel, das in den letzten beiden Jahren im Ranking stets unter den Top Ten lag. Im November 2010 hatte der Internationale Währungsfonds davor gewarnt, dass die Preise zu stark steigen und dadurch Risiken für die Wirtschaft entstehen. Um dem entgegenzuwirken, wurden die Zinsen bis März 2011 fünf Mal angehoben. Entsprechend sind die Wohnimmobilienpreise in Israel im ersten Quartal 2011 nur noch um 1,1 Prozent gestiegen, verglichen mit einem Preiszuwachs von 12,1 Prozent auf Jahressicht.

„Während viele Marktexperten meinen, dass die größten Gefahren für die Wohnimmobilienmärkte von den USA ausgehen, sehen wir auch eine Bedrohung seitens der asiatischen Märkte,“ fasst Bailey zusammen. „In China, Taiwan und Hongkong könnten nach wir vor Immobilienblasen entstehen, sofern die Interventionen der Regierungen nicht ausreichend greifen.“ Knight Frank rechnet für 2011 weiterhin mit einem verlangsamten Wachstum der Preise. Sofern sich die asiatischen Märkte abkühlen, sei davon auszugehen, dass sich die Preise für Wohnimmobilien ab 2012 wieder moderat erholen. (bk)

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