Dr. Klein: Leitzinssenkung ohne Einfluss auf Baufinanzierungszinsen

Anfang Mai hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins auf historisch niedrige 0,5 Prozent gesenkt, um die wirtschaftliche Entwicklung in der Euro-Zone anzukurbeln. Aus Sicht des Finanzdienstleisters Dr. Klein hat dieses – generell eher symbolische – Instrument der EZB keinen Einfluss auf die Baufinanzierungszinsen in Deutschland.

Stephan Gawarecki, Dr. Klein & Co. AG
Stephan Gawarecki, Dr. Klein & Co. AG

So sind die Baufinanzierungszinsen sind in den letzten vier Wochen bis zur Zinssenkung der EZB Anfang Mai zwar zunächst gesunken, seitdem jedoch wieder auf das Niveau von Anfang/Mitte April angestiegen. „Da die Entwicklung der Baufinanzierungszinsen in Deutschland nach wie vor eng mit der Schuldenkrise in Europa verbunden ist, gehen wir in den nächsten Wochen weiter von schwankenden Zinsen aus“, sagt Stephan Gawarecki, Vorstandssprecher Dr. Klein & Co. AG. „Immobilienfinanzierer sollten sich hierdurch nicht verunsichern lassen. Historisch gesehen war es noch nie so günstig, eine Immobilie zu finanzieren. Wichtig bei der Planung sind nach wie vor eine auf die Situation des Kunden zugeschnittene Zinsbindung – meistens eine möglichst lange – sowie Flexibilität in Form von Sondertilgungsmöglichkeiten und optionalen Tilgungssatzwechseln während der Darlehenslaufzeit.“

Den wirtschaftlichen Impuls aus der Leitzinssenkung stellt Gawarecki in Frage. „Die Idee der erneuten Zinssenkung ist, den Geschäftsbanken noch mehr günstiges Geld zur Verfügung zu stellen, damit diese neue Kredite an Unternehmen und private Haushalte vergeben. Im Rahmen der aktuellen Schuldenkrise zeigt sich aber gerade, dass dieser Prozess in schwächelnden Volkswirtschaften wie Portugal, Spanien, Griechenland und Italien derzeit kaum funktioniert. Gerade kleinere Unternehmen dieser Länder zahlen immer noch eine hohe Risikoprämie auf Kredite, wenn sie überhaupt Kredite erhalten. Hintergrund ist die Risikoscheu der lokalen Banken, die sich gegen Kreditausfälle im Zuge der Rezession absichern wollen“, heißt in seinem Zinskommentar.

Auch den Nutzen für die Unternehmen bezweifelt er. „Von dem ermäßigten Zinssatz profitieren aktuell nur die Banken und die Schuldenländer, die sich im Moment wieder zu günstigeren Zinssätzen am Kapitalmarkt refinanzieren können“, sagt Gawarecki. Er hofft, dass der politische Reformwille damit nicht gebremst wird. „Denn obwohl es in den letzten Wochen ruhiger um die Schuldenkrise geworden ist, ist diese noch lange nicht ausgestanden“, so der Dr. Klein-Chef.

Alternative Ideen der EZB

Da die EZB erkannt hat, dass der Mechanismus, die Wirtschaft durch günstigere Leitzinsen mit mehr Krediten zu versorgen, aktuell gestört ist, werden derzeit neue Ideen wie die Erhebung eines negativen Zinssatzes für Einlagen von Geschäftsbanken bei der EZB oder den Aufkauf von Asset Backed Securities (ABS) durch die EZB diskutiert. Letztere Idee wäre zwar durch das Mandat der EZB gedeckt. „Es würde jedoch zu einem erneuten Tabubruch der EZB – nach dem Aufkauf von Staatsanleihen – kommen. Die Gefahr, dass die Risiken für die EZB-Bilanz auf Grund fauler Unternehmenskredite steigen, wäre nicht von der Hand zu weisen“, so Gawareckis Zinskommentar.

Quelle: Dr. Klein

(te)

Foto: Dr. Klein

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