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Neuer Marktriese: Deutsche Annington will Gagfah übernehmen

In der Immobilienbranche bahnt sich eine Großfusion an: Die Deutsche Annington will den Konkurrenten Gagfah übernehmen. Der neue Konzern würde über ein Portfolio von rund 350.000 Wohnungen verfügen.

Rolf Buch, Deutsche Annington: “Durch den Zusammenschluss wollen wir ein gemeinsames, effizienteres Unternehmen schaffen, das Innovationsführer der deutschen Wohnungswirtschaft ist.”

Mit dem Zusammenschluss der Deutschen Annington und der Gagfah würde der mit Abstand größte Wohnimmobilienkonzern in Deutschland entstehen.

Nach Angaben von Annington haben die Vorstände und Aufsichtsgremien beider Unternehmen einen Zusammenschluss vereinbart. Durch die Fusion entstehe ein Unternehmen mit einem Portfolio von rund 350.000 Wohneinheiten und einem kombinierten Portfoliowert von rund 21 Milliarden Euro – laut Annington das zweitgrößte börsennotierte Immobilienunternehmen in Kontinentaleuropa.

Übernahmeangebot an die Aktionäre

Die Deutsche Annington zahlt jeweils die Hälfte des Kaufpreises von 3,9 Milliarden Euro in bar und in eigenen Aktien. Sie hat ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für alle Aktien der Gagfah angekündigt. Annington bietet Aktionären der Gagfah 122,52 Euro in bar sowie fünf neue Aktien der Annington je 14 Gagfah-Aktien. Damit biete Annington eine Prämie von 16,1 Prozent auf den Schlusskurs der Gagfah am 28. November 2014 und von 18,1 Prozent auf den gewichteten Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate.

Das formale Übernahmeangebot soll noch vor Weihnachten vorgelegt werden und voraussichtlich bis zum 21. Januar 2015 laufen. Bedingung für den Zusammenschluss ist eine Mindestannahmequote von 50 Prozent.

„Wir haben vereinbart, einen fairen und partnerschaftlichen Prozess zu führen”, so Rolf Buch, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Annington. “Wir wollen mit dem Zusammenschluss das führende Unternehmen auf dem deutschen Wohnungsmarkt von europäischer Dimension und mit Sitz in Nordrhein-Westfalen schaffen, das ertragsstärker und wettbewerbsfähiger ist.“

Durch die Fusion wollen beide Unternehmen innerhalb der kommenden zwei Jahre Kostenvorteile von insgesamt rund 84 Millionen Euro durch die Hebung von Synergien erzielen. Die Mieter beider Unternehmen sollen den Angaben zufolge von den Kostenvorteilen und einer besseren Mieterbetreuung profitieren. Im Vordergrund bei der Hebung von Synergien im operativen Bereich stehe dabei nicht der Abbau von Arbeitsplätzen.

“Unseren Mietern kann ich versprechen, dass die Gagfah alle abgeschlossen Vereinbarungen einhält, und dass die gemeinsame Gesellschaft sich an ihrem Anspruch als sozial verantwortlicher Vermieter messen lässt”, so Gagfah-Chef Thomas Zinnöcker.

Seite 2: Neue Zentrale und neuer Name [1]

Beide Unternehmen investieren nach eigenen Angaben beträchtlich in die Bereiche energetische Sanierung und Schaffung von altersgerechtem Wohnraum. In Summe würden beide im kommenden Jahr rund 500 Millionen Euro in Instandhaltung und Modernisierung des Wohnungsbestands investieren.

Gleichberechtigte Führung

Vorstandsvorsitzender des fusionierten Unternehmens soll Rolf Buch bleiben, stellvertretender Vorsitzender werde Gafah-Chef Thomas Zinnöcker. Die Wohnungsbewirtschaftung soll bundesweit über sechs Regionen erfolgen und gleichberechtigt besetzt werden.

Der gemeinsame Vorstand will sich zu gegebener Zeit über einen neuen Namen des Gesamtkonzerns verständigen. Die Zentrale des fusionierten Unternehmens soll in der Nähe der bisherigen Hauptsitze in Bochum und Mülheim entstehen.

Ähnliche Wurzeln

Annington und Gagfah sind auf ähnliche Weise entstanden. Finanzinvestoren hatten staatliche Werkswohnungen gekauft und an die Börse gebracht. Die Deutsche Annington entstand aus ehemaligen Eisenbahnerwohnungen und Wohnungsbeständen von Eon und RWE, die vom Investor Terra Firma erworben wurden. Sie ist seit Sommer 2013 börsennotiert.

Grundstock der Gagfah waren die Wohnungen der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA), später wurden die kommunalen Wohnungsgesellschaften Nileg in Hannover und Woba in Dresden hinzuerworben. Sie ist seit 2006 börsennotiert. Beide Unternehmen haben nach eigenen Angaben ihre Strategie seit dem Börsengang auf langfristige Bestandshaltung ausgerichtet. (bk)

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